Andrea Scherer, Einfach ohne Schuhe

St.Martin. Dort hatte ich am Abend Gottesdienst mitgefeiert und mit den Pilgern zusam- men einen persönlichen Segen des Pfarrers erhalten, eine Kostbarkeit für meinen Weg. Die dritte Nacht schlief ich in dem Klassenzimmer einer Lehrerin, und ab der vierten Nacht hat-te ich die Witwe des Elija (1 Kön) gefunden, der Gott befohlen hatte, für Elija zu sorgen, was ich in den Exerzitien unserer Fortbildung im April dieses Jahres mehrere Tage aus einem Augenwinkel mitmeditiert hatte, als ich immer wieder Elija-Texte las. Diese Witwe wohnt nun in München und streckte mir am Ende eines Gottesdienstes in St. Martin ihre Visitenkarte und ihre Wohnungsschlüssel entgegen und lud mich für den Rest der Zeit in ihr Gästezimmer ein. Nun war die Zeit zwischen etwa 22 Uhr am Abend und morgens ca. 5.30 Uhr abgesichert. Ich prüfte kurz, ob das zu viel Absicherung war, aber Elija war bis ins dritte Jahr bei seiner Witwe geblieben. So beschloss auch ich zu bleiben, falls nichts ande-res vorfalle.
Nach fünf Tagen hörte der Regen auf und das Leben auf der Straße wurde leichter. Nach dem ersten warmen Abend lag der Englische Garten morgens voller Pfandflaschen wie die Wüste voller Manna. Nur musste ich vor 6 Uhr da sein, also bevor die Müllabfuhr und die professionellen Sammler kamen. Zum Hauptbahnhof ging ich nicht mehr, die professionel-len Sammler und die kriminellen und zwielichtigen Strukturen waren mir unheimlich ge-worden, weil ich plötzlich sah, wer hier nicht als Reisender war und dass die das von mir auch sahen.
Diese Regeln wollte ich nicht genauer kennenlernen. Auch bei Mac Donalds, wo ich, wenn es finanziell möglich war, einmal am Tag einen Kaffee für einen Euro trank, mein ganzer Luxus, fragte man mich nur am ersten Tag, ob ich sonst noch was wolle, ab dem zweiten gehörte ich zu den Stammgästen, denen man nur freundlich sagt, „Zucker und Milch sind rechts, bedienen Sie sich“. Welche Würde, Gast sein zu dürfen, einfach Kunde und nicht Bettler.
Am 5. Tag landete ein Rabe neben mir im Gras, der Rabe, der Elija Brot und Fleisch brach-te, er brachte mir einen wunderschönen roten Apfel , weil ich mich doch vegetarisch ernäh-re, erklärte mir eine Dame im Gottesdienst am nächsten Sonntag, Gott habe eben Humor. Ich erlebte Tage voller Freiheit, voller Dankbarkeit, voller Freude, Tage, in denen Gott alle Wege mit ging, Urlaub mit Gott.

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