2013 Exerzitien Passionszeit „Sei gegrüßt, Menschensohn“

Erster Impuls: (14. Februar 2013)

Als sie nun in die Nähe von Jerusalem kamen, nach Betfage an den Ölberg, sandte Jesus zwei Jünger voraus und sprach zu ihnen: Geht hin in das Dorf, das vor euch liegt, und gleich werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Füllen bei ihr; bindet sie los und führt sie zu mir! Und wenn euch jemand etwas sagen will, so sprecht: Der Herr bedarf ihrer. Sogleich wird er sie euch überlassen. Das geschah aber, damit erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten, der da spricht: „Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen, dem Jungen eines Lasttiers“. Matthäus 21,1-11

Die Jünger gingen hin und taten, wie Jesus ihnen befohlen hatte, und brachten die Eselin und das Füllen und legten ihre Kleider darauf, und er setzte sich darauf.. Aber eine sehr große Menge breitete ihre Kleider auf den Weg; andere hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. Die Menge aber, die ihm voranging und nachfolgte, schrie: Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe!
Jesus zieht in armen Gebärden in die Stadt ein – auf einem Esel. Er sitzt auf den alten Kleidern der Jünger wie auf einem Thron; Kleider der Menschen und grüne Zweige liegen auf seinem Weg – er schreitet auf dem Lasttier darüber. Sie grüssen ihn und rufen Hosianna: hilf doch, sieh doch, wie ich bin.
Was schleppe ich gerade mit mir herum, was lässt mich nicht los? Was bindet gerade meine Zeit und meine Gedanken? Womit mache ich mir und anderen vielleicht was vor? Womit verhülle ich mich? Wo will ich hin?

Sei gegrüßt, Menschensohn. Indem ich ihn grüsse, werde ich vieles abstreifen wie ein altes Kleid

Zweiter Impuls (21. Februar 2013)

Meine Sehnsucht/Jesus drängt in mir weiter – ich bleibe stehen
a)
Sofort nach dem Bekenntnis der Liebesbeziehung – Petrus nennt Jesus Messias, Sohn des lebendigen Gottes (Mt 16,16) – und der Antwort Jesu, macht Petrus Jesus Vorhaltungen (16,22).
b)
Nach dem Abendmahl kündigt Jesus den Verrat der Jüngern an (Mt 26,31).
Petrus erwidert ihm: Und wenn alle an dir Anstoß nehmen – ich niemals! Jesus entgegnet ihm: Amen, ich sage dir: In dieser Nacht, noch ehe der Hahn kräht, wirst Du mich dreimal verleugnen. Da sagte Petrus zu ihm: Und wenn ich mit dir sterben müsste – ich werde dich nie verleugnen. Das gleiche sagten auch alle anderen Jünger.
Wann nehmen ich Anstoß an dem Weg Jesu, der eine Anfrage an mein Leben ist?
Wie spüren ich die spontane kraftvolle Leugnung der inneren Beziehung, die Petrus ausspricht.
c) 
Wenig später bittet Jesus: Wachet und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet. Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.
d) 
Nach der Gefangennahme hat Petrus nicht mehr die Kraft, sich zu Jesus zu bekennen und leugnet ihn zu kennen.
Hinweis: 
Es ist gut langsam vorzugehen. Wer beim ersten Impuls noch Anstöße spürt, sollte dabei bleiben und erst später zum zweiten weiter gehen.

Dritter Impuls (28. Februar 2013)

Joh 13,4-15. 4 Er stand vom Mahl auf, legte sein Gewand ab und umgürtete sich mit einem Leinentuch. 5 Dann goss er Wasser in eine Schüssel und begann, den Jüngern die Füße zu waschen und mit dem Leinentuch abzutrocknen, mit dem er umgürtet war. 6 Als er zu Simon Petrus kam, sagte dieser zu ihm: Du, Herr, willst mir die Füße waschen? 7 Jesus antwortete ihm: Was ich tue, verstehst du jetzt noch nicht; doch später wirst du es begreifen. 8 Petrus entgegnete ihm: Niemals sollst du mir die Füße waschen! Jesus erwiderte ihm: Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir. 9 Da sagte Simon Petrus zu ihm: Herr, dann nicht nur meine Füße, sondern auch die Hände und das Haupt. 10 Jesus sagte zu ihm: Wer vom Bad kommt, ist ganz rein und braucht sich nur noch die Füße zu waschen. Auch ihr seid rein, aber nicht alle. 11 Er wusste nämlich, wer ihn verraten würde; darum sagte er: Ihr seid nicht alle rein. 12 Als er ihnen die Füße gewaschen, sein Gewand wieder angelegt und Platz genommen hatte, sagte er zu ihnen: Begreift ihr, was ich an euch getan habe? 13 Ihr sagt zu mir Meister und Herr und ihr nennt mich mit Recht so; denn ich bin es. 14 Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen. 15 Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.

Jesus übt einen Sklavendienst aus. Das muss für die Jünger schockierend gewesen sein, wie die Reaktion des Petrus zeigt. „Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt …“ Diese Geste ist wie ein Testament Jesu. „Die Könige herrschen über ihre Völker, und die Mächtigen lassen sich Wohltäter nennen. Bei euch soll es nicht so sein. Der Größte soll sein wie der Kleinste“ heißt es in der Parallelstelle bei Lukas (22,25). Jesus fordert die Jünger (und uns) auf, anders zu leben und die bestehende Wertordnung und Machtverhältnisse auf den Kopf zu stellen, im Kleinen wie im Großen.

Bin ich bereit, Jesus so nah an mich heran zu lassen? Wer braucht meinen Dienst? Wie ist mein Verhalten gegenüber mir unsympathischen und schwierigen Menschen? Entdecke ich bei mir Machtallüren? Wie verhalte ich mich in hierarchischen Strukturen?

Vierter Impuls: Jesus, mitten in seinem Volk

Im Kontakt mit Jesus treten wir ein in die andauernde Beziehung zu seinem Volk, seiner Gottessuche, -erkenntnis und mystischen Vertrautheit. Sich ihr anvertrauend lesen wir im zweiten Teil des Propheten Jesaja die Gottesknechtlieder (Jes 42,1-9; 49,1-3; 50,4-9; 52,13-53,12). Martin Buber übersetzt den Beginn des ersten Liedes „Die Erwählung“:
Mein Knecht hier / an dem ich halte / mein Erwählter / dem meine Seele gnadet, / auf ihn gebe ich meinen Geisthauch / den Weltstämmen führe er Recht hin //
Nicht schreit er / nicht erhebt / nicht lässt auf der Gasse seine Stimme er hören / ein geknicktes Rohr bricht er nicht / einen glimmenden Docht, den löscht er nicht ab //
Recht führt hinaus er in Treuen / Er selber verglimmt nicht / und knickt nicht ein / bis das Recht er setzte auf Erden / und seine Weisung die Ozeanküsten erwarten

Diese Übersetzung lädt zum Nachfragen bei anderen Übersetzungen von Jes 42,1-4 ein, auch wie Matthäus diese Verse wiedergibt (12,18ff). Im Fluss des Nachfragens treten wir langsam in die Meditation und das von Jesus eingeforderte Schweigen (V. 16) ein. Darin wird uns die Identität mit ihm und dem in der Geschichte bis heute wirksamen Geist Gottes anvertraut mitten in allen oft schmerzhaften Widerständen.

Angebot zwischendurch: Samstag 9.3.13 ein Tag Exerzitien auf der Straße.

Fünfter Impuls: (14.3.2013)

Mt 26,60-63: 60 Sie erreichten aber nichts, obwohl viele falsche Zeugen auftraten. Zuletzt kamen zwei Männer 61 und behaupteten: Er hat gesagt: Ich kann den Tempel Gottes niederreißen und in drei Tagen wieder aufbauen. 62 Da stand der Hohepriester auf und fragte Jesus: Willst du nichts sagen zu dem, was diese Leute gegen dich vorbringen? 63 Jesus aber schwieg.Mt 27,12-14: 12 Als aber die Hohenpriester und die Ältesten ihn anklagten, gab er keine Antwort. 13 Da sagte Pilatus zu ihm: Hörst du nicht, was sie dir alles vorwerfen? 14 Er aber antwortete ihm auf keine einzige Frage, sodass der Statthalter sehr verwundert war.
Jesus lässt sich nicht instrumentalisieren. Er bemüht sich nicht, den Hohen Rat und Pilatus gnädig zu stimmen oder einen „guten Eindruck“ zu machen. Er bleibt souverän.
Gab es Situationen, in denen ich besser geschwiegen hätte? Wozu müsste ich heute schweigen?
Wer ist Jesus für mich? Benutze ich ihn und seine Botschaft als Bestätigung für meine Vorurteile, Wünsche und Interessen oder lasse ich mich von ihm infrage stellen?

Sechster Impuls (21.März 2013)

Matthäus 27,27 -31 (dann das Kapitel bis zu Ende lesen): Da nahmen die Soldaten des Statthalters (Pilatus) Jesus mit sich in das Prätorium und sammelten die ganze Abteilung um ihn. Und zogen ihn aus und legten ihm einen Purpurmantel an und flochten eine Dornenkrone und setzten sie ihm aufs Haupt und beugten die Knie vor ihm und verspotteten ihn und sprachen: Gegrüßt seist du, der Juden König! Und spien ihn an und nahmen das Rohr und schlugen damit sein Haupt. Und als sie ihn verspottet hatten, zogen sie ihm den Mantel aus und zogen ihm seine Kleider an und führten ihn ab, um ihn zu kreuzigen. Als sie ihn aber gekreuzigt hatten verteilten sie seine Kleider und warfen das Los darum…
In der Bibel, die wir mit dem jüdischen Volk teilen, ist geschrieben, dass Gott nicht taub ist für das Leiden seines Volkes unter der Sklaverei des Todes in Ägypten. Er sucht Mose und ruft ihn mit seinem Namen aus einem Dornbusch, der brennt, doch in Gottes Gegenwart nicht verbrennt. Die jüdischen Ausleger der Schrift lehren: Gott Hat sich diesen Ort ausgesucht, um dich zu lehren, dass für Gott kein Ort auf Erden zu gering ist, um dort zu wohnen. Selbst dieser Dornbusch, vertrocknetes und verkümmertes Holz kann zum Ort der Gegenwart Gottes werden. Jesus wird von den römischen Soldaten als Jude für seine Liebe und sein Festhalten an Gott lächerlich gemacht und mit der Dornenkrone verhöhnt: Gegrüßet seist du, der Juden König! Die Soldaten und alle, die Jesus danach noch schmähen, dienen einer anderen Macht.

Jesu Haupt ist mit einer Dornenkrone gekrönt. Hier ist Gott: Er ruft uns aus der Knechtschaft des Egoismus in die Freiheit, aus der Angst unserer Herzen zum Licht, aus der Herrschaft des Todes zum Leben. „Salve caput cruentatum“ (sei gegrüßt, dornengekröntes Haupt) Nicht mit Schmäh sondern mit liebendem Gruß beginnen wir die Betrachtung des Dornengekrönten: Ihn sehen und von ihm Gesehenwerden gehören zusammen. Wir sehen die Wunden und wir sehen uns selbst und bitten um Rettung: „Erkenne mich, mein Hüter, mein Hirte, sieh mich an“.

Zwei Bilder aus dem diesjährigen Kreuzweg von Miserior:

Grablegung
2013-grablegungAuferstehung
2013-auferstehung

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