Clemens Rieger, Exerzitien im Alltag

„Zieh Deine Schuhe aus, denn der Boden
auf dem du stehst, ist heiliger Boden

(Exodus 3,5)

Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Christian Herwartz „Erfinder“ der Straßenex. S.3
1.2. Der Zeitrahmen der Exerzitien  S.4
2. Der biblische Rahmen der Exerzitien: Ex 3,1-15 S. 5
3. Gebetsanregungen Beginn, Tagesrückblick S. 6
3.1. Anfangsgebete zu Auswahl  S. 7
3.2. „Gebet der liebenden Aufmerksamkeit“ S.8
4. Anregungen zur Gestaltung der Exerzitientage
4.1. 1. Woche: Aufmerksam werden S.10
4.2. 2. Woche: Zieh deine Schuhe aus S. 12
4.3. 3. Woche: Ich sah das Elend meines Volkes S. 15
4.4. 4. Woche: Ich bin der „Ich bin da“ S.18

1. Einleitung:
Exerzitien im Alltag sind seit langem Bestandteil der Arbeit vieler Gemeinden. Besonders in der Advent- oder Fastenzeit ergeht die Einladung, sich mitten im Alltag jeden Tag eine bestimmte Zeit für Gott zu nehmen und auf ihn aufmerksam zu werden.
Sie wenden sich an Menschen, die ihren Glauben und ihr geistliches Leben vertiefen wollen und beanspruchen vom „Übenden“ (Exerzieren = üben) etwa 45 Minuten seiner täglichen Zeit.
Die meisten Modelle, die ich kenne, verweisen die Teilnehmer für die Übung in seinen privaten Bereich, wo er, möglichst ungestört vom Leben draußen, mit seinem Gott allein ist.
Stille ist ein sehr fruchtbarer Weg, um Gott zu finden.
Unsere Exerzitien im Alltag sollen aber „draußen“ stattfinden. Wenn wir das Evangelium aufmerksam lesen, dann stellen wir schnell fest, dass die meisten Erzählungen dort auf der Straße stattfinden. Die entscheidenden Begegnungen finden meist zufällig statt, scheinen nicht geplant zu sein.
Vielleicht will er uns ja auch „zufällig“ treffen. Er hat ja auch gesagt: Ich bin der WEG (die Wahrheit und das Leben), also scheint das „draußen“ auch eine gute Möglichkeit zu sein, ihn zu treffen. Und das in den unterschiedlichsten Formen: Vielleicht als „barmherziger Samariter“, vielleicht auch als einer derjenigen, die hungrig, durstig, obdachlos, krank und fremd sind und von denen er sagt: Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr MIR getan..
30 Minuten täglich sollen draußen verbracht werden auf den Straßen Ihrer Stadt, ihres Dorfes, oder während der Mittagspause an Ihrer Arbeitsstelle, wo auch immer…
Nehmen Sie sich nicht vor, irgendwo hin zu gehen, sondern seien Sie einfach unterwegs. Gehen Sie in dieser Zeit ruhig in ein Kauf- haus, oder ein Geschäft, aber nicht, um nötige Einkäufe zu erledigen, oder in eine Kirche, oder einen Park oder eine Schule, eine Kita… Gehen Sie nicht so sehr dahin, wohin Sie wollen, sondern dahin, wohin der WEG sie führt….
Gehen Sie langsam, das erhöht die Aufmerksamkeit und das signalisiert anderen Menschen auch, dass Sie ansprechbar sind und wenn Sie wollen, haben Sie auch keine Scheu, jemand anderen anzusprechen.
Gehen Sie neugierig und interessiert. So ist Moses auf den brennen- den Dornbusch gestoßen, wahrscheinlich die Entdeckung seines Lebens.

1.1. Christian Herwartz, der „Erfinder“ der Straßenexerzitien

Christian Herwartz, ein Jesuit aus Berlin, der in seiner aktiven Zeit auch Arbeiterpriester war, hat die Straßenexerzitien „entwickelt“. Wobei „entwickelt“ das falsche Wort ist. Die Straßenexerzitien sind das Ergebnis seiner eigenen Gottsuche, sie sind ihm auf dieser Suche geschenkt worden. In seinem Buch „Brücke sein – vom Arbeiterpriester zum Bruder“ (Edition Steinreich, 2013) beschreibt er auf den Seiten 151 – 153, was er unter Straßenexerzitien versteht:
„Die Exerzitien auf der Straße sind, wie die »traditionellen« Exerzitien auch, der Versuch, sich aus dem Alltagsgeschehen zurückzuziehen, um in Beziehung zu treten mit dem Ursprung der Schöpfung. Gläubige sprechen von Gott, andere finden andere Worte für dieses Geheimnis des Lebens, das Heilige in uns. Es gibt eine Sehnsucht, die in uns angelegt ist und uns Identität gibt. Sie zu entdecken – jenseits von lohnenden Lebenszielen – ist das Anliegen in den Exerzitien auf der Straße.
So hat es schon Ignatius von Loyola erlebt, der Ordensgründer der Gesellschaft Jesu, (Jesuiten) der einige Monate als Obdachloser in Manresa, Spanien, auf der Straße lebte, sein Brot erbettelte und in einer Höhle schlief. Das Besondere ist, dass dies »auf der Straße« geschehen war anstatt in der Stille eines abgeschlossenen, extra dafür reservierten Raums in einem Exerzitienhaus.
»Auf der Straße« ist dabei ganz wörtlich gemeint und steht zugleich auch für vieles andere: Die Straße ist ein Ort der Begegnungen, offen für alle. Hier treffen Menschen aller gesellschaftlichen Schichten, aus unterschiedlichen Ländern und in verschiedenen Lebenssituationen aufeinander. Die Straße verbindet, sie läuft an privaten, bewachten Orten vorbei, kann genutzt werden, um neue Ziele anzugehen oder sich in heimische Gefilde zurückziehen. Straßen sind Verbindungslinien zwischen verschiedenen Lebensbereichen, manchmal ist die Straße der einzige Raum, der für alle zugänglich ist. Für Pilger ist sie ein besonderer Ort der Gottessuche: Unterwegs auf der Straße lassen sie sich im Gebet auf Gott hin los und ordnen ihr Leben auf ihn hin neu.
Für die Exerzitienteilnehmer ist das Unterwegssein auf der Straße eine besondere Herausforderung: Kein stiller Raum, keine Kapelle, kein Altar stehen bereit, um das Eintauchen in eine andere Stimmung zu unterstützen. Stattdessen bewegen sie sich auf der Straße, wo der Verkehr, die Geschäfte und der ganze Alltag lautstark weiterlaufen, und die eigenen täglichen Gewohnheiten oft – unbemerkt – auch. Ein erster Schritt ist da schon, das Bewusstsein dafür zu gewinnen, wie stark wir eingeübt haben, im Alltag zu funktionieren, und es nicht so einfach ablegen können. Mit dem Planen und Funktionieren aufzuhören lässt sich nicht per Willensentscheidung einfach so »machen«, sondern hier beginnen die Teilnehmer, loszulassen und sich Gott anzuvertrauen.“
(Wer sich intensiver mit dem geistlichen Hintergrund der Straßenexerzitien befassen will, sei auf die zwei folgende, kleinen Bücher verwiesen:
Christian Herwartz, Auf nackten Sohlen – Exerzitien auf der Straße, Ignatianische Impulse, Bd. 18, Würzburg 2006;
derselbe: Brennende Gegenwart, Ignatianische Impulse, Bd. 51, Würzburg 2011

1.2. Der Zeitrahmen der Exerzitien

Wie schon oben beschrieben, benötigen Sie etwa 45 Minuten täglich.
30 Minuten Zeit für Ihren Spaziergang auf der Straße
15 Minuten für den Tagesrückblick (Gebet der liebenden Aufmerksamkeit)
Beginnen Sie Ihren Spaziergang mit einem Gebet. Vorschläge dafür finden Sie weiter unten.
Es kann aber auch ein anderes Gebet sein, z.B. ein bewusstes Kreuzzeichen. Wichtig ist nur, dass Sie sich bewusst sind, „im Namen Gottes“ unterwegs zu sein, von ihm begleitet und ihn suchend.
Schließen Sie Ihren Tag mit dem Tagesrückblick. Nehmen Sie sich 15 Minuten Zeit dafür, den Tag mit Gottes Augen anzuschauen, und sich ihre Erlebnisse noch einmal bewusst zu machen.
Auch hierfür finden Sie weiter unten einen Vorschlag.
Es kann nützlich sein, einen kleinen Fotoapparat dabei zu haben, um Ihren „Dornbusch“, oder was immer sie beeindruckt, festzuhalten.
Gehen Sie auf Ihren Wanderungen langsam. Normalerweise gehen wir schnell, weil wir ein Ziel haben, das wir erreichen wollen. Dieses Ziel fehlt uns auf unseren Exerzitien. Der Weg ist das Ziel. Jesus sagt dies ja auch von sich: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben (Joh. 14,6)
Wenn Sie langsam unterwegs sind, können Sie besser wahr-nehmen, wer oder was Ihnen unterwegs begegnen will.
Wenn Sie langsam und aufmerksam unterwegs sind, signalisieren Sie auch: Ich habe Zeit, ich bin ansprechbar.
Setzen Sie sich nicht unter Erwartungsdruck. Lassen Sie sich und Gott die Zeit, die es braucht, um sich zu begegnen. Die Bibel sagt, dass Moses 80 Jahre alt wurde, bevor er auf den Dornbusch traf…
Wenn Sie wollen, kann es hilfreich sein, sich kundig zu machen, welche Einrichtungen es in Ihrem „Wandergebiet“ gibt: Kindergarten Schule, Sozialamt, Flüchtlingswohnheim, Fabrik, Lebensmittelausgabe der Tafel, Kirchen usw. Beziehen Sie diese Orte, wenn Sie wollen, in Ihre Wanderungen mit ein.
Das Wichtigste aber ist: Seien Sie neugierig!

Einmal pro Woche treffen sich die Teilnehmer außerdem zusammen mit dem Leiter der Exerzitien, um sich in der Gruppe auszutauschen, sich gegenseitig mit den gemachten Erfahrungen zu bereichern und um auf die kommenden Woche voraus zu blicken.

2. Der biblische Rahmen unserer Exerzitien Exodus 3,1-15:

Moses am brennenden aber nicht verbrennenden Dornbusch
1 Mose weidete die Schafe und Ziegen seines Schwiegervaters Jitro, des Priesters von Midian. Eines Tages trieb er das Vieh über die Steppe hinaus und kam zum Gottesberg Horeb.
2 Dort erschien ihm der Engel des Herrn in einer Flamme, die aus einem Dornbusch emporschlug. Er schaute hin: Da brannte der Dornbusch und verbrannte doch nicht.
3 Mose sagte: Ich will dorthin gehen und mir die außergewöhnliche Erscheinung ansehen. Warum verbrennt denn der Dornbusch nicht?
4 Als der Herr sah, dass Mose näher kam, um sich das anzusehen, rief Gott ihm aus dem Dornbusch zu: Mose, Mose! Er antwortete: Hier bin ich.
5 Der Herr sagte: Komm nicht näher heran! Leg deine Schuhe ab; denn der Ort, wo du stehst, ist heiliger Boden.
6 Dann fuhr er fort: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Da verhüllte Mose sein Gesicht; denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen.
7 Der Herr sprach: Ich habe das Elend meines Volkes in Ägypten gesehen und ihre laute Klage über ihre Antreiber habe ich gehört. Ich kenne ihr Leid.
8 Ich bin herabgestiegen, um sie der Hand der Ägypter zu entreißen und aus jenem Land hinaufzuführen in ein schönes, weites Land, in ein Land, in dem Milch und Honig fließen, in das Gebiet der Kanaaniter, Hetiter, Amoriter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter.
9 Jetzt ist die laute Klage der Israeliten zu mir gedrungen und ich habe auch gesehen, wie die Ägypter sie unterdrücken.
10 Und jetzt geh! Ich sende dich zum Pharao. Führe mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten heraus!
11 Mose antwortete Gott: Wer bin ich, dass ich zum Pharao gehen und die Israeliten aus Ägypten herausführen könnte?
12 Gott aber sagte: Ich bin mit dir; ich habe dich gesandt und als Zeichen dafür soll dir dienen: Wenn du das Volk aus Ägypten herausgeführt hast, werdet ihr Gott an diesem Berg verehren.
13 Da sagte Mose zu Gott: Gut, ich werde also zu den Israeliten kommen und ihnen sagen: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt. Da werden sie mich fragen: Wie heißt er? Was soll ich ihnen darauf sagen?
14 Da antwortete Gott dem Mose: Ich bin der «Ich-bin-da». Und er fuhr fort: So sollst du zu den Israeliten sagen: Der «Ich-bin-da» hat mich zu euch gesandt.
15 Weiter sprach Gott zu Mose: So sag zu den Israeliten: Jahwe, der Gott eurer Väter, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs, hat mich zu euch gesandt. Das ist mein Name für immer und so wird man mich nennen in allen Generationen.

Vier Wochen für fünfzehn Verse? Ja! Weil dieser Text eine der zentralen Stellen in der Bibel ist. Mit ihm beginnt die Geschichte des Auszugs Israels aus Ägypten. Im Rückblick ist dies das zentrale Ereignis im Selbstverständnis der jüdischen Religion. Gott steht auf der Seite der Armen und der Unterdrückten. Mit starker Hand und hocherhobenem Arm befreit er sein Volk aus der Knechtschaft. Hier beginnt die Freiheitsgeschichte Israels.
Auch im jüdischen Gesetz hinterlässt der Exodus tiefe Spuren … denn ihr wart selbst Fremde in Ägypten, heißt es an vielen Stellen, die den Schutz der Fremden gesetzlich regeln.
Hier, am Dornbusch begann es, der in der Nähe des Gottesberges Horeb stand. Am gleichen Berg erhält Moses später von Gott die zehn Gebote, die im weiteren Verlauf der Religionsgeschichte als „Grundgesetz“ für viele Kulturen dienen. Sie beginnen nicht mit den Geboten, sondern mit dem Satz: Ich bin Jahwe, dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat, aus dem Sklavenhaus. (Ex. 20,2)
Deshalb kann man als Begründung vor jedes der zehn Gebote diesen Satz stellen und beide mit „deshalb“ verbinden. Z.B.: Ich bin Jahwe, dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat, aus dem Sklavenhaus (Deshalb:) Du sollst neben mir keine anderen Götter haben. (Ex. 20,2f)
Das, was mit der Begegnung am Dornbusch beginnt, ist eine Freiheitsgeschichte.
Das Pascha-Mahl, das Jesus mit seinen Jüngern im Jerusalemer Abendmahlssaal feiert, hat seinen Ursprung in der Nacht vor dem Auszug aus Ägypten. Im Pascha-Mahl feiert das Volk Israel seine Befreiung durch Gott. Jesus ergänzt dieses Pascha-Mahl durch die Worte, die das Zentrum unserer Eucharistiefeier prägt: Nehmt und esst alle davon, das ist mein Leib, der für Euch hingegeben wird. Nehmt und trinkt alle daraus. Das ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen worden ist zur Vergebung der Sünden. Allein schon diese kurzen Worte machen deutlich, dass unsere Messe sehr stark mit dem verbunden ist, was am Dornbusch begann.
Im Übrigen lohnt es sich, jeden kleinen Schritt dieser Erzählung zu meditieren, weil in ihr viel davon zu erfahren ist, wie Gott auch heute zu uns „spricht“, wer er ist, und was er für uns tut und von uns will.
Ich hoffe, Sie haben Appetit bekommen auf die vor uns liegenden vier Wochen…

3. Gebetsanregungen für den Beginn der Übungen und für den Tagesrückblick
3.1. Anfangsgebete zu Auswahl

Hier bin ich Gott, vor dir, so, wie ich bin –
mit meiner Sehnsucht, meiner Hoffnung, meiner Freude,
meinem Ärger, meiner Müdigkeit…
Hilf mir zu sehen, was Du mir jetzt zeigen möchtest,
zu hören, was Du mir jetzt sagen möchtest,
zu spüren, dass Du mit mir gehst und bei mir bleibst.
So bin ich jetzt da vor Dir.

Gott, lehre mich,
in der Stille Deiner Gegenwart
das Geheimnis
meines Lebens zu verstehen.
Hilf mir los zu lassen,
was mich daran hindert, Dir zu begegnen
und mich
von Deinem Wort ergreifen zu lassen.
Hilf mir zuzulassen,
was in mir Mensch werden will
nach dem Bild und Gleichnis,
dass Du Dir von mir gemacht hast.

Peter Köster SJ

Gott, öffne mir die Augen,
mach weit meinen Blick
und mein Interesse,
damit ich sehen kann,
was ich noch nicht erkenne.
Gott, gib mir ein großzügiges Herz,
das sich Deinem Wort überlässt
und zu tun wagt,
was es noch nicht getan hat.
Gott, ich weiß, dass ich nur lebe,
wenn ich mich von dir rufen
und verwandeln lasse.

(nach Ignatius von Loyola)

Ich sitze (stehe / gehe) vor dir, Gott,
aufrecht und entspannt,
mit geradem Rückgrat
In diesem gegenwärtigen Augenblick
lasse ich alle meine
Pläne, Sorgen und Ängste los.
Ich lege sie in deine Hände.
Gott, ich warte auf dich.
Du kommst auf mich zu.
Du bist in mir,
durchflutest mich mit deinem Geist.
Du bist der Grund meines Seins.
Öffne mich für deine Gegenwart,
damit ich immer tiefer erfahre, wer du bist
und was du von mir willst. Amen.
(nach Dag Hammarskjöld)

Gott, gib mir blinde Augen
Für Dinge, die nichts taugen
Und Augen voller Klarheit
Für Deine Wahrheit!

(unbekannt)

Aus den Dörfern und Städten
Sind wir unterwegs zu dir.
Aus den Tälern und Bergen
Sind wir unterwegs zu dir.
Aus den Hütten und Häusern
Sind wir unterwegs zu dir.
Aus den Büros und Fabriken
Sind wir unterwegs zu dir.
Mit den leidenden Brüdern und
Schwestern sind wir unterwegs zu dir.
Mit den lachenden Kindern
Sind wir unterwegs zu dir.
Mit allen, die an dich glauben,
bilden wir ein großes Volk.
Als Bauleute des Friedens
Sind wir unterwegs zu dir.
Als Boten der Gerechtigkeit
Sind wir unterwegs zu dir.
Als Zeugen deiner Liebe
Sind wir unterwegs zu dir.
(aus Lateinamerika)

3.2. Tagesrückblick

Das „Gebet der liebenden Aufmerksamkeit“ – Beschreibung der Gebetsstruktur -„Auswertung“ des Tages bedeutet, dass jeder Tag wertvoll ist. Kostbar sind in den Augen Gottes alle Tage und Nächte der Menschen. Diese Sichtweise Gottes, seinen Blickwinkel, will sich das „Gebet der liebenden Aufmerksamkeit“ zu Eigen machen. Dabei können Entdeckungen gemacht werden:  Ich darf die Wirklichkeit, so wie sie nun einmal ist, angstfrei wahrnehmen, ohne gleich werten und abwerten zu müssen bzw. abgewertet oder für irgendetwas verurteilt zu werden.  Ich darf auf das Gute und Gelungene in Dankbarkeit schauen: auf das Gute, das mir geschenkt wurde, und auf das, was von mir ausgegangen ist, und dies bei mir selber wahrnehmen und annehmen.  Ich muss nicht mit dem Unkraut zugleich den Weizen ausrotten. Umkehr bedeutet nicht Vernichtung von Fehlern, sondern Verwandlung; nicht, sich einen Fußtritt zu geben, sondern sich neu ausrichten zu lassen und sich auf den Weg zu machen. Ich darf einen Weg haben und der Weg wächst, so wie die liebende Aufmerksamkeit in mir wächst. Dabei hat alles seine Zeit: das Achten auf äußere Verhaltensweisen, die mich selber oder andere stören; die Aufmerksamkeit für innere Einstellungen und Stimmungen;  das achtsame und genaue Nachfragen nach dem, was das eigene Leben ausmacht.  Das Beten kann aber auch sehr einfach werden, wie das Gebet eines Bauern, der von sich sagte: „Ich schaue Gott an, und Gott schaut mich an.“

Zur Einübung sind folgende Schritte eine Hilfe, um achtsamer das eigene Leben mit und vor Gott zu leben:

(1) Sich Zeit und Raum nehmen; vor Gott gegenwärtig werden  Wie zu Beginn eines jeden Gebetes versuche ich, mich einzufinden. Ein Blick in die Umgebung kann helfen, sie bewusst wahrzunehmen, aber dann Abstand von ihr zu gewinnen.  Einige tiefe Atemzüge können mir helfen, wach da zu sein. So kann ich gegenwärtig werden in der Gegenwart Gottes. Er ist da, wo ich bin. Ich bin sein Geschöpf und umgeben von den Zeichen seiner Liebe, auch wenn sich sie bisweilen kaum spüren kann. Je mehr ich ihm danken kann, dass er gegenwärtig ist, desto klarer sehe und erfahre ich, dass jeder Tag mit allem, was er bringt, ein Geschenk seiner Liebe für mich persönlich ist.

(2) Die Bitte, meine Wirklichkeit mit dem Blick Gottes und in seinem Licht sehen zu dürfen
Was und wie meine Augen sehen, ist sehr unterschieden von dem, wie Gott es ansieht. Deshalb bitte ich darum, in seinem Licht die Realität meines Tages anschauen zu dürfen. Ein kurzes Gebet kann den Raum für die liebende Achtsamkeit bereiten: „GOTT, DU BIST DA. GOTT, ICH BIN DA. ÖFFNE DIE AUGEN MEINES HERZENS UND LASS MICH SEHEN, WAS DU MIR DURCH DEINEN GEIST ZEIGEN WILLST.“

(3) Den Tag in den Blick nehmen
 Wenn ich durch die vorbereitenden Schritte etwas Abstand vom Tagesgeschehen gewonnen habe, kann ich die Ereignisse und Stimmungen des Tages ans Licht kommen lassen. Es geht nicht darum, sogleich Ja oder Nein zu sagen, sofort zu beurteilen, was sein darf und was nicht, sondern das, was war, sehen zu lernen und gelten zu lassen. Dabei kann ich auch bei solchen Geschehnissen verweilen und sie in den Blick nehmen, die vielleicht viel zu schnell an mir vorübergezogen sind oder sich überschlagen haben, so dass ich ihnen keine oder zu wenig Aufmerksamkeit widmen konnte.
Bei diesem Anschauen können folgende Fragen helfen: Was ist geschehen? Was habe ich erlebt (Begegnungen und Ereignisse)?
Wovon bin ich betroffen und wovon nicht? 
Was bewegt mich? In welche Tendenz drängt diese innere Bewegung?
Seit wann ist sie im Vordergrund? Wann begann sie? (Es geht nicht um bloße Momentaufnahmen, sondern darum, den Film in seiner Entwicklung zu sehen)

(4) Innewerden und verstehen
Schon die letzte Frage zielt auf das Bewusst-Werden dessen, was in meiner jetzigen Lebenssituation vorherrschend und bestimmend ist.
In diesem Schritt versuche ich, mit den „Augen des Herzens“ (vgl. Eph 1, 18) tiefer zu schauen und zu verstehen, was eigentlich an diesem Tage geschehen ist. Es gilt zu sehen, wie in allem Geschehen der Geist Gottes am Werk war. Hier geht es um die „Unterscheidung der Geister“. Ich kann an das Geschehen folgende Fragen stellen:

Welchen Sinn hat das Geschehene von Gott her?
Kann ich sehen und bejahen, dass durch das Geschehene das Wirken und der Wille Gottes sich in meinem Leben mehr ausgebreitet hat?
Kann ich im Anschauen des Tages durchlässiger für Gottes Wesen und Wirken werden?

(5) Danken und versöhnt werden

Diese so erfahrene Realität des Tages kann nun mit dem Geschmack des Geistes Gottes zur frohen Botschaft werden:

Was ist mir heute alles geschenkt worden! Gesundheit, Arbeit, Menschen, Begegnungen, Fügungen und Bewahrungen! „WIE GUT! DANKE, GOTT!“ 
Aber auch Missglücktes, Unerlöstes, unsere Lieblosigkeit, unser Verhaftet-Sein an das Unheil der Welt, unsere Fehler und unser Versagen werden wir vor Gott bringen wollen, damit er es heile und verwandle. „DANKE, DASS DU JA SAGST ZU MIR! DANKE, DASS DU DIE SONNE DEINER GÜTE ÜBER MIR SCHEINEN UND DEN TAU DEINER LIEBE AUF MICH HERABTAUEN LÄSST! DANKE, DASS DU DEN REGENBOGEN DER VERSÖHNUNG IN DIE WOLKEN SETZT UND ÜBER DIE ERDE MEINES LEBENS WÖLBST!“

(6) Vertrauen und Hoffnung

Wenn ich so neu beschenkt worden bin mit Dankbarkeit und Versöhnung, werde ich gestärkt, um vertrauensvoll auf die Zukunft zuzugehen. Dankbarkeit ist eine Quelle des Lebens, und die Vergebung von Schuld entbindet gefesselte Kräfte. Ich bitte um Kraft und um Zuversicht, dass ich das, was ich gesehen habe und was mir klar geworden ist, in mein Leben hineinnehmen kann. Je nach der Situation, in der ich mich befinde, werden dabei entweder Hoffnung und Zuversicht oder Entschiedenheit und Entschlossenheit im Vordergrund stehen. Es gilt, sich in die Grundausrichtung hineinnehmen zu lassen, die Gott der Schöpfer uns Menschen zugedacht hat: dass unser Leben im Gotteslob und im Dienst an ihm zu seiner Erfüllung kommt. „WAS WIR IM AUGE HABEN, DAS PRÄGT UNS, DAHINEIN WERDEN WIR VERWANDELT, UND WIR KOMMEN, WOHIN WIR SCHAUEN.“

(HEINRICH SPAEHMANN)

4. Anregungen zur Gestaltung der Exerzitientage
4.1. 1. Woche: Aufmerksam werden:
Mose weidete die Schafe und Ziegen seines Schwiegervaters Jitro, des Priesters von Midian. Eines Tages trieb er das Vieh über die Steppe hinaus und kam zum Gottesberg Horeb.
2 Dort erschien ihm der Engel des Herrn in einer Flamme, die aus einem Dornbusch emporschlug. Er schaute hin: Da brannte der Dornbusch und verbrannte doch nicht.
3 Mose sagte: Ich will dorthin gehen und mir die außergewöhnliche Erscheinung ansehen. Warum verbrennt denn der Dornbusch nicht?

1. und 2. Tag: Der Dornbusch
Moses geht seinem Beruf nach. Er ist Schaf- und Ziegenhirte. Bei seiner alltäglichen Arbeit entdeckt er etwas Ungewöhnliches: Einen Dornbusch, der zwar brennt, aber nicht verbrennt.

Sie machen sich auf den Weg, etwa 30 Minuten lang. Achten Sie darauf, dass sie langsam gehen – und gehen Sie neugierig!

Sehen Sie etwas oder jemanden, das oder der Ihre Aufmerksamkeit weckt?

Wenn Sie etwas oder jemanden gefunden haben, das oder der Ihre Aufmerksamkeit weckt, dann bleiben Sie stehen und beobachten Sie ihren „Dornbusch“. Wenn er Sie neugierig macht, gehen Sie näher darauf zu. Wenn nicht, gehen Sie weiter und warten darauf, was ihr Interesse findet.

Vielleicht spricht Sie auch jemand an. Seien Sie ansprechbar!

Wenn Sie wollen, machen Sie ein Foto von Ihrem „Dornbusch“.

3. und 4. Tag: Geh in ein Land, das ich dir zeigen werde. (Gen 12,1)

Bibeltext: Und der HERR sprach zu Abram: Geh …in ein Land, das ich dir zeigen will.

So fängt die Geschichte Abrahams mit Gott an. Und Abraham geht und macht Erfahrungen…

An diesen beiden Tagen machen Sie im Prinzip dasselbe, wie in den vorangegangenen. Sie gehen durch die Straßen. Bedenken Sie dabei aber auch bitte den 2. Teil unseres Bibelverses: … das ich dir zeigen will! Gott will Ihnen „sein Land“ zeigen.

Die Straßen oder Wege auf denen Sie gehen gehören zu Gottes Land. Das will er Ihnen zeigen. Gehen Sie langsam, aufmerksam und neugierig. Was will Gott Ihnen zeigen?

Achten Sie auf das, was Sie wahr-nehmen, so, wie Moses auf den Dornbusch achtet. Gott will Ihnen sein Land zeigen. Bleiben Sie bei dem, was Ihre Aufmerksamkeit bindet. Sehen Sie Gottes Zeigefinger?

Wenn Sie wollen, machen Sie Fotos von diesen Orten.

5. und 6. Tag: Ich suche den, den meine Seele liebt (Hoheslied)

In dieser ersten Woche geht es darum, seinen „Dornbusch“ zu finden. Später werden wir sehen, dass Moses in dem, was seine Neugierde weckt, Gott begegnet.

Im Hohenlied des Alten Testamentes heißt es: „Ich suche den, den meine Seele liebt.“ Darum soll es an diesen beiden Tagen noch nicht gehen. Sondern darum, aufmerksam zu werden für die kleinen Genüsse, die man sonst so leicht übersieht: Finden Sie etwas Liebenswertes, von dem Sie sagen: Schön, dass es da ist! Treffen Sie Menschen, die liebenswert sind? Bleiben Sie an diesem Ort/an diesen Orten und genießen Sie es!

Wenn Sie wollen, machen Sie Fotos von diesen Orten.

7. Tag: Gehen Sie an diesem Tag noch einmal zu dem Ort, der Sie während Ihrer Spaziergänge am meisten beeindruckt hat. Bleiben Sie dort und lassen Sie den Ort zu sich sprechen. Warum sind Sie so beeindruckt? Machen Sie sich Notizen!

Wenn Sie wollen, machen Sie Fotos von diesem Ort.

Versuchen Sie, Ihren Rückblick zu beten, kommen Sie darüber mit Gott ins Gespräch!

4.2. 2. Woche: Zieh deine Schuhe aus

4 Als der Herr sah, dass Mose näher kam, um sich das anzusehen, rief Gott ihm aus dem Dornbusch zu: Mose, Mose! Er antwortete: Hier bin ich.
5 Der Herr sagte: Komm nicht näher heran! Leg deine Schuhe ab; denn der Ort, wo du stehst, ist heiliger Boden.

Moses reagiert mit Neugierde und Interesse auf das wundersame Zeichen des brennenden aber nicht verbrennenden Dornbusches und kommt näher. Diese beiden Eigenschaften, Neugierde und Interesse, werden zum Schlüssel für alles andere. Nach dieser Erzählung sind Neugierde und Interesse Voraussetzungen für die Gottesbegegnung. Plötzlich hört er seinen Namen: Mose, Mose. Er wird angesprochen – von Gott – ohne, dass er es schon weiß. Übertragen auf unsere Exerzitien kann das heißen: Wer oder was spricht mich auf meinen Spaziergängen an? Wahrscheinlich weiß er es in diesem Moment auch noch nicht, aber er antwortet: Hier bin ich! Sich ansprechen zu lassen auf unseren Wegen – darauf kommt es an – und mit „Hier bin ich“ zu antworten. Und dabei geht es um mehr, als nur körperlich anwesend zu sein. Karl Valentin hat es einmal auf seine unübertreffliche Weise ausgedrückt: Heute besuch ich mich – hoffentlich bin ich zuhause…

Einige Verse später offenbart Gott seinen Namen: Ich bin der „Ich bin da“. – Merken Sie die Ähnlichkeit mit der Aussage des Mose „Hier bin ich!“ Es geht um ganze Anwesenheit beim Reagieren auf diesen Anruf, weil sonst die Chance zu Gottesbegegnung vertan wäre.

„Komm nicht näher heran!“ Gott stoppt Moses auf seinem Weg zum brennenden Dornbusch, zu sich: Dahinter steht die Überzeugung der Israeliten, dass ein Mensch sterben muss, wenn er Gott zu nahe kommt. Daraus spricht aber auch die Aufforderung, auch auf unseren Exerzitienwegen, die Heiligkeit Gottes, die Heiligkeit der Menschen und Situationen zu respektieren, die uns auf unseren Wegen begegnen.

„Zieh deine Schuhe aus…“ Das heißt: Komm ganz in Berührung mit dieser Situation. Die Schuhe sind Symbol für unsere Distanz, die wir oft aufbauen, zwischen uns und anderen Menschen, zwischen uns und Gott. „…denn der Boden auf dem Du stehst, ist heiliger Boden!“ – Heiliger Boden – Ort der Gottesbegegnung: Zieh deine Schuhe aus, spüre die Heiligkeit des Ortes, an dem du stehst!

1. und 2. Tag: Mose, Mose!

Der Dornbusch zieht Moses magisch an. Er kann gar nicht anders, als näher zu kommen. Im Hohenlied heißt es: Ich suche den, den meine Seele liebt. Ist Moses mit seiner Suche an sein Ziel gekommen?

Aus dem Dornbusch heraus, also aus dem, was ihn magisch anzieht, wird Moses mit seinem Namen angerufen. Dies ist sein Ort – hier gehört er hin – zumindest in diesem Moment.

(Wie „spricht“ Gott?

Per Zufall fiel mir vor einigen Jahren eine Lutherübersetzung der Bibel in die Hand. Neugierig blätterte ich dadurch. Der Beginn des Buches Jona (der mit dem Walfisch) im Alten Testament ist bei mir besonders in Erinnerung geblieben: Da hieß es: Das Wort des Herrn geschah an Jona. Ich stutzte und las dieselbe Stelle in der Einheitsübersetzung. Dort stand: Gott sprach zu Jona. Ja, dachte ich: Luther hat viel von der „Sprache Gottes“ verstanden. Gott spricht, in dem er geschieht.

Ähnlich drückte es der berühmte brasilianische Bischof Dom Helder Camara aus: Jedes verhaltensgestörte Kind ist ein Protest Gottes gegen die Welt so, wie sie ist.)

Auf Ihrem Spaziergang an diesen Tagen können Sie beides tun: Entweder „einfach so“ durch die Straßen gehen und sich von Ihrem Dornbusch „überraschen“ lassen, oder an einen Ort aus der letzten Woche gehen, wenn Sie meinen, schon Ihren Dornbusch gefunden zu haben.

„Hören Sie, wie der Ort(?) Ihren Namen „ruft“? – Lassen Sie sich rufen.

Was „spricht Sie an“ an diesem Ort. Warum bleiben Sie gerade hier?

Notieren Sie die Gedanken, die Ihnen dazu kommen.

3. und 4. Tag: Hier bin ich!

Gehen Sie wieder zu Ihrem Ort, oder schlendern Sie – scheinbar ziellos – umher. Nehmen Sie dabei den Beginn des Gespräches Gottes mit Moses mit: „Moses, Moses!“ – „Hier bin ich!“

Ersetzen Sie dabei den Namen des Moses durch Ihren Vornamen, also z.B. „Clemens, Clemens!“ – „Hier bin ich!“

Verbinden Sie diese Worte mit Ihrem Atem: Sprechen (denken oder flüstern) Sie beim Einatmen Ihren Vornamen und beim Ausatmen: Hier bin ich

Wenn Sie gehen, vereinigen Sie das Sprechen der Worte und ihr Atmen mit dem Rhythmus Ihrer Schritte.

(Dieses Nachsprechen heiliger Worte ist eine uralte Gebetsform. Meister Eckhard spricht vom „Verkosten dieser Worte“, oder vom „Wiederkäuen“. Letzteres so sagt er, sei nötig, damit aus „Gras“ „Milch“ wird.

(Wenn Sie damit gute Erfahrungen machen und Interesse an einer Vertiefung haben, dann suchen Sie mal im Internet nach „Herzensgebet“ oder „Jesus – Gebet“, oder kaufen Sie sich das Buch: „Aufrichtige Erzählungen eines russischen Pilgers“)

An diesen beiden Tagen soll es darum gehen, sensibel zu werden für die Art, in der Gott „ruft“ und darauf mit „Dasein“ zu antworten.

Notieren Sie Ihre Erfahrungen!

5. und 6. Tag: Zieh Deine Schuhe aus, denn der Boden auf dem du stehst, ist heiliger Boden!

Wer jetzt gedacht hat, es würde Gott genügen, das „Hier bin ich“ des Mose zu hören, hat sich getäuscht. Bevor Gott ihn beauftragt, die Israeliten aus der Gefangenschaft zu führen, muss Moses noch etwas tun: Die Schuhe ausziehen. Der Dornbusch samt dem Platz, der ihn umgibt, ist Gottes heiliger Boden und den soll Moses spüren. Schuhe sind viel: Sowohl Kälte- und Wärmeschutz als auch Schutz vor Steinen und Dornen auf dem Weg. Aber: Sie schaffen auch Distanz. Und diese soll Mose ablegen.

Es geht also darum: Die Situation, den Ort, den „Dornbusch“ nicht zu bewerten, sondern ihn wahrzunehmen, die Distanz aufzugeben, um der Situation, dem Menschen, Gott oder wem auch immer, nahezukommen, sich spätestens jetzt neben einen auf die Bank zu setzen und ein Gespräch zu beginnen, oder zum Caritasfrühstück ins Walburga-Haus zu gehen, oder zur Tafel, oder ins Kinderheim. – Zieh deine Schuhe aus, und rechne zugleich damit, dass sie „kleben“, dass es dauert, bis das gelingt.

Nutzen Sie die Tagesrückblicke (Gebet der liebenden Aufmerksamkeit), um Ihre Erlebnisse zu reflektieren.

7. Tag: Wochenrückblick

Gehen Sie an einen Ort Ihrer Wahl, von dem Sie in der letzten Woche besonders angesprochen wurden und verbringen Sie Ihre 30 Minuten dort.

Machen Sie sich Notizen, die ihre Erfahrungen beschreiben.

Versuchen Sie, Ihren Rückblick zu beten, kommen Sie darüber mit Gott ins Gespräch!

4.3. 3. Woche: Ich habe das Elend meines Volkes gesehen

7 Der Herr sprach: Ich habe das Elend meines Volkes in Ägypten gesehen und ihre laute Klage über ihre Antreiber habe ich gehört. Ich kenne ihr Leid.
8 Ich bin herabgestiegen, um sie der Hand der Ägypter zu entreißen und aus jenem Land hinaufzuführen in ein schönes, weites Land, in ein Land, in dem Milch und Honig fließen, in das Gebiet der Kanaaniter, Hetiter, Amoriter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter.
9 Jetzt ist die laute Klage der Israeliten zu mir gedrungen und ich habe auch gesehen, wie die Ägypter sie unterdrücken.

1. und 2. Tag: Ich habe…gesehen

Im ersten Buch der Bibel, Genesis Kapitel 16 wird von Hagar, der Magd Abrahams erzählt.

Abraham und seine Frau Sara haben von Gott die Verheißung von Nachkommen erhalten. Aber nichts geschieht. Damit die Verheißung erfüllt wird, wollen sie nachhelfen. Mit Saras Einverständnis schläft Abraham mit seiner Magd Hagar. Diese wird schwanger und bringt Ismael zur Welt. (Ismael bedeutet: Gott sieht) Dadurch entsteht ein Konflikt zwischen den beiden Frauen und Hagar flieht vor Sara in die Wüste. Dort wird sie von Gott angesprochen, der ihr durch Ismael reiche Nachkommenschaft verheißt. „Da nannte sie den Herrn, der zu ihr gesprochen hatte: El-Roï (Gott, der nach mir schaut). Sie sagte nämlich: Habe ich hier nicht nach dem geschaut, der nach mir schaut?“ (Gen, 16.13)

Gott, der nach mir schaut – ein schöner Gottesname, ähnlich dem, den Mose am Dornbusch hört: Ich habe das Elend meines Volkes gesehen. Gott, der nach mir schaut – das war Hagars Sehnsucht in der Wüste und so hat Gott sich ihr gezeigt.

An diesen ersten beiden Tagen sollen Sie sich auf die Suche nach Ihrem Gottesnamen machen. Vielleicht kann Ihnen der folgende Text dazu Anregung sein:

„Einen Weg, auf meine vitale Sehnsucht aufmerksam zu werden, finde ich über den in mir aufsteigenden Ärger oder sogar manchmal die Wut über bestimmte Lebensumstände. Über was ärgere ich mich da? Was erfahre ich als Unrecht? In einem zweiten Schritt frage ich dann: Wie stelle ich mir angemessene Umstände vor? Diese Frage führt mich direkt zu meiner noch unerkannten Sehnsucht.

Für jemand anderen findet sich ein Weg im Nachgehen der Erfahrungen, bei denen sich Traurigkeit oder Angst eingestellt haben. Auch hier ist dann die zweite Frage: Wie ist es besser? Wie wünsche ich, dass es sein soll? Unter welchen Umständen würde ich froh oder ärmer an Angst leben?

Entschiedener Ärger, depressive Stimmungen oder auf kommende Angst, in welchem Lebensbereich auch immer, können uns den Weg zu unserer verborgenen Sehnsucht zeigen, die Gott – oder wie immer wir unseren Ursprung nennen – in uns gelegt hat. Wir haben sie uns ja nicht selbst gebastelt.

Mit der nun vielleicht nur bruchstückhaft entdeckten Sehnsucht können wir den Ursprung in uns ansprechen. Jede/-r ist damit einmalig und fantasievoll ausgestattet.

Eine Frau entdeckte in sich einen wiederkehrenden Ärger, wenn sie Menschen sah, die von der dabeistehenden Gruppe nicht gesehen wurden. Schon im Nennen der Verärgerung wurde deutlich: Alle Menschen sollen gesehen und am Leben beteiligt werden. Sie ahnte, welche besondere Wahrnehmungsgabe ihr geschenkt war.

Im nächsten Schritt verankerte sie ihre Identität in diesem Ursprung des Lebens und sprach ihn mit dem neu gefundenen Namen an: »Du, der du mich schön ansiehst.« Sie ahnte Gott als den, der sie nicht ausgrenzt…

… Nach einem Jahr traf ich die Frau nach einem längeren Auslandsaufenthalt wieder und sie sagte mir: Immer wenn ich meinen Namen für Gott sage, bin ich wieder im Gebet. Doch mein Name hat sich mit meinen neuen Erfahrungen erweitert und ich sage heute: »Du, die du mich schön ansiehst und mich das Lieben lehrst.« (Christian Herwartz: Brennende Gegenwart, S. 19, Echter Verlag)
Gehen Sie am ersten dieser beiden Tage in sich gekehrt Ihren Weg und versuchen Sie, Ihrem Ärger oder ihrer Wut, Ihrer Angst oder Ihrer Traurigkeit näher zu kommen. Suchen Sie dann nach Ihrer Sehnsucht, danach, wie es sein sollte. Und sprechen Sie Gott mit Ihrer verborgenen Sehnsucht an, wie z.B. Hagar es tat: El Roi – Gott, er nach mir sieht.

Wenn Ihnen das am ersten Tag noch nicht gelungen ist, versuchen Sie es am zweiten Tag noch einmal. Vielleicht begegnet Ihnen ja auch auf Ihrem Spaziergang eine ärgerliche, wütend oder traurig machende Situation, die Ihnen wie ein Schlüssel zur Tür zu Ihrer Sehnsucht ist. Wenn Sie am ersten Tag schon fündig geworden sind, dann schauen Sie am zweiten Tag wieder nach außen. Vielleicht entdecken Sie Ihre Sehnsucht auch außerhalb Ihrer selbst. Und sprechen Sie Gott mit diesem Namen an. Vielleicht ergeht es Ihnen ja wie der Frau im obigen Text: „Immer wenn ich meinen Namen für Gott sage, bin ich wieder im Gebet.“

Dritter und vierter Tag: Ich habe das Elend meines Volkes gesehen

Die Bibel, besonders das Buch Exodus schreibt von einem Gott, der auf der Seite der Armen und Entrechteten steht. Nachdem die Israeliten aus Ägypten ausgezogen und im Gelobten Land angekommen sind, wird diese Einstellung zur Pflicht des Volkes Gottes erhoben. Aber auch Israel bleibt immer wieder hinter dieser Forderung zurück. So schreibt etwa der Prophet Jesaja (Jes. 58,5-11):

5 Ist das ein Fasten, wie ich es liebe, /ein Tag, an dem man sich der Buße unterzieht: wenn man den Kopf hängen lässt, so wie eine Binse sich neigt, / wenn man sich mit Sack und Asche bedeckt? Nennst du das ein Fasten / und einen Tag, der dem Herrn gefällt?
6 Nein, das ist ein Fasten, wie ich es liebe: /die Fesseln des Unrechts zu lösen, / die Stricke des Jochs zu entfernen, die Versklavten freizulassen, / jedes Joch zu zerbrechen,
7 an die Hungrigen dein Brot auszuteilen, /die obdachlosen Armen ins Haus aufzunehmen, wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden / und dich deinen Verwandten nicht zu entziehen.
8 Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte /und deine Wunden werden schnell vernarben. Deine Gerechtigkeit geht dir voran, / die Herrlichkeit des Herrn folgt dir nach.
9 Wenn du dann rufst, /wird der Herr dir Antwort geben, und wenn du um Hilfe schreist, wird er sagen: / Hier bin ich. Wenn du der Unterdrückung bei dir ein Ende machst, / auf keinen mit dem Finger zeigst und niemand verleumdest,
10 dem Hungrigen dein Brot reichst /und den Darbenden satt machst, dann geht im Dunkel dein Licht auf / und deine Finsternis wird hell wie der Mittag.
11 Der Herr wird dich immer führen, /auch im dürren Land macht er dich satt / und stärkt deine Glieder. Du gleichst einem bewässerten Garten, / einer Quelle, deren Wasser niemals versiegt.

Gehen Sie an diesen beiden Tagen durch die Straßen und versuchen Sie die Wirklichkeit mit den Augen Gottes zusehen: Das Elend seines Volkes. Vielleicht kann Ihnen Ihr persönlicher Gottesname eine „Brille“ sein, durch die Sie schauen können. Nutzen Sie diesen Namen auch als Gebetshilfe auf Ihrem Weg.

5. und 6. Tag: … und bin herabgestiegen um sie der Hand der Ägypter zu entreißen…

Dieses Versprechen macht Gott dem Mose. ER wird Israel aus Ägypten führen. „Mit starker Hand und hoch erhobenem Arm“, wie es an vielen Stellen im Alten Testament heißt.

Ich bin herabgestiegen – wenn man daran und die die Szene der Menschwerdung Gottes in Bethlehem denkt, kann man mit Fug und Recht sagen, dass wir an einen „heruntergekommenen Gott“ glauben.

Gehen Sie heute durch die Straßen und achten Sie besonders auf hilfsbereite Menschen, die auf irgendeine Art und Weise anderen behilflich sind.

Vielleicht begegnen Sie ja auch einer Situation, in der diese Hilfsbereitschaft von Ihnen gefordert ist….

7. Tag: Wochenrückblick

Gehen Sie an den Ort dieser Woche, der Sie am meisten beeindruckt hat. Machen Sie sich Notizen, die diese Eindrücke beschreiben.

Versuchen Sie, Ihren Rückblick zu beten, kommen Sie darüber mit Gott ins Gespräch!

4.4. 4. Woche: Ich bin der „Ich bin da“

10 Und jetzt geh! Ich sende dich zum Pharao. Führe mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten heraus!
11 Mose antwortete Gott: Wer bin ich, dass ich zum Pharao gehen und die Israeliten aus Ägypten herausführen könnte?
12 Gott aber sagte: Ich bin mit dir; ich habe dich gesandt und als Zeichen dafür soll dir dienen: Wenn du das Volk aus Ägypten herausgeführt hast, werdet ihr Gott an diesem Berg verehren.
13 Da sagte Mose zu Gott: Gut, ich werde also zu den Israeliten kommen und ihnen sagen: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt. Da werden sie mich fragen: Wie heißt er? Was soll ich ihnen darauf sagen?
14 Da antwortete Gott dem Mose: Ich bin der «Ich-bin-da». Und er fuhr fort: So sollst du zu den Israeliten sagen: Der «Ich-bin-da» hat mich zu euch gesandt.
15 Weiter sprach Gott zu Mose: So sag zu den Israeliten: Jahwe, der Gott eurer Väter, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs, hat mich zu euch gesandt. Das ist mein Name für immer und so wird man mich nennen in allen Generationen.

1. und 2. Tag: Und jetzt geh! Ich sende dich!

Das ist komisch: Gerade hat Gott noch gesagt. Ich bin herabgestiegen, um sie der Hand der Ägypter zu entreißen. Und jetzt sagt er: Und jetzt geh! Ich sende Dich! – Das, was Gott tun will, kann er nur durch Menschen tun.

Nach dem zweiten Weltkrieg lagen in einer zerstörten Kirche die traurigen Überreste eines Kreuzes. Nur der Kopf, der Körper und die Beine des Gekreuzigten waren vor der Zerstörung bewahrt geblieben. Was sollte man tun? Das Kreuz wieder restaurieren? So, wie es einmal war? Sollte der Holzschnitzer dem Christuskörper wieder zwei neue Arme und Hände schnitzen? Man hat es nicht gemacht, sondern an die Stelle der Arme und Hände in das Kreuzholz die Worte geschnitzt: Ich habe keine anderen Hände als die Euren!

Davon ausgehend ist im Laufe der Zeit die folgende Meditation entstanden:

Christus hat keine Hände, nur unsere Hände,
um seine Arbeit heute zu tun.
Er hat keine Füße, nur unsere Füße,
um Menschen auf seinen Weg zu führen.
Christus hat keine Lippen, nur unsere Lippen,
um Menschen von ihm zu erzählen.
Er hat keine Hilfe, nur unsere Hilfe,
um Menschen an seine Seite zu bringen.
Wir sind die einzige Bibel,
die die Öffentlichkeit noch liest.
Wir sind Gottes letzte Botschaft,
in Taten und Worten geschrieben.

Wenn diese Gedanken stimmen, dann löst sich der obige Widerspruch auf: Dann bin ich Christus, dann ist ER Ich, oder besser: Er will es sein, wenn ich will….

Kurt Marti, ein Schweizer Pfarrer und Poet dichtete vor einigen Jahren: Du Gott! In uns versteckt!

Gehen Sie an diesen Tagen durch die Straßen und spüren Sie nach, wie es Ihnen mit dem oben beschriebenen Gedanken geht. „Leihen Sie Gott ihre Augen“, damit er durch Sie diese Welt sehen kann. Was sehen Sie? – Was sieht Gott durch Sie?

3. und 4. Tag: Wer bin ich – Wer bist DU?

11 Mose antwortete Gott: Wer bin ich, dass ich zum Pharao gehen und die Israeliten aus Ägypten herausführen könnte?
12 Gott aber sagte: Ich bin mit dir; ich habe dich gesandt und als Zeichen dafür soll dir dienen: Wenn du das Volk aus Ägypten herausgeführt hast, werdet ihr Gott an diesem Berg verehren.

Moses beginnt, mit Gott zu diskutieren. Will er sich herausreden? Ist ihm die Aufgabe zu groß? Fühlt er sich zu klein?

„Ich bin mit dir!“ antwortet Gott auf seine Bedenken. Das soll dir genügen. Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt, hat einmal gesagt: Der Mensch ist in seiner Größe erbärmlich, aber in seiner Erbärmlichkeit ist er groß!

Wer bin ich, fragt Moses. – Ich bin mit Dir – antwortet ihm Gott!

In den Seligpreisungen der Bergpredigt tauchen diese Zweifel auch auf. Das, was jeweils in den ersten Teilen gesagt wird, spiegelt die Frage des Moses wider: Selig die Armen, die Trauernden, die Gewaltlosen, die hungern und dürsten, usw. Der jeweils 2. Teil ist die Antwort Gottes: Ich bin mit dir!

Die Seligpreisungen: Matthäus 5,3-10

3 Er sagte: Selig, die arm sind vor Gott;
denn ihnen gehört das Himmelreich.A
4 Selig die Trauernden;
denn sie werden getröstet werden.
5 Selig, die keine Gewalt anwenden;
denn sie werden das Land erben.A
6 Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit;
denn sie werden satt werden.
7 Selig die Barmherzigen;
denn sie werden Erbarmen finden.
8 Selig, die ein reines Herz haben;
denn sie werden Gott schauen.
9 Selig, die Frieden stiften;
denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.
10 Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden;
denn ihnen gehört das Himmelreich.

Gehen Sie an diesen beiden Tagen mit den Zweifeln des Moses durch die Straßen. Vielleicht hilft Ihnen die folgende Gebetsanregung: Beim Ausatmen sprechen Sie: Wer bin ich? Beim Einatmen: Ich bin mit Dir!

Versuchen Sie, Worte, Atem und Schritte in einen Rhythmus zu bekommen.

Vielleicht ergibt sich unterwegs ja eine Möglichkeit, den Satz Gottes auszuprobieren: Ich bin mit Dir!

5. und 6. Tag: Ich bin der „Ich bin da“

13 Da sagte Mose zu Gott: Gut, ich werde also zu den Israeliten kommen und ihnen sagen: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt. Da werden sie mich fragen: Wie heißt er? Was soll ich ihnen darauf sagen?
14 Da antwortete Gott dem Mose: Ich bin der «Ich-bin-da». Und er fuhr fort: So sollst du zu den Israeliten sagen: Der «Ich-bin-da» hat mich zu euch gesandt…. so wird man mich nennen in allen Generationen.

Ich bin da! – Jahwe! Gott offenbart seinen Namen. … so wird man mich nennen in allen Generationen! Und doch hütet sich der fromme Jude davor, den Namen Gottes auszusprechen. Zu groß ist wohl der Respekt vor der Heiligkeit Gottes. Und zu groß erscheint ihm wohl die Gefahr, den Namen Gottes für seine eigenen Zwecke zu gebrauchen und zu missbrauchen.

Und trotzdem ist dies der Name Gottes: Ich bin da! – Wo ist er? Fragen heute Viele. Wo ist er nicht?- Diese fragende Antwort legt der Gottesname nahe.

Im Sanctus der Messe beten wir: Himmel und Erde sind erfüllt von Deiner Herrlichkeit!

Im Matthäusevangelium steht im 25. Kapitel die Rede vom Weltgericht. Dort heißt es:

31 Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm, dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen.
32 Und alle Völker werden vor ihm zusammengerufen werden und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet. 1314
33 Er wird die Schafe zu seiner Rechten versammeln, die Böcke aber zur Linken.
34 Dann wird der König denen auf der rechten Seite sagen: Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist.
35 Denn ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen;
36 ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen.
37 Dann werden ihm die Gerechten antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und dir zu essen gegeben, oder durstig und dir zu trinken gegeben? 15
38 Und wann haben wir dich fremd und obdachlos gesehen und aufgenommen, oder nackt und dir Kleidung gegeben?
39 Und wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen?
40 Darauf wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.

In dieser Bibelstelle wird eine zusätzliche Dimension des Gottesnamens Jahwe deutlich: Der „Ich bin da“ begegnet uns in unseren leidenden Schwestern und Brüdern und auch in uns. In den „wildern 70er Jahren“ dichtete ein katholischer Jugendverband:

Schaut beim Loben nicht immer nach oben.

Schaut lieber zur Seite: Da seht ihr die Pleite!

Wenn der Text aus dem Matthäus-Evangelium Recht hat, dann ist das Schauen auf die „Pleiten“ ein Schauen auf Gott. Dann ist Caritas, Nächstenliebe nicht nur mildtätiges Handeln, sondern auch (und zuerst?) eine Form der Gott-Suche.

Gehen Sie an diesen beiden Tagen aufmerksam durch die Straßen und suchen Sie Gott.

Vielleicht hilft Ihnen ja noch einmal die Meditation des 3. Und 4. Tages der ersten Woche unserer Exerzitien (Moses, Moses! – Hier bin ich!)

Der frühere Bischof von Evreux in Frankreich, brachte es so auf den Punkt: Eine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts. Und Papst Franziskus wünscht sich eine arme Kirche an der Seite der Armen…

7. Tag: Bleiben Sie heute Zuhause und halten Sie Rückblick auf die Zeit der Exerzitien. Was geht Ihnen nach? Wem sind Sie begegnet? Haben Sie Ihren Dornbusch gefunden? Hat Gott Sie angesprochen? Haben Sie Gott gefunden? Welche Wege wollen Sie in Zukunft weitergehen. – Halten Sie Ihre Gedanken schriftlich fest.

Mutter Teresa sagte einmal: In der Kommunion empfange ich Christus in der Gestalt des Brotes, in den Armen begegne ich ihm kann ich ihm in die Augen schauen und ihn berühren…

Versuchen Sie, Ihren Rückblick zu beten, kommen Sie darüber mit Gott ins Gespräch!

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