2011 Hildegard Ossege, Der Auferstandene in uns

 Vorstellung des Misereor-Kreuzwegs im TaK


Kreuzwegstation

Eine moderne Kreuzwegstation: Blick auf das Konzentrationslager Dachau.

„Grüß Gott“ – mit diesem Grußwort begann P. Christian Herwartz SJ im Brandts-Kapellchen, Mönchengladbach, seine Einführung zum diesjährigen Misereor-Kreuzweg zur Fastenzeit. P. Christian hat denselben auf eine/seine ganz eigene Weise verfasst. Auf Sr. Bettina Rupps Einladung hin war er eigens von Berlin gekommen, um mit uns zum traditionellen Mittwochstreff in der Liturgiefeier seine Vorstellungen und Inspirationen zu dem Kreuzweg zu teilen.

In Vorbereitung auf den Kreuzweg ließen wir die Fotos in entsprechender Größe für eine Ausstellung anfertigen, die im Kapellchen weiter zu sehen sind.

Seine Ausführungen zu den von ihm ausgewählten Bildern ließen alle aufhorchen und gingen unter die Haut. In beeindruckender Weise erklärte er einige der 15 Stationsbilder aus heutiger Zeit, die den 15 Stationen des üblichen Kreuzweges entsprechen. Die Fotos zeigen Situationen von Menschen, die in Armut, Bedrängnis, verdeckter Ausbeutung, Teilnahmslosigkeit und Versklavung leben müssen. Häuserfassaden deuten verdeckt darauf hin, was sich hinter ihnen in unseren Städten abspielen kann.

P. Christian bezieht sich auf verschiedene Stellen der Evangelien, vor allem auf Mt 25,31 ff, (Gleichnis vom Endgericht). Hier identifiziert sich Jesus mit denen, die ausgebeutet, arm, gefangen, hungrig,… sind. Fragen wie „Wo wird heute ein Mensch ungerecht verurteilt? Geschieht es in unserer, in meiner nächsten Umgebung? Wann und wo werde ich von meiner Schwäche zu Boden gedrückt?“ kommen auf. Jede Station hinterfragt den Betrachtenden. Sei es, er ist selbst Betroffener, oder sei es, er ist derjenige, der anderen das Leid zufügt oder ihnen Gleichgültigkeit entgegenbringt, die krank machen kann.

Das erste Bild hat  P. Christian  mit „Grüß Gott“ betitelt. Dieses „Grüß Gott“ gilt quasi für alle Bilder, denn entsprechend der Worte Jesu begegnet Er uns in  jedem leidenden Menschen und geht  heute seinen Kreuzweg weiter mit uns. „Als Auferstandener lebst du unter uns. Oft bemerken wir dich nicht.“ So heißt es im Gebet zu Beginn des Kreuzweges. „Grüß Gott“ galt aber auch uns, die wir im Kapellchen zusammen gekommen waren, denn in irgendeiner Weise sind wir alle Betroffene und in uns lebt der Auferstandene.

Nach dem Gottesdienst konnten wir das erste Mal im neu renovierten TaK zum gemeinsamen Essen zusammenkommen. Nach dem Essen bot P. Christian sich an, uns weitere Bilder des Kreuzweges zu erklären und gleichzeitig forderte er uns heraus, eigene Situationen zu nennen, wo wir Jesus begegnen könnten. Auch war er bereit, etwas von seiner eigenen Person zu sagen. Hier wurde vor allem deutlich, dass sich seine eigenen Erfahrungen in den Bildern und Texten widerspiegeln, denn er war Jahrzehnte als Arbeiterpriester tätig und lebt seit etwa 30 Jahre in einer offenen Wohngemeinschaft in Kreuzberg, Berlin, um sein Leben mit Menschen, die von den verschiedenen Facetten der Armut und Ungerechtigkeit betroffen sind, zu teilen.

Veröffentlicht: 18.03.2011

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