2014 Exerzitien „Endlich ankommen“ Advent

Einladung zu den Exerzitien im Alltag zur Vorbereitung auf die Advents- und Weihnachtszeit vom 20. November bis 18. Dezember 2014
mit Christian Herwartz SJ, Jutta Becker und Reinhard Herbolte

Endlich ankommen
20.11. In die Wahrnehmung kommen
27.11. Ins Eigene kommen
4.11. In die Freiheit kommen
11.12. In die Einheit finden
18.12. Menschwerdung beherbergen

Advents- und Weihnachtszeit laden uns ein, der Ankunft Gottes in unser Leben nachzuspüren: Einüben ins Hören, in die Stille zu kommen, Abhängigkeiten wahrnehmen, Ballast abwerfen, die eigene innere Sehnsucht entdecken, Spuren Gottes erkennen, …
Voraussetzung zur Teilnahme ist, sich mehrere Wochen lang auf diesen Weg einzulassen: tägliche Meditation und Teilnahme an den wöchentlichen Gruppentreffen mit Reflexion der gemachten Erfahrungen. Außerdem wird angeboten, an einem Samstag einige Stunden „auf die Straße zu gehen“ und anschließend die Erfahrungen gemeinsam zu reflektieren.

!. Impuls Heilende Räume – heilige Räume
Psalmen können eine Brücke sein zwischen Nacht und Tag, zwischen damals und heute, von Betenden aus unterschiedlichen Zeiten, Orten, Lebenssituationen und religiösen Traditionen – Juden und Christen – zu uns heutigen Menschen. Menschen bringen ihre Lebenssituationen – freudige und schmerzhafte – mit Worten aus den Psalmen zum Ausdruck. Und auch wenn wir nicht mehr leben werden, so wird auch nach uns mit diesen Worten gebetet werden.
Psalm 31
2: Bei dir, Herr, habe ich Zuflucht gefunden. Lass mich nie in Schande geraten! Erweise mir deine Treue und rette mich! 8: Voller Freude juble ich über deine Gnade: Du kennst mein Elend, kümmerst dich um meine Nöte, die so schwer auf meiner Seele liegen. 9: Du hast mich nicht in die Hand meiner Feinde gegeben, weiten Raum hast du vor mir geschaffen.     (Martin Luther übersetzt: Du stellst meine Füße auf weiten Raum)

Welche Person aus der Bibel – aus dem ersten oder zweiten Testament, Mann oder Frau oder Kind könnte mit diesen Worten gebetet haben? In welcher Situation?
– Wann in Deinem Leben waren Dir diese Worte nah?

2. Impuls: Ins Eigene kommen

Lukas 4,3-9 und 14-20 Jesus sprach: Hört zu! Siehe, es ging ein Sämann aus, zu säen. Und es begab sich, indem er sagte, dass einiges auf den Weg fiel; da kamen die Vögel und fraßen’s auf. Einiges fiel auf felsigen Boden, wo es nicht viel Erde hatte, und ging alsbald auf, weil es keine tiefe Erde hatte. Als nun die Sonne aufging, verwelkte es, und weil es keine Wurzel hatte, verdorrte es. Und einiges fiel unter die Dornen, und die Dornen wuchsen empor und erstickten’s , und es brachte keine Frucht. Und einiges fiel auf gutes Land, ging auf und wuchs und brachte Frucht, und einiges trug dreißigfach, einiges sechzigfach und einiges hundertfach. Und er sprach: Wer Ohren hat, zu hören, der höre! …Versteht ihr dies Gleichnis nicht?

Der Sämann sät das Wort. Das aber sind die auf dem Wege: wenn das Wort gesät wird und sie es gehört haben, kommt sogleich der Böse (Durcheinanderbringer) und nimmt das Wort weg, das in sie gesät war. Desgleichen auch die, bei denen auf felsigen Boden gesät ist: wenn sie das Wort gehört haben, nehmen sie es sogleich mit Freuden auf, aber sie haben keine Wurzel in sich, sondern sind wetterwendisch; wenn sich Bedrängnis oder Verfolgung um des Wortes willen erhebt, so fallen sie sogleich ab. Und andere sind die, bei denen unter die Dornen gesät ist: die hören das Wort, und die Sorgen der Welt und der betrügerische Reichtum und die Gier nach allem andern dringen ein und ersticken das Wort, und es bleibt ohne Frucht. Diese aber sind’s, bei denen auf gutes Land gesät ist: die hören das Wort und nehmen’s an und bringen Frucht, einige dreißigfach und einige sechzigfach und einige hundertfach.

Unser Inneres, unser Herz ist dieser 4-fache Boden: Wegesrand, Fels, dornige Steppe, Ackerland. Betrachte diese Böden – welcher gleicht Dir zur Zeit? Welche Wortsamen möchtest Du bewahren?

3. Impuls In die Freiheit kommen
Text des Impulses Biblischer Bezug: Gal 5,1.13

4. Impuls Die Einheit in mir, mit anderen und Gott finden

Hindus grüßen sich gegenseitig: „Das Göttliche in mir grüßt das Göttliche in Dir!“ Damit benennen sie die Einheit unter uns Menschen, die wir als Geschöpfe Gottes haben. Wir wurden jede/r mit seiner Würde ausgestattet.
Als Christen können wir sagen: „Christus in mir grüßt Christus in Dir.“
Paulus führt uns im 1. Brief an die Korinther (Kapitel 13) aus, wie die göttliche Liebe, der Kern unserer Würde, uns den sorgsamen Umgang mit der/m Anderen lehrt. Wir können uns ihr anvertrauen:

…Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf.
Sie handelt nicht ungehörig, sucht nicht ihren Vorteil, läßt sich nicht zum Zorn reizen, trägt das Böse nicht nach.
Sie freut sich nicht über das Unrecht, sondern freut sich an der Wahrheit……“

5. Impuls Menschwerdung beherbergen Den Gruß hören

Lukas 1,26ff … Und im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott gesandt in eine Stadt in Galiläa, die heißt Nazareth, zu einer Jungfrau….und die Jungfrau hieß Maria. Und der Engel kam zu ihr hinein und sprach: Sei gegrüßt, du Begnadete! Der Herr ist mit dir! Sie aber er­schrak über die Rede und dachte: welch ein Gruß ist das? Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria, du hast Gnade bei Gott gefunden. …

Maria aber sprach: Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast. Und der Engel schied von ihr.
Der Engel Gabriel fordert nicht, kritisiert nicht, diskutiert nicht, sondern grüßt!
Ein Gruß ist vollkommen gewaltlos: Sei gegrüßt, Schalom, Heil, Friede sei mit dir. Wer grüßt, stellt den anderen in das Licht Gottes: Du bist gemeint. Gott kennt dich mit Namen.
Du bist begnadet. Gott begegnet dir treu, zuverlässig, voller Liebe und Zartheit
Du bist mit Gott verbunden: der Herr ist mit dir
Wer so gegrüßt wird, ist freundlich angesehen, der gerät ins Licht!
Der Engel kam zu Maria hinein. Wo ist der innerste Ort eines Menschen? Unser innerster Ort, wo wir Gottes Gruß hören?
Maria erschrak , war verwirrt über diesen Gruß des Gottesboten. Sollte Gott so weit gehen und mich meinen? – ganz?
Maria läßt die Geburt zu und legt das Kind, das den Namen Jesus (das heißt “Gott rettet”) trägt und auch Immanuel (das heißt “Gott ist mit uns”) genannt wird, in eine Krippe.
In Maria erkennen sich Menschen durch alle Zeiten hindurch wieder: Die Krippe wird zum Bild für unser Innerstes, in das der “Gott mit uns” hineingeboren wird, damit wir ihn hören: Du bist gemeint, Gott kennt dich mit Namen. Du bist begnadet, Du bist in Gott verbunden.
Kann ich das zulassen? Sollte Gott mich meinen? Kann ich mein Leben auf dieses Gottesgeheimnis gründen?
Vielleicht wird dann auch mein Gruß, mit dem ich andere Menschen grüße, ganz gewaltlos: Sei gegrüßt, Friede sei mit dir ! So stelle ich den anderen Menschen ins Licht Gottes.

1.Ich steh an deiner Krippen hier, o Jesu, du mein Leben; ich komme, bring und schenke dir, was du mir hast gegeben. Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn, Herz, Seel und Mut, nimm alles hin und laß dir’s wohlgefallen.
2. Da ich noch nicht geboren war, da bist du mir geboren und hast mich dir zu eigen gar, eh ich dich kannt, erkoren. Eh ich durch deine Hand gemacht, da hst du schon bei dir bedacht, wie du mein wolltest werden.
9. Eins aber, hoff ich, wirst dul mir, mein Heiland, nicht versagen: daß ich dich möge für und für in, bei und an mir tragen. So laß mich doch dein Kripplein sein; komm, komm und lege bei mir ein dich und all deine Freuden.
Text: Paul Gerhardt (1653) Evangelisches Gesangbuch Nr 37

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