2013 Exerzitien Advent Impulse

1. Impuls „Schuhe ausziehen“ 

Als Hilfestellung am Anfang der Übungen in den Respekt vor der Anwesenheit Gottes unter uns zu finden, stellten wir die Person von Martin von Tours in den Mittelpunkt, der sich kompromisslos mit dem Frierenden vereinigte und seinen Mantel in zwei gleiche Teile schnitt. Mit diesem egalitären Verhalten trat er in die Botschaft Jesu ein. Entschiedener als es einem barmherzigen Handeln möglich ist. Jesus begegnet Martin später bekleidet mit seinem halben Mantel. Diese Zeichen wird Martin zur Aufforderung sich taufen zu lassen und später den Kriegsdienst zu verweigern. Diese Fahnenflucht wurde akzeptiert als er vorschlug sich im Vertrauen auf Gott bei der nächsten Schlacht waffenlos vor das Heer zu stellen. Das gegnerische Heer ergab sich vor dem Zusammentreffen und Martin war frei.

Dieser Schritt in die Gewaltlosigkeit und das Vertrauen liegt in der Aufforderung:
Die Schuhe (wie Mose vor dem nicht verbrennenden Dornbusch Ex 3) auszuziehen.

Das Fest des Hl. Martin ist am 11. 11.: Beginn der Morgenimpulse von Christian auf den Berlin/Brandenburger Sendern siehe unter https://nacktesohlen.wordpress.com/ Stichwort: Buchtitel. Dort findet sich auch der Artikel „Engagiert die Gleichheit mit dem Nächsten leben“ Stichwort Männer Gottes/Leseprobe.

2. Impuls „Den Gruß hören“ 

Lukas 1,26ff Und im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott gesandt in eine Stadt in Galiläa, die heißt Nazareth, zu einer Jungfrau….und die Jungfrau hieß Maria. Und der Engel kam zu ihr hinein und sprach: Sei gegrüßt, du Begnadete! Der Herr ist mit dir! Sie aber erschrak über die Rede und dachte: welch ein Gruß ist das? Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria, du hast Gnade bei Gott gefunden. Siehe, du wirst schwanger werden….. Da sprach Maria zu dem Engel: Wie soll das zugehen…..
Der Engel antwortete: bei Gott ist kein Ding unmöglich. Maria aber sprach: Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast. Und der Engel schied von ihr.

Schon im 2.Buch Mose, Kap.3, Vers 12 spricht Gott zu Mose, der sich selber so klein fühlt, dass er gar nicht glauben kann, dass Gott sich für ihn interessiert: „Ich will mit dir sein“
Maria wird gegrüßt: Du Begnadete (Du Beschenkte) : Gott ist mit dir! Sie erschrickt und beginnt ein inneres Gespräch.
Dass Gott mit uns ist, muß uns gesagt werden. Maria hört durch das Botenwort, das in sie hineingeht; sie wird gewahr: Gott meint mich. Sie muß durch Erschrecken, Zweifel hindurch, bis sie sagen kann: mir geschehe, wie du gesagt hast.
Was bringt mich dazu, darauf zu vertrauen, dass Gott in meinem Innersten wohnen will? Grüßt er mich? Kann ich sein Wort hören? Wie wird mir Seine Gegenwart bewußt?
Von welchen Menschen werde ich freundlich gegrüßt – was geschieht da mit mir?

3. ImpulsMit dem Herzen hören

Die Exerzitien sind eine Übung, hören zu lernen und wahrzunehmen, was tiefer liegt. Wir hören viele Stimmen z. B. im Radio, Fernsehen, in der Werbung, bei Alltagsgesprächen. Viele Meldungen und Informationen nehmen uns in Beschlag, stumpfen uns ab und verhindern, dass wir tiefer liegende Botschaften, Impulse und Anrufe für unser Leben, unseren weiteren Weg erkennen. „Wahre die innere Stille“ heißt es in der Regel von Taizé. Wir können in der Stille bei der Meditation üben, mit dem Herzen zu hören aber auch, wenn wir auf der Straße gehen, oder in der U-Bahn sitzen …. Bei den Tagen auf der Straße in den vergangenen Exerzitien haben viele von uns Dinge wahrgenommen und Anrufe gespürt, die sie normalerweise übersehen hätten. Gott spricht zu uns oft sehr unaufdringlich, wir benötigen offene Ohren und Herzen.

Josef, der Vater Jesu, ist ein gutes Vorbild. Von ihm ist in der Bibel wenig die Rede, aber er ist sensibel für wesentliche Anrufe Gottes. Es heißt dann, dass er im Traum einen Hinweis bekommt (Lk 1;20 und 2;13.19.22). Er kann loslassen und bricht sofort auf, lässt sich auf einen Prozess ein. Er nimmt seine Verantwortung für sein Kind sehr ernst. Trotz der großen Alltagssorgen, ist seine Wahrnehmung für tiefere Anrufe nicht blockiert.

In der kommenden Woche wollen wir uns bemühen, achtsam zu sein, mit dem Herzen zu hören und Überraschungen und „ Störungen“ ernst nehmen:
Was sehe und höre ich, auch wenn ich eilig bin und viele Termine habe?
Wie gehe ich mit dem um, was ich erfahre und spüre?
Nehme ich mir Zeit für Stille und zum „Verdauen“ und Nachspüren?

4. ImpulsAndern begegnen 

Wir sind zwar wie Maria als einzelne von Gott gerufen, aber nicht für uns privat, sondern als Teil einer Gemeinschaft, des Volkes Gottes. Unser Glück, unsere Freude, aber auch Leiden, Krisen, Enttäuschungen müssen wir nicht allein mit uns herumtragen. Wir haben GefährtInnen, FreundInnen, BegleiterInnen. Wir können uns mitteilen, stärken und trösten. Durch Begegnungen wachsen wir, erhalten wir neue Impulse und Klarheiten, werden wir bestärkt und getragen.

Als Maria von ihrer Erwählung erfuhr, hatte sie den Drang, dies Elisabeth mitzuteilen (Lk 1,39-56). Sie ging zu ihr hin. Diese Begegnung wurde ein Feuerwerk des Heiligen Geistes. Beide hatten etwas mitzuteilen. Maria erfuhr, dass auch Elisabeth schwanger war und einen Auftrag hatte. Beide Frauen teilten sich voll Freude ihr neues Glück mit und sie spürten die Nähe Gottes. Beide Frauen blieben nicht bei sich, sondern nahmen alle in den Blick, die Kleinen, Vergessenen und Ausgegrenzten. Maria kündete eine neue Zeit an, in der alle auf Augenhöhe gleich sind, in der Gerechtigkeit möglich sein wird. Begegnung im Sinne Gottes schafft neue Perspektiven, lässt Neues entstehen, gibt Kraft zum Aufbruch.

Mit wem und wie teile ich meine Freuden, Sorgen und Probleme?
Wie können wir Begegnungen gestalten, dass sie Brücken möglich machen, Horizonte erweitern, neue Möglichkeiten schaffen, Freude und Hoffnung auslösen und nicht Cliquenbildung und Abgrenzung bewirken?
Öffnen wir uns neuen Impulsen und Visionen aus Begegnungen und Treffen wie Maria und setzen wir unsere Kräfte dafür ein?

5. Impuls „Auf, lasst uns hinübergehen nach Bethlehem“ 

Auf, lasst uns hinübergehen nach Bethlehem – transeamus usque Bethlehem

Lukas 2,8ff Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen……..(13-14)……. Und als die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Auf, lasst uns hinübergehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat.

Dass Gott mit uns ist, muss uns gesagt werden. Wahr wird es für uns erst, wenn wir das Wort nicht nur hören, sondern mit unserem Leben darauf reagieren. Die Hirten tauschen sich über das unerhört Gehörte untereinander aus – und sie gehen miteinander los- sie gehen hinüber nach Bethlehem, sie überschreiten, sie durchschreiten ihren eigenen Abgrund – und erst dann finden sie in Bethlehem das Zeichen: Ein Kind in Windeln. Mehr nicht, aber auch nicht weniger als ihr menschliches, himmlisches Leben selber. Manchmal ist der Weg nach Bethlehem sehr lang – wir brauchen Geschwister, die mit uns gehen- doch wir werden finden, was uns zugesagt ist: Freude darüber, dass wir mit diesem Kind gemeint sind.

There’s a crack in everything and that’s how the light gets in“ (Leonard Cohen) Alles hat Brüche- und genau dies sind die Stellen, an denen das Licht hineinfällt!

Kann man noch schöner sagen, was der Himmel ist?

Da, wo wir wie die Hirten am Rande sind, wo manches nicht mehr stimmt in unserem Leben, wo wir ins Wanken geraten, genau da können wir Gottes liebende Sehnsucht nach uns hören- und darauf antworten und hinübergehen nach Bethlehem. Da werden wir staunend empfangen.

6. Impuls „Flucht ist kein Verbrechen“ 

Es ist ein großes Geheimnis im Leben Jesu und auch in unserem, wann wir berechtigt und wann wir unberechtigt Problemen ausweichen. Eine allgemeine Antwort oder Beschuldigung trifft nicht. Sie ist unserem Gewissen vorbehalten.
Flucht kann zur Pflicht werden, wenn sie wie hier dem Schutz anvertrauten Lebens gilt. Aber auch in dieser klaren Situation bleibt die Angst vor der Rückkehr in der Heimat. Sie wird noch heftiger, wenn eigene Schuld vorliegt. Jede/r, der im Streit geht, muss wieder durch dieselbe Tür zurückkommen.
Jesus geht am Ende seines Lebens zurück nach Jerusalem in die lebensbedrohliche Gefahr. Das Geheimnis dieses Entschlusses liegt in seinem Gewissen, dass ihn in Verbindung mit dem Vater sein lässt.

Die Flucht nach Ägypten und die Rückkehr nach Galiläa Mt 2,13-23
13 Als die Sterndeuter wieder gegangen waren, erschien dem Josef im Traum ein Engel des Herrn und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter, und flieh nach Ägypten; dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten. 14 Da stand Josef in der Nacht auf und floh mit dem Kind und dessen Mutter nach Ägypten. 15 Dort blieb er bis zum Tod des Herodes.

19 Als Herodes gestorben war, erschien dem Josef in Ägypten ein Engel des Herrn im Traum 20und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und zieh in das Land Israel; denn die Leute, die dem Kind nach dem Leben getrachtet haben, sind tot. 21 Da stand er auf und zog mit dem Kind und dessen Mutter in das Land Israel. 22 Als er aber hörte, dass in Judäa Archelaus an Stelle seines Vaters Herodes regierte, fürchtete er sich, dorthin zu gehen. Und weil er im Traum einen Befehl erhalten hatte, zog er in das Gebiet von Galiläa 23 und ließ sich in einer Stadt namens Nazaret nieder. …