2005 Christian Herwartz, Unterwegs zu hause

Mensch werden inmitten der Auferstehung

Durch den häufigen Wohnortwechsel in meiner Kindheit habe ich oft Fremdheit und Ausgrenzung aber auch Heimat der mitziehenden Familie und in der Kirche erlebt. Diese Entwurzelungen und das Scheitern in der Schule geschah mitten in einem – zu unserem Glück – schmerzhaft entwurzelten und geteilten Volk. Die Geschichte des Nationalsozialismus in Deutschland, die zum Zweiten Weltkrieg geführt hatte, war mit ihrem Rassismus weiter gegenwärtig bis in die Kirche hinein. Dieser Schmerz der Ausgrenzung hat Suchen und Gegenwehr mobilisiert. Dabei konnte ich geschenkte Solidarität mit Obdachlosen entdecken, den Hunger nach einer religiösen Gemeinschaft und nach einem missionarischen Handeln im weltweiten Kontext. Auf einer großen Schiffswerft begann ich eine Maschinenbauausbildung. Es gab viel zu entdecken. Am 24. Dezember 1960 arbeiteten wir nur einen halben Tag. Als wir dann mit dem Schiff zu den Familienfesten nach hause fuhren, entdeckte ich, dass wohl fast alle Kollegen betrunken waren. Ich war perplex. Und ich habe begriffen, dass Weihnachten, das Fest der Menschwerdung Gottes, für viele Menschen eine Zeit der Überforderung, des Unfriedens, der Einsamkeit oder gar der Selbsttötung ist. Mein Leiden an der ideologischen und praktischen Verschlossenheit in meinem Land wurde größer. Warum lebten nicht mehr Menschen ihren Glauben sichtbar, nannten Unrecht beim Namen, auch wenn dies Ausgrenzung nach sich ziehen würde. Warum waren so wenige Christen im Westteil unseres Landes im Gefängnis? Im Osten hatte die Regierung den Glauben an Gott als Störung ihrer Ideologie erkannt und bekämpft.

Ausbildung in der Gesellschaft Jesu

Mit 25 Jahren trat ich mit meinem Hunger nach einer solidarischen Gemeinschaft in die Gesellschaft Jesu ein. Die Geschichte der Ausgrenzung ging auch dort weiter. Zum Glück gab es gegenteilige Erfahrungen von Freundschaft und Aufnahme unter Mitbrüdern.

Dazu gehörten vor allem die Begegnungen mit Michael Walzer, einem Mitstudenten in München. Er hatte früh bemerkt, wie die Kinder nach vier Jahren Schule voneinander getrennt werden, um ihre Wege in unterschiedlichen gesellschaftlichen Klassen weiter zu gehen. Auf dem Weg zu den getrennten Schulen saßen die einen vorne und die anderen hinten in der Straßenbahn. Sie hatten jetzt verschiedene Themen und Verhaltensweisen. Michael hat sich in den deutsch-französischen Begegnungen engagiert, also um die Versöhnung zwischen den alten Kriegsparteien. – Auf einem Spaziergang sagte er plötzlich: „Nach dem Philosophiestudium möchte ich gern für zwei Jahre als Arbeiter in die Fabrik gehen und mich unserer Entfremdung voneinander stellen. Willst du mitkommen?“ Noch heute wundere ich mich über mein spontanes Ja damals, dass mein weiteres Leben bestimmt hat. Wir unternahmen einiges, um unseren Plan umzusetzen. Er scheiterte im ersten Anlauf und wir mußten getrennte Wege an verschiedenen Orten gehen. Sieben Jahre später aber begannen wir mit der Arbeit in der Fabrik in Berlin und gründeten 1978 eine kleine Jesuitengemeinschaft, in der ich bis heute lebe. Michael starb vor fast 20 Jahren an einem Gehirntumor.

Im Theologiestudium in Frankfurt wurde ich besonders von den ausländischen Studenten aufgenommen. Sie trafen sich in der Hochschule regelmäßig und kochten mit ihren vielen kulturellen Hintergründen. Ich war der einzige Deutsche unter ihnen und brauchte nicht zu kochen. Die hiesige Küche war ihr Alltag. Diese Begegnungen machten mir Mut. Ich entdeckte darüber besonders die ausländischen Arbeiter in Deutschland. Als Tagelöhner arbeitete ich während des Studiums regelmäßig in einem Umzugsunternehmen und kam dabei mit vielen Menschen zusammen, die Gefängnisstrafen hinter sich hatten. Ich suchte auch Begegnungen mit Jugendlichen. Doch die Fahrten zur Arbeit wurden die Zeiten, in denen ich mit Gewinn die Bibel lesen konnte. Diese Erfahrung wies mir den weiteren Weg.

Nach dem Studium, das für mich ein spezielles Training im Zuhören war, ging ich drei Jahre nach Frankreich in die Lehre zu den Mitbrüdern, die in der Gruppe Arbeitermission SJ zusammengefaßt waren. Nun wurde das Motiv meines Suchens deutlicher: Jesus lebt unter uns am Arbeitsplatz, mitten in den Anstrengungen und der deutlichen Verachtung von uns Arbeitern. Wie kann ich ihn besser entdecken und ansprechen? Wie können wir die Gemeinschaft mit ihm stückweise auch gemeinschaftlich leben? Wie kann ich mich in Deutschland mit anderen als Arbeiter in einer gesellschaftlich fremdbestimmten Kirche am Glaubensleben beteiligen?

Nach Frankreich bin ich ohne Sprachkenntnisse gefahren und habe trotzdem bald Arbeit in Toulouse gefunden. Auch die einladenden Mitbrüder dort hatten im Ausland gearbeitet und kannten die damit verbundenen Schmerzen des Nichtverstehens von Sprache und Kultur. Besonders unter ihnen fand ich meine Heimat im Orden. Die Arbeitermission in Frankreich, Spanien, Italien, Belgien ist mir ein Zuhause geworden. Mit diesem Hintergrund konnte ich später Zeiten der Ablehnung besser überstehen.

Aber mir wurde noch eine zweite Zugehörigkeit in Frankreich geschenkt. Auf einem großen Fest ausländischer Arbeiter bemerkte ich: ich gehöre zu diesem Volk der Ausländer inmitten des Volkes meiner französischen Mitbrüder, das ich sehr schätze. Damit war ich auf einen wichtigen Aspekt meiner Identität gestoßen. Ich konnte mich nicht mehr für Ausländer, für Kollegen und Kolleginnen – z.B. als Berater – engagieren, sondern nur noch mit ihnen, als einer der auch Teil davon ist. Ich entdeckte mich, später auch unter meinen deutschen Landsleuten, als einen Fremden.

Fabrikarbeit und Gründung einer neuen Kommunität in Berlin-Kreuzberg

Bei der Rückkehr nach Deutschland war ich 35 Jahre alt und hatte gelernt, dass die Suche nach Gemeinschaft mit Jesus über Grenzen führt. Der Glaube entwurzelt und wird oft genug lebendig im Unglauben alten sozialen und religiösen Vorstellungen gegenüber. Trotz scheinbar unüblichen Verhaltens bemerkte ich andererseits, wie die Identität als Jesuit gewachsen war und sich z.B. der Pilgerbericht von Ignatius direkt im Alltag auslegte. Das gab eine innere Ruhe. Wir gingen ja mit unserer kleine Gemeinschaft in Berlin-Kreuzberg einen bisher in Deutschland unbekannten Weg. Neues wird häufig mit Verdächtigungen überschüttet, auch weil es sich oft konzeptionell und nicht von Erfahrungen her begründen muß.

Gewartet haben wir häufig auf den „Marktplätzen“ (Mt 20,3) von Berlin um zu sehen, wo sich eine Tür auftat und wir eingeladen wurden: am Arbeitsplatz, vor sozialen Brennpunkten, Gefängnissen, Wohnhäusern. Besonders herausfordernd war es im deutschen Ausland eine Straße weiter. Berlin wurde durch eine streng bewachte Mauer geteilt. Eine andere Kultur war jenseits der Grenze entstanden und darüber hatte sich dort auch die Sprache verändert. Trotz aller Schwierigkeiten gingen wir nach der Arbeit rüber, weil die dort entdeckten Freunde uns nicht besuchen konnten. Sie schenkten uns einen wichtigen Blick auf unsere kapitalistische Gesellschaft. Nach einiger Zeit kam ich in diese ganz anderen Welt von meinem Gefühl her nach hause und konnte die Sprache dort besser verstehen. Da es kein Telefon gab und die Grenzübertritte den Behörden nicht zu sehr auffallen durften, mußten wir häufig in den Straßen warten, bis jemand von den Freunden da war. Die Zeit war immer kurz. Das Warten – ich würde heute lieber schreiben: das Gebet – war Teil dieser reichen Zeit in dem ganz nahen Ausland.

In unserem Stadtteil Kreuzberg leben viel Menschen türkischer Herkunft. Sie helfen, die ausländische Seite in mir wach zu halten. Dies Anliegen unterstützte auch eine Reise in die Türkei, bei der wir die Kultur unserer Nachbarn mehr schätzen lernten.

Der entscheidende Lernort war aber der Arbeitsplatz. Vieles habe ich in meinem Beruf als Dreher und später als Lagerarbeiter dazugelernt und die möglichen Beziehungen und Kommunikationsformen auch in der Akkordarbeit entdeckt. Die Kollegen haben mir mitten im Dreck der Arbeit das Brot gebrochen. Nach drei Jahren habe ich unter ihnen in einem Konflikt mit dem Meister für uns das Wort ergriffen. Das war ein einschneidendes Erlebnis für mich, diese Gemeinsamkeit zu spüren und aus ihr heraus zu handeln. Später habe ich auf großen Versammlungen und im Parlament der Gewerkschaft gesprochen und Beifall oder Ablehnung bekommen. Wie schnell hebt man dabei vom Boden ab und wird als ein ganz anderer auf einen Sockel gestellt. „Hast du keine Angst arbeitslos zu werden,“ wurde ich oft gefragt. So war es jedes Mal nach solchen Wortmeldungen wichtig, einige Tage ganz still meine Arbeit zu tun, ohne ein Wort mehr, um die entstandene Fremdheit auch in mir zu durchleben. Sehr zum Ärger meiner Kollegen mußte ich deshalb die mir angetragenen Ämter in unseren Organisationen ablehnen, die doch zum Überleben notwendig sind in der demokratiefeindlichen Welt der Arbeit, die oft Gefängnisstrukturen aufweist.

Ein interkulturelles Leben

Nach und nach gehörten wir Jesuiten verschiedenen städtischen Kulturen an und waren in unserer Identität zerrissen. Täglich wechselten wir zwischen ihnen hin und her, sprachen, fühlten, reagierten mit unterschiedlichen Worten und Gesten. Spielten wir nur noch verschiedene Rollen? Diese Frage wühlte auf. Mehr und mehr fand ich darüber meine Identität darin, über die Brücken der sich feindlich gegenüberstehenden kirchlichen, sozialen und politischen Kulturen zu gehen und dabei jede Zugehörigkeit ohne Verachtung der anderen als Pilger zu leben. Die Einsamkeit oft alleine über die schmalen gesellschaftlichen Brücken, durch die Berliner oder Gefängnismauern zu gehen, ist geblieben. Aber dazu kam die Freude auf das Wiedersehen und Neuentdecken der Menschen auf der anderen, schon vertrauten Seite.

Nach ein paar Jahren wuchs unsere Wohngemeinschaft, obwohl wir meist nur noch zwei Jesuiten waren. Es klopften obdachlose Menschen an. Ganz unterschiedliche Situationen hatten sie in diese Lage gebracht. Manche waren arbeitslos, aus dem Gefängnis oder dem Krankenhaus entlassen, hatten Suchtprobleme, waren krank – viele sind auf der Flucht in Deutschland und nach Deutschland. Oft fehlen für die Bürokratie wichtige Papiere. Unsere kleine Kommunität wurde zu einer Herberge. Manche Menschen blieben nur ein paar Tage, andere viele Jahre. Weil sie mit einer Not anklopften, habe ich sie anfangs nur darin gesehen. Doch eines Tages wurde ich zu einem internationalen Treffen von Jesuiten eingeladen, die zusammen mit Muslimen leben. Dort gingen mir die Augen auf, wie eindimensional mein Blick auf die Mitbewohner ist. Sie waren Menschen mit Problemen geblieben, die ich nicht hatte. So waren die richtigen Beschreibungen ihrer Situationen zu Abgrenzungen geworden. Jetzt konnten sie zu Lehrerinnen und Lehrern mit ihren Erfahrungen, Kulturen, Religionen werden. Besonders diese Menschen aus über 50 Nationen, mit denen ich in den Jahren in einem Zimmer zusammen geschlafen habe, lehrten uns Gastfreundschaft, in der wir ihre Menschlichkeit und ihren Glauben entdecken durften. Die schmerzliche Seite ihrer Not war nicht zu übersehen. Nach einiger Zeit bemerkten wir ihre Schmerzen auch in uns. Aber wir freuen uns auch mit ihnen, die Bibel oder den Koran zu lesen und das Gemeinsame zu entdecken, das uns menschlich leben läßt. Es ist ein Geschenk, mich jeden Abend unter sie alle in den Schlaf hinein loszulassen, mitten in diese konkrete weltweite Gemeinschaft. Das hier entstandene interreligiöse Gebet hat für mich jetzt auch einen öffentlichen Ausdruck bekommen. Mit Freunden treffen wir uns dazu jeden Monat einmal auf einem der Plätze Berlins, um für den Frieden zu beten.

Das Leben ist nicht begrenzbar und nicht nach Grundsätzen zu ordnen

Nun bin ich seit über 25 Jahren seßhaft geworden, um persönliche Beziehungen auf der Arbeit langfristig zu leben. Ständig darf ich neue Grenzen überschreiten und dabei die göttliche und die eigene Menschwerdung entdecken. Gott ist mit uns Mensch geworden und hat in Jesus gesellschaftliche und religiöse Grenzen überschritten. Er wurde an den äußersten Rand abgedrängt ja getötet, weil sein grenzüberschreitendes Leben, das Essen mit den Zöllnern und Sündern die Herrschenden gefährdete. Auch unsere Ordnungen werden durch sein Verhalten in Frage gestellt. Wir dürfen mit vielen nicht angesehenen Menschen essen und feiern. Doch wir bemerken auch, dass wir Menschen ausgrenzen. Dies geschieht oft notgedrungen in Verantwortung für ein Engagement oder einen Ort, wo sich Menschen sammeln können. Mitten in diesem Schmerz merke ich: Jesus war und ist kein Funktionär, der eine Institution schützen müßte; Jesus läßt sich lieber ausgrenzen, als unter unseren Bedingungen dazugehören zu wollen. In Entscheidungssituationen suche ich deshalb die von der Entscheidung betroffenen Menschen. Selbst in der Trennung von ihnen hoffe ich darauf: der anwesende, auferstandene Christus wird die jetzt unerwünschte Person begleiten und ich darf auf neue Beziehungen mit diesem Menschen hoffen. Das ist oftgenug auf wunderbare Weise geschehen.

Im Evangelium lesen wir, wie Jesus über das Wasser und als Auferstandener durch Mauern geht. Wenn ich ganz überrascht nach langem Warten bemerke, dass Jesus uns schon lange auf diesem Weg mitgenommen hat, beginne ich zu ahnen, was es heißt, mit ihm hier in der Auferstehung zu leben.

Keine Flucht in die Zukunft

Die Arbeit in der Fabrik habe ich seit einigen Jahren verloren, war arbeitslos und bekomme jetzt eine Rente. Mit etwa zehn Menschen leben wir heute in unserer Wohnung, darunter Franz Keller, ein älterer Jesuit aus der Schweiz. Wir müssen den Sinn unseres Lebens nicht verstehen, es ist ausreichend zu wissen, dass wir hierher gerufen und gesandt sind. In diesem Jetzt ist der Himmel offen. Und ich habe erfahren, dass ich keinen spirituellen Weg für mich und andere zusammenzimmern muß, sondern mich auf das Gebet Jesu in uns verlassen kann. Das setzt eine Spontanität frei, die auch ungewöhnliches, inkulturiertes Handeln ermöglicht und Distanzen der Angst und oft genug des Denkens überwindet. So ahne ich, was es heißt, Mission zu leben, nämlich die Anwesenheit Gottes und sein Handeln in den Menschen zu entdecken und anzusprechen.

In der Anwesenheit des Auferstandenen leben und sein Warten entdecken

Seit einigen Jahren laden wir Menschen ein, in unserem Stadtteil und auch in anderen Städten „Exerzitien auf der Straße“ zu machen. (vgl. Jahrbuch SJ 2002) Die TeilnehmerInnen schlafen in einer Notunterkunft und gehen in die Stadt mit der Frage: Wo will mir Gott begegnen? Wo wartet er auf mich?

Mit einer Einführung ins Gebet (Fundamentbetrachtung) beginnen die geistlichen Übungen. Von ihrem Ärger oder ihrer Traurigkeit herkommend, fragen wir die Teilnehmerinnen nach ihren Sehnsüchten und den darin den Einzelnen persönlich anvertrauten Namen Gottes. Wir laden dazu ein, Gott mit den gefundenen Namen – z.B. „Du der mich schön ansieht“ – anzusprechen und das Gespräch mit ihm zu suchen. Zwei Tage später geben wir ihnen die Geschichte von Mose, in der dieser mitten in seiner Arbeit einen Dornbusch entdeckt, der brennt, aber nicht verbrennt. Dieser Erscheinung der Liebe Gottes nähert sich Mose und wird aufgefordert, seine Schuhe auszuziehen. Er soll ganz in der Realität stehen und alle schützende Distanz vor Gott und auch alle Versuchungen der Flucht oder des Stolzes ablegen. Dann steht er mitten in seinem Volk und hört den Namen Gottes, der immer da ist, und bekommt seinen Auftrag, der Befreiung und der Anbetung zu dienen.

Diese Geschichte aus dem Buch Exodus (Kap. 3) bekommen die Übenden als Anleitung mit, sich vom Inneren her, vom Gebet her, führen zu lassen und dorthin zu gehen, wo Gott auf sie wartet. Dort ist es eine große Hilfe, wirklich zumindestens die Schuhe des Herzens auszuziehen und zu hören. Oft gehen die Übenden dabei an Orte, um die sie vorher einen Bogen gemacht haben, sehen die Situation neu, entdecken die Anwesenheit Gottes und ziehen die Schuhe aus im Angesicht der dort lebenden Menschen und auch vor sich selbst. Sie können – auf diesem Weg der von Jesus besungenen Armut vor Gott (Mt 5,3) – eigene schmerzhafte Blindheiten aufgegeben und es kommt Licht in ihr Leben.

Abends versammeln sich die Teilnehmer in maximal zwei Gruppen von bis zu fünf TeilnehmerInnen und erzählen von ihrem Suchen und Finden. Jeweils eine Frau und ein Mann begleiten die kleinen Gruppen. In den 10 Tagen der Geistlichen Übungen stellt sich in den Gruppen ein Schweigen ein, das aber kein äußerliches Nichtsprechen ist. Sie lernen hinzuhören, was ihnen durch andere Teilnehmer oder von Menschen auf der Straße, in der Moschee, auf dem Arbeitsamt, … gesagt werden soll. Auf diese Weise können an den Übungen auch Menschen teilnehmen, denen anderswo die Teilnahme an Exerzitien verweigert wird, weil sie das Stillschweigen überfordert oder gar in Krankheiten stoßen würde. Die Offenheit gegenüber so vielen Menschen bei dieser grenzüberschreitenden Form religiösen Suchens ist für mich die jüngste Freude bei den Exerzitien, die ja „Chefsache“ sind, wie eine Teilnehmerin es ausdrückt: der „Chef“, Gott selbst, leitet das Geschehen in den Übenden und zeigt sich ihnen auf immer neu originelle Weise.

Veröffentlicht 2005 in der Jesuitenzeitschrift Promotio Iustitiae

Advertisements