2014 Exerzitien Den Unmut sterben lassen Passion

1. Impuls: Veronika sieht das Leid Jesu

Als Jesus zur Hinrichtung geführt wurde, „folgte eine Menschenmenge, darunter auch Frauen, die um ihn klagten und weinten.“ (Lk 23;27)

Einer außerbiblischen Überlieferung nach, gehörte Veronika zu ihnen. Sie ist aufs innerste erregt, als sie sieht, wie Jesus behandelt wird. Sie möchte etwas tun, ist gelähmt und hin- und hergerissen zwischen der Angst vor den Soldaten und dem Drang, Jesus beizustehen. Sie gibt sich einen Ruck und überwindet ihre Blockade. Sie stürzt auf Jesus zu und drückt ihm ein Tuch ins Gesicht, um das Blut und den Dreckschweiß abzuwischen. Mehr geht nicht: eine kleine Geste nur, die Mut erfordert. Ein Zeichen der Freundschaft zu einem, der verachtet wird, ein Zeichen, das ausdrückt: Das darf nicht sein!
Das Unrecht sehen und nicht wegschauen. Eine kleine Geste für einen Menschen in Not ist eine Botschaft für Menschenwürde, kann aber auch unangenehme Folgen wie Gerede und Verdächtigungen nach sich ziehen.
Sehe ich richtig, was in meiner Umgebung, in meinem Leben vor sich geht? Was verdränge ich? Wie gehe ich mit Angst um?
Wie Veronika bemühe ich mich, Leid und Ungerechtigkeit zu sehen und darauf zu reagieren.

Zweiter Impuls: Judas kündigt die Gemeinschaft mit Jesus auf
Lukas 22,47und 48: Als Jesus aber noch redete, siehe, da kam eine Schar; und einer von den Zwölfen, der mit dem Namen Judas, ging vor ihnen her und nahte sich Jesus, um ihn zu küssen. Jesus aber sprach zu ihm:
Judas, verrätst du den Menschensohn mit einem Kuss?
-Judas, der Jünger Jesu, kündigt die Gemeinschaft mit Jesus auf: Er liefert den Menschensohn der Macht der Gewalttäter aus.
-Judas tut das mit einem Kuss. (In der hebräischen Sprache haben Kuss und Waffe denselben Wortstamm)
Der Kuss als Ausdruck innigster Zuwendung wird hier zur Fassade vor tiefste Abwehr. Unter der Maske der Freundschaft verbirgt sich Feindschaft.
-Judas gibt Jesus preis indem er ihn an die Häscher verrät. Er nimmt seinen Tod in Kauf.
+Verrat ist Gewalt, denn er zerstört die Beziehung zum nächsten Menschen
+Verrat ist Gewalt, denn ganz egoistisch, selbstherrlich leugnet er die Würde dessen, der verraten wird
-Judas, der Jünger Jesu zerstört das Band, das ihn mit dem Menschensohn Jesus verbindet. Sein Verrat ist nicht nur Gewalt gegen Jesus sondern auch Gewalt gegen sich selber.
Warum tut er das? Wogegen tauscht er die Gemeinschaft mit dem Menschensohn ein? Welchen „Gewinn“ erzielt er dadurch?
-Geld? (30 Silberlinge) – Lob, Anerkennung durch die Häscher? – Autonomie, Selbstgewinn? – Leidfreiheit?
Wer ist Judas ohne Jesus?
Warum kann er Jesus nicht vorbehaltlos bejahen?
Kenne ich auch Momente des Verrats in meinem Leben?

Dritter Impuls: Ins Handeln geführt werden

Lukas 23,26: Auf dem Weg zur Hinrichtungsstätte begegnete ihnen Simon, der gerade vom Feld kam. Er stammte aus Kyrene in Nordafrika. Ihn zwangen die Soldaten, mitzugehen und für Jesus das Kreuz zu tragen.

Jesus begegnet auf seinem Lebensweg, dieser Straße, die er selbst ist (Jo 14,6 ), in Simon von Zyrene DEM „zufällig“, dem der aus Liebe handelt, ja selbst Liebe und kein Zufall ist. Er nimmt Jesus das Kreuz ab, unter dem er schon auf dem Weg zu sterben droht. Diese erste Kreuzesabnahme setzt sich in der Bergung des Leichnams in die Arme seiner Mutter fort.
In der Mitte der Begegnungen mit seiner Mutter und mit Veronika steht die erzwungene Begegnung mit Simon. In ihr wird der Atem Gottes, die greifbare Einheit mit ihm, erfahrbar. Wie wir es auch kennen, wenn wir dem Leben in uns und unseren Nächsten nicht ausweichen. Er wandelt unsern Blick: Zufälle werden zu richtungsweisenden Fügungen. Das Gebet Jesu: „Nimm diesen Kelch von mir!“ (Lk 22,42) ist im Handeln von Simon erhört worden – ohne die Menschwerdung Jesu zu relativieren. Auch unser Leben bleibt mitten im Handeln Gottes autonom.

Vierter Impuls: Jesus fällt unter dem Kreuz

Jesaja 42, 1 – 3: Siehe, das ist mein Knecht – ich halte ihn- und mein Auserwählter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat. Ich habe ihm meinen Geist gegeben; er wird das Recht unter die Heiden bringen. Er wird nicht schreien noch rufen, und seine Stimme wird man nicht hören auf den Gassen. Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.
Auf dem Weg nach Golgatha fällt Jesus dreimal unter dem Kreuz. Die Brutalität der Menschen, Qual und Bedrängnis ringen ihn nieder. Dreimal sinkt er nieder. Aber er zerbricht nicht. Dreimal richtet er sich wieder auf unter dem Kreuz. Aber er verlöscht nicht. Sein Erdenweg ist noch nicht zu Ende, sein Leben ist noch nicht am Ziel. Jesus trägt das Kreuz bis ans Ziel.
Woher kommt ihm die Kraft, aufzustehen? Woher die Kraft, das Eigene, das Auferlegte zu Ende zu bringen auch wenn kein Mensch mehr da ist, der helfen kann ?
Menschen tun einander Schlimmes an – nehmen in Kauf, einen anderen zu zerbrechen oder auszulöschen. Nicht aber tut Gott so! So hat es uns sein Knecht Jesus in seinem ganzen Leben gezeigt: Das geknickte Rohr zerbricht er nicht und den glimmenden Docht löscht er nicht aus. Er lässt wahrlich den Unmut immer wieder sterben – bis zum Ziel.
Worin besteht die Kraft, das Eigene, das Auferlegte zu Ende zu bringen?
Worin besteht die Kraft, die Momente eigener Erschöpfung, eigenen Unmutes zu überwinden? Was hilft mir auf?
Worin besteht die Kraft in Momenten großer Ohnmacht beim Anblick furchtbar leidender Menschen?

5. Impuls: Jesus wird ins Grab gelegt

Josef kaufte ein Leinentuch, nahm Jesus vom Kreuz, wickelte ihn in das Tuch und legte ihn in ein Grab, das in einem Felsen gehauen war .Dann wälzte er einen Stein vor den Eingang des Grabes. Maria aus Magdala aber und Maria, die Mutter des Joses, beobachteten, wohin der Leichnam gelegt wurde. (Mk.15,46 und 47)

Alle Freunde Jesu sind geflüchtet, sie sind enttäuscht, ihr Traum ist aus. Nur zwei Frauen sind geblieben. Sie sitzen dem Grab gegenüber, als wollten sie ihren Schmerz verdauen. Mit traurigen Herzen nehmen sie das Geschehen in ihr Inneres und warten und wachen.(Anselm Grün)
Auf dem Foto des Misereor-Kreuzweges ist es ein junger Mann, der traurig an der Grabstätte sitzt, für die er noch die letzten Steine aufrichtet. Er schaut den Beobachter fragend an. Vor ihm wächst ein kleines Pflänzchen mitten in den Steinen, ein Zeichen des Lebens., wo doch alles zuende zu gehen scheint.
Bei den Frauen und dem jungen Mann bewirkt die Erinnerung Wachsamkeit und Offenheit für Neues.
Auch wir benötigen in Enttäuschungen, im Scheitern, nach zerstörten Perspektiven Wachsamkeit und Offenheit, um die kleinen Zeichen des Lebens , wahrzunehmen, damit wir den Unmut sterben lassen und neue Kraft schöpfen können.
Sehe ich in Krisenzeiten die kleinen Zeichen, die mir Mut und Hoffnung geben können?
Bin ich ein Hoffnungszeichen für andere, deren Lebensmut bedroht oder zerbrochen ist?
Das Bild mit den leeren Händen lädt ein, das Jetzt gewaltlos zu ergreifen.

2013-auferstehung

Sechster Impuls: Ins Bleiben gehen

Auf dem Berg des Durchblicks, der Verklärung Jesu, will Petrus bleiben und spontan drei Hütten bauen. (Mt 17,4)
Doch Jesus
bleibt im Willen Gottes (17,19f) und wird nach Jerusalem geführt.
Auf dem Ölberg
bittet er die Jünger zu bleiben und mit ihm zu wachen. (Mt 26,38) Mit der Verhaftung beginnt für Jesus ein neues Zulassens und Annehmen des Willens Gottes. Die Jünger zerstreuen sich.
Im Tod am Kreuz und der Auferstehung wird Jesu Leben zu einem
Bleiben. Die Jünger kehren in die Gemeinschaft zurück und erleben seinen Frieden.

Noch in derselben Stunde brachen die beiden Jünger in Emmaus auf und kehrten nach Jerusalem zurück. Sie fanden die Elf und die anderen Jünger versammelt. Diese sagten: Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen. Da erzählten auch sie, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach. Während sie noch darüber redeten, trat er selbst in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! (Lk 24,33-36)

Das Bild mit den leeren Händen lädt ein, das Jetzt gewaltlos zu ergreifen.

2013-auferstehung

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