2011 Christian Herwartz, Eingeladen, sich an der Liebe Gottes zu freuen

Liebe Gemeinde,
im 13. Kapitel des Matthäusevangeliums vollzieht Jesus eine Wende. Er hört in der Bedrängnis auf, für alle verständlich zu sprechen. Nun redet er in Gleichnissen. Ihr Sinn bleibt denen, die nicht hören wollen, verborgen. Doch die Jünger und Jüngerinnen sollen tiefer in die offen gelegte Wirklichkeit eingeführt werden.
Was hören wir als Gläubige in dem heutigen Gleichnis, das uns das Himmelreich näher bringen will?

Für mich zerfällt dieses Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl in drei Teile:

1. Die eingeladenen Gäste kommen nicht. Sie sind gefangen in ihren wichtigen Arbeiten. Einige lassen sich durch die Einladung zum Fest der Liebe nicht aus ihrem Alltag herausreißen. Andere fühlen sich schon durch das Erinnern an die Einladung so gestört, dass sie die Boten misshandeln und töten. Der einladende König wird zornig und lässt die Geladenen umbringen.
Jeder von uns kennt unansprechbare Menschen und eigene Erfahrungen von Taubheit, in denen wir nicht bereit sind mit anderen Menschen mit zu fühlen, zu trauern oder uns zu freuen.

2. Dann werden die Knechte dorthin geschickt, wo sich die Straßen kreuzen. Sie sollen alle einladen, die sie dort antreffen, alle, die Guten und die Bösen. Der Hochzeitssaal füllt sich.
Ich stelle mir einen großen Saal einer Suppenküche vor, in der alle auf den Beginn des Essens warten. Sehr unterschiedliche Menschen, ganz verschiedenen Alters, Kultur, Geschlecht,… Meist nicht beachtete Menschen, mit denen Jesus zusammengelebte und deshalb als unrein empfunden wurde. Der Hochzeitssaal füllte sich mit Menschen von der Straße. Wir haben uns hoffentlich einladen lassen und sind dabei.

3. Der König begrüßt seine Gäste. Bei einem wird er stutzig. Hat er sich nicht in die Freude des Festes einladen lassen? Will er nur gut essen und dann weiter ziehen? Was ist mit im los? Sein Herz trägt kein Hochzeitskleid der Mitfreude am Fest der Liebe. Der König geht auf ihn zu. Wie hat er den Unterschied zu all den anderen Gestalten von der Straße gesehen? Das ist oft erstmal nur eine Ahnung und auch er muss fragen. Kann er nicht in die Mitfreude kommen, weil er sich gerade von seine Frau getrennt, einen Missbrauch erlebt oder einen Trauerfall hat? Wird er auf die Nachfrage des Königs seine Not vertrauensvoll nennen oder bleibt er in seiner Angst gelähmt, will also nicht auffallen, ganz angepasst zu bleiben. „Das stört nur das Fest, wenn ich jetzt rede“, wird er sich vielleicht gesagt haben. Er schweigt und antwortet nicht.

Dieses Schweigen kennen wir wohl alle, wenn es uns unangenehm ist zu reden. Wir wollen die andern in ihrer Freude doch nicht stören. Dieses Schweigen zerstört aber die vertrauensvolle Gemeinschaft im Saal, in der Familie, in der Freundschaft.

Der einladende Christus, der unsere Not kennt, steht im Himmelreich schon heute vor uns. Er lädt uns ein, den Frieden zu leben und jetzt in der Eucharistie Dank zu sagen. Wann haben wir den Mut zum Sprechen, wenn nicht jetzt?
Im Gleichnis wird nicht erzählt wie lange der König vor dem Gast ohne Mitfreude steht. Leider kommt der Mann nicht zum Sprechen. Er verweigert sich der Gemeinschaft ähnlich wie die zuerst eingeladenen Gäste. Er muss gehen.

Das Fest der Einheit, das Gegensätze verbindet, kann beginnen.

Predigtnotizen zum Evangelium Mt 22,1-14 vom 9. Oktober 2011