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Christian Herwartz

Ende der Exerzitien in München 2011 15

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Herzlich willkommen auf dieser Seite, auf der ich mit den BesucherInnen gern meine Erfahrungen in vielen Etappen teilen möchte. Ich lebe jetzt in der Senio-renkommunität SJ Berlin-Kladow, Am Schwemmhorn 3a, 14089 Berlin.
Erreichbar auf meinem Zimmer: 030-3689028 + Handy (neu) 0162/4110565 + Mail: christian.herwartz@jesuiten.org + Web: nacktesohlen.wordpress.com




Wenn wir etwas Neues mit den Händen schaffen, dann vergessen wir oft die uns tragen-den Füße. Bei einem Kind oder einer Geliebten streicheln wir sie noch; beim Tanzen drük-ken wir mit ihnen unsere Freude aus, und beim Pilgern lassen wir uns wie Israel aus dem babylonischen Exil in die
Bei einer Demonstration gegen steigende Lebenshaltungskosten und ungerechte Bildungs- und Arbeitschancen in Santiago de Chile verlor im Oktober 2019 der uns entge-genkommende Fuß auf dem Hungertuch den „Boden unter den Füßen“ und zerbrach beim anschließenden Polizeieinsatz, der von der landesweiten sozialen Ungleichheit ab-lenken sollte: 5000 Verletzte, 26 Todesfälle, mehr als 7000 Verhaftungen. Lilian Moreno Sánchez erinnert das Geschehen und zeichnete das Röntgenbild auf die Bettwäsche.

Im Lukasevangelium lesen wir: Eine in der Gesellschaft verstoßene Frau wäscht in ihrer Not Jesu Füße mit ihren Tränen. Jesus verteidigt ihre Würde vor den versammelten Män-nern. Als ihn die Angst vor seiner Ermordung überwältigen will, wäscht er seinen Jün-gern und Jüngerinnen die Füße (Joh 13). Petrus will diesen Sklavendienst nicht anneh-men. Doch Jesus ermahnt ihn, dies zuzulassen und ihn selbst zu erlernen. Petrus zieht – ähnlich wie Mose vor dem Angesicht Gottes im brennen-den, aber nicht verbrennenden Dornbusch – seine Schuhe im Respekt vor der ganzen Wirklichkeit des Lebens aus, die wir Gott nennen.
In dieses Jetzt sind auch wir gerufen. Für diesen alltäglichen Kampf – so ermahnt uns Paulus im Epheserbrief – sollten wir nach der Rüstung Gottes greifen, den Gürtel der Wahrheit anlegen und in die Schuhe der Bereitschaft schlüpfen und uns so für das Evan-gelium des Friedens einsetzen (Eph 6,15). Der Brief ist an Juden gerichtet, die sich zu Je-sus als ihrem Messias bekennen. Paulus listet die Schritte ins Leben für sie und uns nach einer solchen Glaubensvertiefung auf: Dank,Ent-decken des Glaubens der Kirche, Bei-stand für die Bedrängten und das Gebet für die Men-schen (Lk 7,36ff).

Wir sind eingeladen, den intimen Raum unserer Herzen zu öffnen und unseren Fuß in den weiten Raum Gottes zu setzen, der uns, mit ihm verwandt (Gen 1,26) und nach sei-nem Bild als Mann und Frau erschuf und der uns seinen Geist einhauchte (Gen 2,7; Joh 20,22), der in der Nachfolge Jesu zum liebenden Rollenwechsel befähigt (Lk 24,30). Un-ser Mitgefühl mit den Beiseite-Gescho-benen, den Trauernden, Kranken, Hungrigen, Ver-irrten entfaltet sich (Mt 10,7) und lässt uns in dem anvertrauten Licht wachsen, (Jo 8,12) das in unserer Liebe auch für andere sichtbar wird.


1 Dr. Ulrike Bail/Frank Crüsemann/Helene Crüsemann (Hrsg.): Bibel in gerechter Sprache © 2006, Güterloher Verlagshaus, Gütersloh, in der Verlagsgruppe Random House GmbH.


Wenn wir etwas Neues mit den Händen schaffen, dann vergessen wir oft die uns tragen-den Füße. Bei einem Kind oder einer Geliebten streicheln wir sie noch; beim Tanzen drük-ken wir mit ihnen unsere Freude aus, und beim Pilgern lassen wir uns wie Israel aus dem babylonischen Exil in die Weite Gottes tragen: „Du stellst meine Füße auf weiten Raum.“ (Psalm 31,9)
Im Gegensatz zu den Füßen öffnen sich bei der Begrüßung eines Gastes unsere Hände. Die Füße bleiben oft verborgen. Auf ihnen sehen wir wie auf einem zweiten Gesicht inti-me Spuren der Lebensabschnitte, in denen wir nicht gesehen wurden. Doch mit ihnen hinterlassen wir unseren Fußabdruck auf der Straße des Lebens. Wird sie uns in eine le-bensfreundliche Welt mit Hand und Fuß führen, oder haben wir die Natur so stark ausge-beutet, dass die Lebensmöglichkeiten der kommenden Generationen beschnitten sind?
Bei einer Demonstration gegen steigende Lebenshaltungskosten und ungerechte Bil-dungs- und Arbeitschancen in Santiago de Chile verlor im Oktober 2019 der uns entge-genkommende Fuß auf dem Hungertuch den „Boden unter den Füßen“ und zerbrach beim anschließenden Polizeieinsatz, der von der landesweiten sozialen Ungleichheit ab-lenken sollte: 5000 Verletzte, 26 Todesfälle, mehr als 7000 Verhaftungen. Lilian Moreno Sánchez erinnert das Geschehen und zeichnete das Röntgenbild auf die Bett wäsche.

Im Lukasevangelium lesen wir: Eine in der Gesellschaft verstoßene Frau wäscht in ihrer Not Jesu Füße mit ihren Tränen. Jesus verteidigt ihre Würde vor den versammelten Män-nern. Als ihn die Angst vor seiner Ermordung überwältigen will, wäscht er seinen Jün-gern und Jüngerinnen die Füße (Joh 13). Petrus will diesen Sklavendienst nicht anneh-men. Doch Jesus ermahnt ihn, dies zuzulassen und ihn selbst zu erlernen. Petrus zieht – ähnlich wie Mose vor dem Angesicht Gottes im brennen-den, aber nicht verbrennenden Dornbusch – seine Schuhe im Respekt vor der ganzen Wirklichkeit des Lebens aus, die wir Gott nennen.
In dieses Jetzt sind auch wir gerufen. Für diesen alltäglichen Kampf – so ermahnt uns Paulus im Epheserbrief – sollten wir nach der Rüstung Gottes greifen, den Gürtel der Wahrheit anlegen und in die Schuhe der Bereitschaft schlüpfen und uns so für das Evan-gelium des Friedens einsetzen (Eph 6,15). Der Brief ist an Juden gerichtet, die sich zu Je-sus als ihrem Messias bekennen. Paulus listet die Schritte ins Leben für sie und uns nach einer solchen Glaubensvertiefung auf: Dank, Entdecken des Glaubens der Kirche, Bei-stand für die Bedrängten und das Gebet für die Menschen (Lk 7,36ff).

Wir sind eingeladen, den intimen Raum unserer Herzen zu öffnen und unseren Fuß in den weiten Raum Gottes zu setzen, der uns, mit ihm verwandt (Gen 1,26) und nach seinem Bild als Mann und Frau erschuf und der uns seinen Geist ein hauchte (Gen 2,7; Joh 20,22), der in der Nachfolge Jesu zum liebenden Rollenwechsel befähigt (Lk 24,30). Unser Mitgefühl mit den Beiseite-Geschobe-nen, den Trauernden, Kranken, Hungrigen, Veirrten entfaltet sich (Mt 10,7) und lässt uns in dem anvertrauten Licht wachsen, (Jo 8,12) das in unserer Liebe auch für andere sichtbar wird.


1 Dr. Ulrike Bail/Frank Crüsemann/Helene Crüsemann (Hrsg.): Bibel in gerechter Sprache © 2006, Güterloher Verlagshaus, Gütersloh, in der Verlagsgruppe Random House GmbH.

Christian Herwartz Mein letzter Umzug, ein neuer Lebensabschnitt und die Freude aufs Wiedersehen