2007 Christian Herwartz, Der vorausgegangene Bruder

In meiner Jugend und als junger Erwachsener begleitete mich Jesus als Gleichaltriger brüderlich. In meiner Vorstellung hat er sich bei den Pharisäern, Sadduzäern usw. umgesehen. Er kannte sie gut. Auch ich habe bei unterschiedlichen Gruppen Anschluss gesucht und mich mit ihm darüber unterhalten. Er machte mir Mut, weiterhin auf innere Impulse zu warten und meine Identität mitten in langen Phasen der Einsamkeit zu finden.
Jesus wurde nach seiner Taufe in die Wüste geführt. Dort ist er in 40 Tagen Fasten den vierzigjährigen Weg der Glaubensfindung seines Volkes nachgegangen und hat dann sein dreimaliges Nein zu den Versuchungen des Lebens gesagt. In diesen Reaktionen spiegelt sich für mich die froh machende Botschaft seines Lebens.
Viel später bemerkte ich in mir eine Unbeholfenheit in der Beziehung zu Jesus; als Gleichaltriger war er nicht mehr anwesend. Nach einer Zeit der Trauer fand ich ihn wieder als Vorausgegangenen. Den Auferstandenen entdeckte ich dann auf der Arbeit in der Fabrik, unter armen Menschen, unter Gefangenen oder Kranken und auch in mir selbst.
Heute beschenkt mich Jesus besonders mit einem neuen Blick auf die Religionen, die vielfältig auf den Schöpfer hinweisen. Christus eröffnet mir dabei Orte der Begegnung: in meiner Gemeinschaft, bei Exerzitien auf der Straße, bei Besuchen in der Stadt und der Natur. Ich lebe im Suchen und Finden mit ihm.