Ich ziehe meine Schuhe aus – Petra Maria Tollkötter

Ich begebe mich in eine Auszeit.

Ich gehe fort von Zuhause.

Ich reduziere Komfort und Annehmlichkeiten.

Das Leben schrumpft auf das Jetzt.

Das Leben wird weit für das Jetzt.

Ich ziehe meine Schuhe aus.

Ich erspüre meine Sehnsucht.

Auf der Straße, in der Öffentlichkeit will ich Gott/Jesus näher kennen lernen.

Die Straße ist das Evangelium, das ich übe zu lesen.

Mich selbst übe ich zu lesen.

Ich ziehe meine Schuhe aus.

Ich lasse mein Leben ausrichten auf das „Mehr“, aus dem und zu dem hin ich geschaffen bin.

Auf der Straße erspüre ich meine Begrenzungen im Blick auf dieses „Mehr“

und setze mich bewusst aus.

Ich ziehe meine Schuhe aus.

Ich bleibe nicht bei mir und meinen Begrenzungen,

lasse mich nicht von ihnen einwickeln.

Ich bleibe auch nicht bei mir und meiner Leistung,

lasse mir nicht von der Erinnerung

oder von meinem Tun in diesen Tagen

schmeicheln.

Ich ziehe die Schuhe aus.

Ich halte das aus.

Ich halte mich aus.

Ich nehme die Herausforderungen und die Geschenke der Straße an.

Ich lasse mich halten von dem, was mir auf der Straße geschenkt wird.

Ich ziehe die Schuhe aus.

Ich traue mich in fremde Welten, zu fremden Menschen.

Ich werde gefunden von fremden Menschen.

Ich werde mehr Mensch

durch die Begegnungen mit den Menschen auf der Straße.

Ich werde in meine Menschwerdung geführt,

die Gott in Jesus wollte

für alle.

Ich ziehe die Schuhe aus.

In diesen Tagen darf ich ahnen,

wie sehr ich geliebt bin von Gott

und wie er mir dadurch meine Würde verleiht.

Und was für mich gilt, das gilt für alle.

Ich staune.

Ich lebe auf.

Ich erfahre tiefe Freude.

Ich stehe auf nackten Füße