2014 Christian Herwartz, Kraft schöpfen

Jesus rastet am Jakobsbrunnen in Samarien. Er hat Durst. Im Gegensatz zum Murren des durstigen Volkes (Ex 17,3-7) bittet Jesus eine Frau: „Gib mir zu trinken.“ Jesus sieht die Würde der verwunderten Frau und er spürt seinen Hunger und Durst nach Gerechtigkeit (Mt 5,6). Diese Sehnsucht begleitet ihn und lässt ihn zu einem Menschen für uns alle werden. Ihn leitet der Hunger nach dem Wort Gottes, wie er dem Versucher sagt, der ihn abspeisen will (Mt 4,4). Der Durst nach lebendigem Wasser wird in der Begegnung mit dem Auferstandenen gestillt. Diese österliche Wirklichkeit nehmen wir wahr, wenn wir wie ein Kind das Jetzt suchen. Dieser befreiende Blick lässt sich auf der Straße üben, wo ich nicht planen kann, wem ich begegne. Jesus ist Weg, Wahrheit und Leben (Joh 14,6), also er selbst ist die Straße, auf der er als Obdachloser nach einem Ort sucht, seinen Kopf hinzulegen (Mt 8,20). Mit dieser Bedürftigkeit begegnet er der Frau am Brunnen und bittet sie um Wasser und ist doch selbst lebendiges Wasser, das den Durst nach Gerechtigkeit wach hält. Bis zum letzten Atemzug weist Jesus auf diese innere Sehnsucht hin und ruft sterbend am Kreuz: „Mich dürstet.“ Er bekommt die in unserer Gesellschaft häufig praktizierte Antwort: Nimm ein Schmerzmittel, eine Droge und vergiss! Ein Soldat steckt einen Schwamm mit betäubendem Essig auf einen Ysopzweig (vgl. Joh 19,28-30).

Wir entscheiden uns täglich, ob wir in den Dialog mit Menschen eintreten – wie die Frau am Jakobsbrunnen. Wir sind eingeladen, hungrig und durstig zu werden und aus allen Lebensbegrenzungen im Blick auf Jesus Kraft zu schöpfen. Wir sind eingeladen, den Lebenshunger mit Menschen in Uganda zu teilen, die in diesem Jahr im Mittelpunkt der Fastenaktion stehen – um befreiende Begegnung zu erleben und zu ermöglichen, wie sie die Frau am Jakobsbrunnen erfahren hat.

Ein erster Schritt über die Lebensbrücke nach Uganda wird im Gebet geschenkt. Wenn wir uns darin von der Hoffnung der Menschen und ihrer Not treffen lassen, dann entdecken wir die nächsten Schritte auf dem Weg, mit ihnen eins zu werden. Dann dürfen wir wie die samaritanische Frau spüren, wie entschieden wir von der frohen Botschaft Jesu und auch der eigenen sowie der weltweiten Wirklichkeit annehmen können und wollen.

Fürbitten

Überall auf der Welt dürsten Menschen nach Gerechtigkeit und dem Leben in Fülle. Wir bitten Gott, den Urheber und die Quelle des Lebens:

Für die Menschen in Uganda: dass sie ihren Hunger nach Leben und ihren Durst nach Gerechtigkeit stillen können. Wir bitten dich…

Für alle Menschen, die keinen Zugang haben zu Land, Bildung, sauberem Trinkwasser und gesunder Ernährung. dass sie all das erhalten, was sie zu einem Leben in Würde benötigen. Wir bitten dich…

Für uns und alle Menschen, die Verantwortung tragen für die Welt, in der wir leben: dass sie sich mutig und nachhaltig dafür einsetzen, dass alle Menschen in Würde leben können. Wir bitten dich…

Für uns selbst: dass wir mutig geben, wo andere hungern und dürsten. Wir bitten

dich…

Amen.
Meditation

Wo Menschen gemeinsam als Geschöpfe Gottes

die weibliche und männliche Quelle des Glaubens entdecken,

dort lernen sie die eigene und die weltweite Wirklichkeit neu sehen,

erleben die Kraft der Schöpfung

und finden in Dankbarkeit zum ungeteilten Leben zurück.

Kurzpredigt zum 3. Fastensonntag, in: Liturgische Bausteine, FStenaktion 2014, Miserior Aachen, S. 12-13

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