2007 Christian Herwartz, Die Entschiedenheit aus der Mitte zu leben

Am 7. November 2007 starb Martha Barabaß fast 88jährig. Sie ist eine Mitbegründerin dieser Zeitschrift. In ihrem Leben hat sie sich immer wieder von Konfliktsituationen ansprechen lassen. Wenn sie sich dann zum Handeln entschloss, blieb sie ihm auch über viele Jahre hinweg treu. Aus ihrem christlichen Glauben heraus hat sie zu der Freiheit gefunden, unbequeme Wahrheiten zu sehen und sie anzusprechen, aber noch mehr, ein Wir zu spüren und sich darin zu engagieren. Ein solches Wir entdeckte sie in der Gruppe Angehörige politischer Gefangener in der BRD. Alle Menschen waren mit eingeschlossen, die sich für einen menschlichen Kontakt und die Freilassung der Gefangenen einsetzten. Mit dieser Erfahrung der Entschiedenheit und Offenheit, die wir im Kontakt mit ihr erlebt haben, war es nahe liegend, bei der Beerdigung am 15.11. auf dem Westfriedhof in Köln die biblische Geschichte von der Witwe zu wählen, die einen ungerechten Richter so sehr bedrängte, bis er endlich ihr Recht sah und bestätigte. (Lk 18,1-8) Eine solche Entschiedenheit hat uns Martha gelehrt, aber auch die Fähigkeit, sich selbst zurückzunehmen und über sich zu lachen. Ihr Kämpfen hat sie nicht starr werden lassen, sondern sie suchte weiter Zugang zu Menschen aus unterschiedlichen Richtungen. Jedem Gefangenen schickte sie zum Geburtstag eine Karte, alle Angehörigen und Freunde bekamen einen eigenen Blick der Zuwendung, aber auch ein Nein, wenn sie es für notwenig hielt. Entschiedenheit hat sich in ihr mit Offenheit gepaart zu einem Engagement des Friedens untereinander. Mit dieser Hoffnung auf Frieden musste sie durch viele schmerzhafte Auseinandersetzungen gehen. Sie haben in ihr den Wunsch nach Aussöhnung noch stärker werden lassen. Dort liegt wohl ihre Quelle des Strahlens, diese Schönheit in ihrem Gesicht und ihrer Gestik, die Vorfreude auf die menschliche Heimat, die in allen Kämpfen mitgegangen ist und in der sie jetzt ganz leben darf.