2014 Den Unmut sterben lassen Passion

Zweiter Impuls: Judas kündigt die Gemeinschaft mit Jesus auf

Lukas 22,47und 48: Als Jesus aber noch redete, siehe, da kam eine Schar; und einer von den Zwölfen, der mit dem Namen Judas, ging vor ihnen her und nahte sich Jesus, um ihn zu küssen. Jesus aber sprach zu ihm:

Judas, verrätst du den Menschensohn mit einem Kuss?

-Judas, der Jünger Jesu, kündigt die Gemeinschaft mit Jesus auf: Er liefert den Menschensohn der Macht der Gewalttäter aus.

-Judas tut das mit einem Kuss. (In der hebräischen Sprache haben Kuss und Waffe denselben Wortstamm)

Der Kuss als Ausdruck innigster Zuwendung wird hier zur Fassade vor tiefste Abwehr. Unter der Maske der Freundschaft verbirgt sich Feindschaft.

-Judas gibt Jesus preis indem er ihn an die Häscher verrät. Er nimmt seinen Tod in Kauf.

+Verrat ist Gewalt, denn er zerstört die Beziehung zum nächsten Menschen

+Verrat ist Gewalt, denn ganz egoistisch, selbstherrlich leugnet er die Würde dessen, der verraten wird

-Judas, der Jünger Jesu zerstört das Band, das ihn mit dem Menschensohn Jesus verbindet. Sein Verrat ist nicht nur Gewalt gegen Jesus sondern auch Gewalt gegen sich selber.

Warum tut er das? Wogegen tauscht er die Gemeinschaft mit dem Menschensohn ein? Welchen „Gewinn“ erzielt er dadurch?

-Geld? (30 Silberlinge) – Lob, Anerkennung durch die Häscher? – Autonomie, Selbstgewinn? – Leidfreiheit?

Wer ist Judas ohne Jesus?

Warum kann er Jesus nicht vorbehaltlos bejahen?

Kenne ich auch Momente des Verrats in meinem Leben?

Dritter Impuls: Ins Handeln geführt werden

Lukas 23,26: Auf dem Weg zur Hinrichtungsstätte begegnete ihnen Simon, der gerade vom Feld kam. Er stammte aus Kyrene in Nordafrika. Ihn zwangen die Soldaten, mitzugehen und für Jesus das Kreuz zu tragen.

Jesus begegnet auf seinem Lebensweg, dieser Straße, die er selbst ist (Jo 14,6 ), in Simon von Zyrene DEM „zufällig“, dem der aus Liebe handelt, ja selbst Liebe und kein Zufall ist. Er nimmt Jesus das Kreuz ab, unter dem er schon auf dem Weg zu sterben droht. Diese erste Kreuzesabnahme setzt sich in der Bergung des Leichnams in die Arme seiner Mutter fort.

In der Mitte der Begegnungen mit seiner Mutter und mit Veronika steht die erzwungene Begegnung mit Simon. In ihr wird der Atem Gottes, die greifbare Einheit mit ihm, erfahrbar. Wie wir es auch kennen, wenn wir dem Leben in uns und unseren Nächsten nicht ausweichen. Er wandelt unsern Blick: Zufälle werden zu richtungsweisenden Fügungen. Das Gebet Jesu: „Nimm diesen Kelch von mir!“ (Lk 22,42) ist im Handeln von Simon erhört worden – ohne die Menschwerdung Jesu zu relativieren. Auch unser Leben bleibt mitten im Handeln Gottes autonom.