Dora Maria Teidelt, Sich einer unvertrauten Situation aussetzen

Sie ist Begleiterin von Straßenexerzitien und erzählt (2006), wie sie darauf gekommen ist:

Ich habe eine Fortbildung gemacht, bei der es darum ging, sich einer unvertrauten Situation auszusetzen. Ein Pfarrer – das kennt ihr ja – lebt so in der Gemeinde und macht Konfirmandenunterricht, Gottesdienste u.s.w. Manchmal geht er auch in einer Suppenküche vorbei und grüßt die Leute ganz freundlich. Aber ich habe gedacht: „Ich kann nicht nur in eine Suppenküche gehen und den Leuten austeilen, ich muss auch mal selber dorthin gehen, mal fühlen, wie es ist, wenn man in einer anderen Rolle ist.“
Jemand hat mir dann Christians Adresse gegeben und ich habe ihn besucht. Das war schon alles eine Zumutung: er wohnt in einer Wohnung über einer Kneipe, die „Tor zur Hölle“ heißt. Ich habe gedacht: „Oh, Herr….“, bin aber raufgegangen – sie waren überhaupt nicht vorbereitet – und traf diese WG, 14 Betten in zwei kleinen Wohnungen.
So habe ich auch Christian kennen gelernt, einen ungewöhnlichen Exerzitienmeister. Er hat mir alles gezeigt und gesagt: „Geh mal in die evangelische Kirche, die Thomaskirche, setz dich dorthin und bete. Dann überlegst du dir, ob du wirklich kommen willst.“
Ich war erstmal skeptisch, bin aber in die Kirche gegangen und habe mich hingesetzt. Ich hatte nur einen Rucksack dabei und hatte irgendwie die ganze Zeit das Gefühl, ich muss ihn festhalten. Völlig beknackt! Und habe geschwankt zwischen Angst und dem Gefühl, dass es etwas ganz Wichtiges ist.
Ich habe ein paar Nächte darüber geschlafen, danach angerufen und gesagt: „Ich komme.“ Ich bin eingezogen und viele Tage durch Kreuzberg gegangen mit dem Gefühl, die Menschen von der Straße wollen Jemanden wie mich gar nicht kennen lernen. Wie mache ich es bloß, mit so Jemandem ins Gespräch zu kommen, sodass sie nicht denken: „So eine blöde Etablierte, was will die von uns?“ Aber das war meine eigene Angst.
Ich habe dann irgendwann einen Kuhhandel mit dem lieben Gott gemacht: Es war November und hat viel geregnet, da dachte ich: wenn es am Kottbusser Tor trocken und eine Bank frei ist, dann setze ich mich dahin. Da, wo die ganzen Alkoholiker und Drogenabhängigen sind. Und dann kam ich dorthin: es war trocken und eine Bank war frei. Na ja, dann musste ich mich hinsetzen.
Das habe ich auch gemacht, mit hochgezogenen Schultern. Ich habe mich am Anfang gar nicht so wohl gefühlt. Aber das war mein Problem und nicht das der Anderen. Und irgendwann sah ich an einem dünnen Baum einen Zettel hängen. Ich habe geguckt, bin aufgestanden, dorthin gegangen und habe gelesen, was darauf stand: Jemand hatte einen Zettel aus einem Ringblock gerissen und mit Tinte in relativ kindlicher Schrift – mit Datum – geschrieben: „Liebe Ute, wir trauern um dich.“ Und ganz viele Unterschriften.
Ich war sehr erschrocken, weil ich dachte: „Da ist Jemand gestorben und die war vielleicht gar nicht so alt“ Ich hatte das Gefühl, dass es eine junge Drogenabhängige war, die sich den Goldenen Schuss gesetzt hatte. Ich war sehr berührt, dass es unter diesen Junkies Leute gibt, die sagen: „Wir nehmen das wahr: uns fehlt die Ute und wir schreiben das auch auf, wir machen es öffentlich“
Ich saß dort eine Zeit lang, da kam ein Mann mit seinem Hund: er las den Zettel, tastete sich ab, ging weg und kam nach einer langen Zeit wieder. Er hatte sich einen Kuli besorgt und schrieb dann seinen Namen und den von seinem Hund unter diese Todesanzeige. Das hat mich sehr berührt!
Danach ging Einer von der Nachbarbank zum Pinkeln und der Andere guckte sich ebenfalls diesen Zettel an. Und plötzlich stand ich neben ihm und fragte: „Haben Sie diese Ute gekannt?“ Er antwortete: „Nö! Aber ham’se ma’n Euro für mich?“ Auf einmal stand ich da und sprach mit ihm, und es war genau das, worauf ich all die Tage gewartet hatte.
Ich sagte: „Ich habe kein Geld, weil ich auf der Straße unterwegs bin wie Sie.“ Er antwortete: „Sie auf der Straße? Hör’n se ma: um fünf kommt hier die Heilsarmee, die hat heiße Suppe und Kaffee und Tee, umsonst!“
Das hat mich total berührt, weil diese Menschen mich mit in ihr Leben hinein genommen haben, mir gesagt haben, wo es etwas gibt, obwohl ich sie gar nicht kenne. Sie haben mich mehr in ihr Leben hinein genommen als ich sie wahrscheinlich in meines genommen hätte. Das hat mich sehr angerührt und deshalb musste ich weg. Ich konnte diese Situation gar nicht mehr aushalten.
Ich war aber um viertel nach fünf wieder da. Da war der ganze Platz voll von Männern, mindestens 50. Die Beiden von vorhin standen ganz vorne an der Essensausgabe und schrien zu mir: „Hey, komma rüber!“ und ich bin zu ihnen hingegangen.
Die Gerüche unter den Männern auf der Straße haben es mir schon schwer gemacht – einerseits. Andererseits waren da diese beiden Männer, die mir ganz vorne einen Platz freigehalten hatten, für mich gesorgt hatten. Es war noch ein Anderer, der mir sagte, wo man sauber duschen könne, wo es für Frauen gut sei, u.s.w. Das hat mich total fasziniert.
Ich habe es abends Christian erzählt, der darauf sagte: „Heute Nacht um zwei Uhr aufstehen und beten.“ „Hmh“, habe ich da gedacht, „das habe ich ja noch nie gemacht.“ Ich bin aber aufgestanden, habe mich wieder auf die Bank gesetzt und gedacht: „Ja, jetzt sitze ich hier…“ Und habe die ganze Zeit einfach gesessen. Plötzlich kam mir die Idee: „Das ist wie wenn ich für die tote Ute, die ich überhaupt nicht kenne, Totenwache halte“ Aber diese Frau hat mir die Türe geöffnet zu den Menschen, vor denen ich so eine Angst hatte. Das hat mich total bewegt. Ich habe dann gerne da gesessen und konnte gut für diese Frau beten und auch sehr dankbar sein, weil sie mich etwas ganz Wichtiges gelehrt hatte.
Am nächsten Tag bin ich zu dem Friedhof gegangen, auf dem die Obdachlosen beerdigt werden. Ich habe mich einfach hingesetzt und wieder für sie gebetet, weil ich dachte: „Das sind Menschen, die oft durch alle Raster fallen und denen ich auch mit Angst und Unsicherheit und daraus vielleicht so etwas wie Hochmut begegne. Daraus entsteht eine Überheblichkeit, das habe ich bei mir selber gemerkt. Es ist ja eher etwas Unangenehmes, wenn man das merkt; mir ist es jedenfalls sehr unangenehm.
Aber man sollte sich sagen: „So etwas habe ich auch, es gehört zu mir und es ist gut, dass mir das deutlich geworden ist.“ Es ist etwas, das immer wiederkommen kann. Es ist ja nicht so, dass ich mir vornehme: „Von jetzt an bin ich nicht mehr hochmütig, arrogant oder ähnliches.“ Es ist ja in einem drin. Und darum ist es mir ganz wichtig, eine Zeit bei Menschen auf der Straße zu zubringen. Mit Menschen, die selber diese Erfahrungen machen.
Am nächsten Tag bin ich noch einmal zum Kottbusser Tor gegangen, wo dieser Zettel an dem Baum hing – und er war abgerissen. Das kam mir so gewaltsam vor! Dieses Stück Menschlichkeit, dass da Leute sagen: „Ja, Ute, du bist gestorben, aber du gehörst zu uns und das wollen wir öffentlich machen“, hatte irgendjemand so – wie im Vorbeigehen – abgerissen. Da habe ich richtig geweint. Aber es hing noch so eine Ecke, ein Fitzelchen Zettel mit einem rostigen Reißnagel. Das habe ich abgemacht und mir aufgehoben. Ich habe es immer noch.

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Dornbuscherfahrungen (2008)

Exodus 3,1-15 mit Dtn 33,16: „Gott, der im Dornbusch wohnt …“)

1. Moses Alltag: Die Schafe und Ziegen seines Schwiegervaters Jitro hüten.

Morgens raus in die Steppe, abends wieder zurück. Den ganzen Tag auf den Beinen, wie die Tiere.
Und Zeit haben. Mose bewegt sich im Tempo der Tiere. Und die bleiben immer wieder für eine längere oder kürzere Weile stehen. Dann setzt er sich auf einen Stein und – ja, was machen Hirten dann (bis heute)? So viele Stunden am Tag?
Sie dösen oder beobachten die Tiere oder die Gegend. Sie denken über dies und das nach, beobachten die Natur. Vielleicht träumen sie manchmal auch von der Zukunft.
So ist das Tag für Tag bei Mose.

Moses Dornbusch-Erlebnis
Der Bibeltext schildert einen besonderen Tag. Er fängt an wie immer: Mose zieht los, ein
bisschen weiter raus als sonst/ gewohnt: „über die Steppe hinaus“(V.1). Hinein in die Wüste zum „Berg Gottes, Horeb“(ebd.) Der Name „Horeb“ kommt häufig vor im AT; er ist für den kundigen Hörer ein Hinweis: hier ist Gott nicht weit.
Aber der Reihe nach.

In der Wüste ist es noch karger als in der Steppe, da gibt’s kaum noch Vegetation, dafür viele Steine und viel Sonne. Da fällt dem Mose ein Dornbusch auf, der brennt. Und obwohl an so einem Dornbusch ja nicht viel dran ist, was brennt, ver-brennt er nicht. Mose schaut und schaut. Immer wieder muss er da hinschauen. Merkwürdig. Dieser Dornbusch beginnt ihn zu interessieren, er bindet seine Aufmerksamkeit Er geht näher. Als er den Busch fast erreicht hat, hält er inne. Jemand ruft seinen Namen: „Mose, Mose!“ Er bleibt stehen und antwortet: „Hier bin ich“ (V.4).
Jetzt steht Mose vor Gott. Denn das Feuer im Dornbusch – der Hörer weiß es eher als Mose – ist „der Engel des Herrn“ (V.2). „Gott, der im Dornbusch wohnt …“(Dtn 33,16).
Jetzt geht es nicht mehr um das Feuer, das sich nicht verzehrt, jetzt geht es um das Gegenüber von Gott und Mose. Der Dornbusch ist das „Medium“, durch das Gott in Moses Leben tritt. Es dauert, bis Mose begreift. Der brennende Dornbusch bringt Mose dazu, aufzumerken, näher zu kommen (und alles hinter sich zu lassen für eine Zeit), stehen zu bleiben – „tritt nicht näher!“(V.5) – und zu verweilen. Zu hören, was Gott sagt.

Zunächst: seinen Namen, „Jahwe“ – zu deutsch: „Ich bin da“ (V.14). Ich bin für dich da – immer! Ich bin gegenwärtig – so wie jetzt, in diesem Augenblick an diesem Dornbusch. Tag für Tag.
Und dann: „Ich habe das Elend meines Volkes gesehen und das Schreien der Unterdrückten gehört … Ich werde sie in ein Land bringen, wo Milch und Honig fließen“(V. 7f). Hier an diesem Dornbusch sagt Jahwe dem Mose zu, dass er die Israeliten in die Freiheit führen und auf diesem Weg begleiten will.
Aus der Knechtschaft heraus. Und Mose muss sich nicht länger verstecken. (Denn nachdem er einen ägyptischen Aufseher erschlagen hatte, der einen Israeliten verprügelt hatte, war er geflohen. In der Fremde hatte er geheiratet und in Midian eine Bleibe gefunden.) Alles Elend wird sich wenden.
Mose „zieht seine Schuhe aus“, weil er spürt: „dieser Ort, wo er steht, ist heiliger Boden“(V.5). Soweit die Geschichte des Mose [Das Gespräch zwischen Gott und Mose geht noch weiter. Am Ende tut Mose, was Gott ihm aufträgt: die Israeliten herausführen. Und er „ging hin“, aus der Wüste zurück zu seinem Schwiegervater Jitro (4,18), in seinen Alltag].

2. Mein „Alltag“ in Berlin
Mein Leben ist sicher anders als das des Mose. Und doch …
Ich möchte Ihnen noch einmal erzählen von meiner Zeit in Berlin. Tag für Tag bin ich durch Kreuzberg gelaufen: fremd – nicht wegen der unbekannten Straßen, sondern weil es so anders war als sonst (so ohne Geld, mitten zwischen so vielen Türken und Menschen, die auf der Straße leben); ziellos, ohne Aufgabe, ohne festen Tagesablauf, zuweilen mit „Langeweile“, von mir selbst verdonnert zum „dadurch“. Ich hatte viel Zeit, die ich zubringen „musste“. Ich kannte ja niemanden, war allein (trotz der vielen Menschen) – wie Mose in der Wüste.
Mein „Dornbusch-Erlebnis“
Auch ich hatte so etwas wie ein „Dornbusch-Erlebnis“: Ich hatte die ganze Zeit im Hinterkopf, die ich es wohl anstellen könnte, mit den Menschen von der Straße in Kontakt zu kommen. Meine Vorstellung war: die reden gar nicht mit so einer „Etablierten“ wie mir. Tagelang dachte ich: das wird nie etwas!
Nach etlichen Tagen der „Dürre“ war eines Tages am Kottbusser Tor eine Bank frei, auf der ich mich mit hochgezogenen Schultern niederließ – sozusagen „mittendrin“. Mir war nicht wohl – weder beim Hinsetzen noch im Da-Sitzen. Bis ich einen Zettel am Baum in 5m Entfernung sah. Ich versuchte, ihn aus der Ferne zu entziffern. Ich schaute und schaute: „Wir trauern um dich, liebe Ute“. Unten drunter einige Namen und gemalte Blümchen. Das hat mich angerührt: zum einen das Schicksal dieser mir unbekannten Ute, die Fantasie, dass sie ziemlich elend und womöglich einsam auf der Straße verreckt ist; zum andern, dass da Freunde sind, denen es wichtig ist, ihrer Betroffenheit über Utes Tod Ausdruck zu geben. Und ein drittes hat mich angerührt: ein junger Mann kam, las den Zettel; noch mal und noch mal …, tastete seine Kleidung ab, verschwand, kam nach einer ganzen Weile wieder – und hatte sich einen Kuli besorgt. Mit dem schrieb er seinen Namen (und den seines Hundes) zu den anderen auf den Zettel. Und ein viertes kam hinzu: zwei junge Männer, die auf der Bank nebenan saßen, gingen zu dem Baum und lasen den Zettel. Ich habe mir ein Herz gefasst und sie angesprochen: ob sie diese Ute gekannt hätten. Sie kannten sie nicht, aber – wir kamen miteinander ins Gespräch!!! Einer von ihnen hat mich zwar angehauen: „Ham se mal’n Euro für mich?“ Ich hatte nicht und erklärte ihm warum (soziales Experiment, ohne Geld unterwegs). Worauf sein Kumpel sagte: „Um halb fünf kommt die Heilsarmee. Die bringen heiße Suppe und Tee und Kaffee – umsonst!“ Die beiden ließen mich mehr in ihr Leben hinein als ich sie in meines! Spätestens ihr Mit-mir-Teilen, ihre Gastfreundschaft ließen mir – auch wenn ich Mühe hatte, sie anzunehmen – deutlich werden, dass hier „heiliger Boden“ war! Die Schuhe hat’s mir von allein ausgezogen … Obwohl dieses Praktikum schon 4 Wochen her ist, bewegt es mich noch immer. Irgendwie hatten diese Stunden da am Kottbusser Tor für mich etwas von „Dornbusch“ an sich.
Und adventlich kamen sie mir auch vor: jenseits von meinem gewohnten Alltag (als Pastorin in Hagen; den hatte ich hinter mir gelassen) warten, an den richtigen Platz geraten, innehalten, noch mal und noch mal schauen – und dann etwas hören, was irgendwie aus einer „anderen Welt“ kommt, der ich mit meinem Verstand nicht beikommen kann. Was ins Herz trifft.

3. „Dornbusch-Erfahrungen“ im Leben
Sie werden jetzt vielleicht antworten: „So was gibt’s bei mir nicht! Ich hätte nichts dagegen, aber…“ Die Sehnsucht gibt’s schon. Die Frage ist: Wie komm ich dahin?“ Diese Sehnsucht und diese Frage sind sehr adventlich. Und ein guter Anfang.
Im Advent geht’s ums Offenwerden für Erfahrungen jenseits von unserem gewohnten Alltag. Die meisten von uns sind wenig geübt darin, sich einzulassen auf Situationen, die sie nicht geplant oder kalkuliert haben, auch nicht planen können. Und doch kann da – vielleicht gerade da – Gott „drinstecken“.
Advent ist wie eine Einladung, uns immer wieder auf die Möglichkeit von „Dornbüschen“ einzustellen, mit ihnen zu „rechnen“; damit, dass der Ich-bin-da Anteil nimmt an unserem Leben und „all unsre Not zum Ende bringt“.
Der Dornbusch – ein Bild für den Alltag – des Mose und unseren. Der Dornbusch – ein Symbol für die Stimme Gottes, die uns anspricht mitten in unserem Alltag. Der Dornbusch – ein “Merk-zeichen“: innezuhalten, stehen zu bleiben, hinzuschauen – vielleicht wahrzunehmen: Hier ist Gott mein Gegenüber.
[Abraham oder Jakob hätten an der Stelle des brennenden Dornbuschs wahrscheinlich einen Altar gebaut (Beth-El = „hier ist ein Ort Gottes – und ich habe es nicht gewusst!“).]
Gott, der im Dornbusch wohnt“… Lassen Sie mich diesen „Dornbusch“ zum Adventskranz auf den Altar legen.
Jetzt steht Mose vor Gott. Denn das Feuer im Dornbusch – der Hörer weiß es eher als Mose – ist „der Engel des Herrn“ (V.2). „Gott, der im Dornbusch wohnt …“(Dtn 33,16).
Jetzt geht es nicht mehr um das Feuer, das sich nicht verzehrt, jetzt geht es um das Gegenüber von Gott und Mose. Der Dornbusch ist das „Medium“, durch das Gott in Moses Leben tritt. Es dauert, bis Mose begreift. Der brennende Dornbusch bringt Mose dazu, aufzumerken, näher zu kommen (und alles hinter sich zu lassen für eine Zeit), stehen zu bleiben – „tritt nicht näher!“(V.5) – und zu verweilen. Zu hören, was Gott sagt.

Zunächst: seinen Namen, „Jahwe“ – zu deutsch: „Ich bin da“ (V.14). Ich bin für dich da – immer! Ich bin gegenwärtig – so wie jetzt, in diesem Augenblick an diesem Dornbusch. Tag für Tag.
Und dann: „Ich habe das Elend meines Volkes gesehen und das Schreien der Unterdrückten gehört … Ich werde sie in ein Land bringen, wo Milch und Honig fließen“(V. 7f). Hier an diesem Dornbusch sagt Jahwe dem Mose zu, dass er die Israeliten in die Freiheit führen und auf diesem Weg begleiten will.
Aus der Knechtschaft heraus. Und Mose muss sich nicht länger verstecken. (Denn nachdem er einen ägyptischen Aufseher erschlagen hatte, der einen Israeliten verprügelt hatte, war er geflohen. In der Fremde hatte er geheiratet und in Midian eine Bleibe gefunden.) Alles Elend wird sich wenden.
Mose „zieht seine Schuhe aus“, weil er spürt: „dieser Ort, wo er steht, ist heiliger Boden“(V.5). Soweit die Geschichte des Mose [Das Gespräch zwischen Gott und Mose geht noch weiter. Am Ende tut Mose, was Gott ihm aufträgt: die Israeliten herausführen. Und er „ging hin“, aus der Wüste zurück zu seinem Schwiegervater Jitro (4,18), in seinen Alltag].
[Abraham oder Jakob hätten an der Stelle des brennenden Dornbuschs wahrscheinlich einen Altar gebaut (Beth-El = „hier ist ein Ort Gottes – und ich habe es nicht gewusst!“).]
Gott, der im Dornbusch wohnt“… Lassen Sie mich diesen „Dornbusch“ zum Adventskranz auf den Altar legen.

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