Martina Fröhlinger, zwei Texte (2014) und (2016)

Straßenexerzitien – Gott nicht ins Handwerk pfuschen

Der Traum kam mir während ignatianischer Exerzitien nach einer Woche im Schweigen, abgeschirmt von der Welt in einem idyllisch gelegenen Tagungshaus.
Im Traum befand ich mich allein in einer dunklen, kalten, steinernen Kirche irgendwo in der Nähe des Altars. Auf einmal spürte ich, dass sich mir von hinten jemand Fremdes lautlos näherte. Ich bekam schreckliche Angst, weil ich absolut sicher war, jetzt durch diesen Fremden sterben zu müssen. Vorsichtig drehte ich mich um und ging auf die vermummte Gestalt zu, die ich nur undeutlich wahrnehmen konnte.
Als ich ihr ganz nahe war, erkannte ich, dass sie auch „ich“ war und ich keine Angst zu haben brauchte. Stattdessen spürte ich große Zuneigung und Zärtlichkeit. Wir umarmten uns und gemeinsam verließen wir die Kirche. Dann war „sie“ verschwunden und ich fand mich im hellen warmen Sonnenlicht in einer Welt voller Farben und eifrig miteinander redender Menschen wieder.
Hier endete der Traum, der mich bis ins Innerste aufgewühlt hatte, so wie es auch die Straßenexerzitien taten, die ich dann 8 Jahre später in Hamburg mitmachte, obwohl ich große Angst davor hatte, mich auf so etwas Verrücktes einzulassen, noch dazu in einer Großstadt, fern vom „beschaulichen“ Landleben, in dem ich wohne und in dem ich mich bisher auch in Exerzitien bewegt hatte. Nach dem Bericht einer Teilnehmerin, die ich einige Jahre nach dem besagten Traum kennen lernte und die von ihren Erfahrungen auf den Straßen Berlins erzählte, konnte ich nicht anders, als „mich umdrehen und darauf zugehen“. Ich, die ich die Stadt mit ihren vielen kranken Erscheinungen fürchtete wie der Teufel das Weihwasser, hatte das ganz starke Bedürfnis, genau da und nirgendwo sonst, Gott finden zu wollen. Wenn er wirklich mit den Bedürftigen, Schwachen und Ausgegrenzten ist, dann musste er mir doch eigentlich genau dort begegnen. Glauben konnte ich das nicht wirklich, aber ich wollte es ja auch nicht glauben, sondern erfahren.
In Hamburg erlebte ich genau das, was ich Jahre zuvor geträumt hatte, ich begegnete in der Fremdheit zweier „verrückter“ Männer mir selbst und empfand eine so große Nähe und Zuneigung nicht nur zu ihnen, sondern zu mir selbst und dem, was ich in mir vermummt, versteckt, nicht angeschaut und für verrückt erklärt hatte, dass ich einfach überwältigt war.
Ich fand eine Kirche, die auf der Straße stattfindet, in der ich nicht alleine mit starren kalten Formen konfrontiert bin, sondern geborgen in der Gemeinschaft mit anderen an der bunten Vielfalt des Lebens teilhabe – des Lebens, wie es ist, nicht wie es sein sollte.
Das ist jetzt 2 Jahre her – seitdem habe ich noch mehr als einmal Straßenexerzitien in verschiedenen Varianten mitgemacht und auch andere darin begleitet.
Was sich seitdem in meinem Leben verändert hat? Von außen betrachtet: nichts – und innerlich? Da fühle ich mich ganz am Anfang eines Weges. Ich versuche, mehr zuzuhören statt zu reden, mehr hinzuschauen statt mitzumachen, mehr sein zu lassen, statt machen zu wollen. Manchmal gelingt es mir, in dieser Haltung unterwegs zu sein – vor allem in schwierigen Situationen habe ich das schon häufiger festgestellt. Dann bin ich oft zutiefst glücklich und froh, denn dann merke ich: Jetzt ist Gott in mir lebendig – und ich hindere ihn nicht daran.
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Zuneigung zu dem Versteckten in mir

Ich fange mal mit einem Traum an, den ich hatte, acht Jahre bevor ich überhaupt wusste, dass es so etwas wie Straßenexerzitien gibt. Er steht mir noch immer klar vor Augen – oder besser gesagt, ich fühle ihn noch immer oder vielleicht auch erst recht, seit er dabei ist, immer mehr in Erfüllung zu gehen. Der Traum kam mir während ignatianischer Exerzitien nach einer Woche im Schweigen, abge- schirmt von der Welt in einem idyllisch gelegenen Tagungshaus.
Im Traum befand ich mich allein in einer dunklen, kalten, steinernen Kirche irgendwo in der Nähe des Altars. Auf einmal spürte ich, dass sich mir jemand Fremdes von hinten lautlos näherte. Ich verspürte schreckliche Angst, weil ich absolut sicher war, jetzt durch diesen Fremden sterben zu müssen. Vorsichtig drehte ich mich um und ging auf die vermummte Gestalt zu, die ich nur undeutlich wahrnehmen konnte. Als ich ihr ganz nahe war, erkannte ich, dass auch sie „ich“ war und ich keine Angst zu haben brauchte. Stattdessen spürte ich große Zuneigung und Zärtlichkeit. Wir umarmten uns und gemeinsam verließen wir die Kirche. Dann war „sie“ verschwunden und ich fand mich im hellen warmen Sonnenlicht in einer Welt voller Farben und eifrig miteinander redender Menschen wieder.
Hier endete der Traum, der mich bis ins Innerste aufgewühlt hatte, so wie es auch die Straßenexerzitien taten, die ich dann acht Jahre später in Hamburg mitmachte, obwohl ich große Angst davor hatte, mich auf so etwas Verrücktes einzulassen, noch dazu in einer Großstadt, fern vom „beschaulichen“ Landleben, in dem ich wohne und in dem ich mich bisher auch in Exerzitien bewegt hatte. Nach dem Bericht einer Teilnehmerin, die ich einige Jahre nach dem besagten Traum kennenlernte und die von ihren Erfahrungen auf den Straßen Berlins erzählte, konnte ich nicht anders, als mich umzudrehen und darauf zuzugehen. Ich, die ich die Stadt mit ihren vielen kranken Erscheinungen fürchtete wie der Teufel das Weihwasser, hatte das ganz starke Bedürfnis, genau da und nirgendwo sonst, Gott finden zu wollen. Wenn er wirklich mit den Bedürftigen, Schwachen und Ausgegrenzten ist, dann musste er mir doch genau dort begegnen. Glauben konnte ich das nicht wirklich – aber ich wollte es ja auch nicht glauben, sondern erfahren.
In Hamburg erlebte ich genau das, was ich Jahre zuvor geträumt hatte: Ich begegnete in der Fremdheit zweier „verrückter“ Männer, die ich kennenlernte, mir selbst und empfand eine so große Nähe und Zuneigung nicht nur zu ihnen, sondern zu mir selbst und dem, was ich in mir vermummt, versteckt, nicht angeschaut und für verrückt erklärt hatte, dass ich einfach überwältigt war. Ich fand eine Kirche, die auf der Straße stattfindet, in der ich nicht auf mich allein gestellt mit starren kalten Formen konfrontiert bin, sondern geborgen in der Gemeinschaft mit anderen an der bunten Vielfalt des Lebens teilhabe – des Lebens, wie es ist, nicht wie es sein sollte. Das ist jetzt zwei Jahre her – und seitdem habe ich noch mehrere Straßenexerzitien in verschiedenen Varianten mitgemacht und auch andere darin begleitet.
Was sich seitdem in meinem Leben verändert hat? Von außen betrachtet: nichts. Und innerlich? Da fühle ich mich ganz am Anfang eines Weges. Ich versuche, mehr zuzuhören statt zu reden, mehr hinzuschauen statt mitzumachen, mehr sein zu lassen, statt machen zu wollen. Manchmal gelingt es mir, in dieser Haltung unterwegs zu sein: Vor allem in schwierigen Situationen habe ich das schon häufiger festgestellt. Dann bin ich oft zutiefst glücklich und froh, denn dann merke ich: Jetzt ist Gott in mir lebendig – und ich hindere ihn nicht daran.
aus: „Im Alltag de Strasse Gottes Spuren suchen“ Seite 95-97

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