2016 Exerzitien „Einfach ohne“ Passion

1.Impuls: Du, Gott, hörst mir zu

„Die Apostel kamen zurck und erzählten Jesus alles, was sie getan hatten. Dann nahm er sie beiseite und zog sich in die Nähe der Stadt Betsaida zurck, um mit ihnen allein zu sein.(Lk 9,10)
Jesus hört den Jüngern zu, wie sie ihre Erfahrungen austauschen. Er geht dazu mit ihnen an einen ruhigen Ort. Viele Beispiele im Evangelium zeigen uns, wie Jesus auf Menschen zugeht, sie anhört und darauf reagiert. Auch in anderen Teilen der Bibel, besonders in den Psalmen machen Menschen die Erfahrung, dass Gott zuhört und reagiert. Еr neigte sich mir zu. Er höte mein Schreien und zog mich heraus aus der Grube des Grauens…
(Ps 40)
Auch in unserer Zeit machen Menschen solche Erfahrungen: Иch glaube, dass Gott kein zeitloses Fatum ist, sondern dass er auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet.(Dietrich Bonhoeffer)
Du, Gott, hörst auch mir zu, wenn ich mich bewusst in die Stille und in meinen Alltag begebe.

2. Impuls: Du, Gott, sprichst gut über mich

Im Zentrum der Macht wird Judas für den angekündigten Verrat eine größere Summe Geld versprochen. Zur gleichen Zeit ist Jesus im Haus des aussätzigen Simon, so berichtet Markus (14,3-9). Auch dort wird ein Konflikt zwischen Jesus und den Jüngern sichtbar. Sie sprechen über eine Frau schlecht, die mit Jesus im Kontakt ist.
Jesus „lockt“ sie in drei Schritten in die Achtung vor ihrem Handeln zurückzukehren:
1. Laßt sie doch in Ruhe! 2. Sie hat etwas Gutes getan. 3. Überall wird davon erzählt werden.
„Als Jesus in Betanien im Haus Simons des Aussätzigen bei Tisch war, kam eine Frau mit einem Alabastergefäß voll echtem, kostbarem Nardenöl, zerbrach es und goss das Öl über sein Haar. Einige aber wurden unwillig und sagten zueinander: Wozu diese Verschwendung? Man hätte das Öl um mehr als dreihundert Denare verkaufen und das Geld den Armen geben können. Und sie machten der Frau heftige Vorwürfe. Jesus aber sagte: Hört auf! Warum lasst ihr sie nicht in Ruhe? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. Denn die Armen habt ihr immer bei euch und ihr könnt ihnen Gutes tun, so oft ihr wollt; mich aber habt ihr nicht immer. Sie hat getan, was sie konnte. Sie hat im vor-aus meinen Leib für das Begräbnis gesalbt. Amen, ich sage euch: Überall auf der Welt, wo das Evangelium verkündet wird, wird man sich an sie erinnern und erzählen, was sie getan hat.“
Wie kehrt jede/r Einzelne von uns in die Achtung zurück?

3. Impuls: Du, Gott besuchst mich

„Zacharias, komm schnell herunter. Denn ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein. (Lk 19,5)

Zacharias wollte Jesus kennenlernen. Deshalb stieg er auf einen Baum. War es nur Neugier? Jetzt ist er überrascht, dass Jesus gerade ihn trotz seiner ausbeuterischen Vergangenheit besuchen will. Jesus hat bei Zachsaria eine tiefe Sehnsucht nach einem anderen Leben gespürt.
So wie Zachariarias hat Jesus viele andere Menschen besucht. Er will auch mich besuchen, trotz meiner Dunkelheiten, Zweifel und Halbheiten. Er will mich wie Zacharias ganz heil machen, mein Vertrauen und meine Würde stärken und mich mit neuem Leben erfüllen.
„Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten und wir werden Mahl halten, ich mit ihm/ihr und er/sie mit mir.(Offb 3,20)
Wir sind eingeladen, diesem Ruf zu folgen.

4. Impuls: Du, Jesus, gehst ein Stück mit mir

„Da ging Jesus mit ihm…“ (Mk 5,24)
Jairus setzt seine ganze Hoffnung auf Jesus und fleht ihn an: Komm und mach mein Kind gesund. Da geht Jesus mit ihm.
Dann ändert sich die Situation dramatisch: Das Kind ist tot. Es hat keinen Sinn mehr. Dennoch: Jesus geht mit ihm zurück den langen Weg der Verzweiflung.
Mit den Eltern und ganz wenig Vertrauten geht Jesus zum Ort des Todes. Sie dürfen erfahren, dass er der Weg ins Leben für das Kind ist. Und für sie selbst.
Jesus, du gehst mit mir, wenn ich dich darum bitte
Jesus, du gehst auch dann mit, wenn alles sinnlos erscheint
Jesus, du gehst auch dann mit, wenn ich dich am meisten brauche
Jesus, du selbst bist der Weg zum Leben

5. Impuls: Du, Christus, betest für mich

Und als sie kamen an die Stätte, die da heißt Schädelstätte, kreuzigten sie ihn dort und die Übeltäter mit ihm, einen zur Rechten und einen zur Linken. Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun! Und sie verteilten seine Kleider und warfen das Los darum. Und das Volk stand da und sah zu. Aber die Oberen spotteten und sprachen: Er hat anderen geholfen; er helfe sich selber, ist er der Christus, der Auserwählte Gottes. ..Aber einer der Übertäter, die am Kreuz hingen, lästerte ihn und sprach: Bist du nicht der Christus? Hilf dir selbst und uns! Lukas 23,33ff
Jesus stirbt am Kreuz. In seinem Sterben und Todeskampf erfährt er die letzte Brutalität, die letzte Entwürdigung, die einem Menschen widerfahren kann: nachdem die physische Vernichtung vollzogen wurde, geschieht nun die seelische Vernichtung, wie um das physische Töten noch einmal zu rechtfertigen: das ganze Leben, das Jesus gelebt hat, wird infrage gestellt, wird runtergemacht, lächerlich gemacht, für sinnlos erklärt: So ziehen alle nacheinander zum Kreuz: die Soldaten, Vertreter des Volkes, Passanten, Verbrecher, Zuschauer. Sie alle verhöhnen Jesus und machen ihn lächerlich, indem sie all sein Wirken, seine Worte, seine Taten, die Erweise seiner Liebe, seine ganze Präsenz, sein ganzes Leben infrage stellen: Das hat alles mit Gott nichts zu tun. Du bist nicht der, für den du dich ausgegeben hast – so ertönt es hochmütig. Wärst du der Auserwählte Gottes, müsstest du nicht sterben. Du bist doch nicht der, wenn du dem Tod nicht entkommst! Steig herab vom Kreuz! Hilf dir selbst und uns!
Jesus aber betet: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun! So tritt Jesus bei Gott für uns ein. Er gibt niemanden auf! Seine Demut, seine liebende Hingabe wird hier am Kreuz zum Gebet für uns: Seine Fürbitte reicht weit hinein in unsere erkannten und in unsere nicht erkannten, uns selber verborgenen Sünden und Dunkelheiten.
Da, wo wir unser Leben dahinleben und oft genug uns selber verborgen sind oder uns absichtlich vor uns selber verbergen, deckt er unsere hochmütigen Gedanken, unsere gleichgültigen Worte und Taten auf – und trägt sie; trägt sie in liebendem Gebet vor Gott hin: Vater, vergib ihnen. So bindet er uns an Gott.
Das Evangelium stellt uns die Frage: Und du, um was bittest du IHN?