2012 Exerzitien Advent

Erster Impuls (15.11.2012)

Lk 4,1-4: „Erfüllt vom Heiligen Geist, verließ Jesus die Jordangegend. Darauf führte ihn der Geist vierzig Tage lang in der Wüste umher, und dabei wurde Jesus vom Teufel in Versuchung geführt. Die ganze Zeit über aß er nichts; als aber die vierzig Tage vorüber waren, hatte er Hunger. Da sagte der Teufel zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiel diesem Stein, zu Brot zu werden. Jesus antwortete ihm: In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht nur vom Brot.“
Was sollte ich weglassen, um hungrig nach dem zu werden, was mich über das Brot hinaus sättigt? Essen, TV, PC, Handy, … ?
Was entdecke ich mit diesem Mangel, das über das Brot hinaus sättigt?

Zweiter Impuls (22.11.2012)

Lk 4,5-8: Und der Teufel führte ihn hinauf und zeigte ihm alle Reiche des Erdkreises in einem Augen­blick. Und der Teufel sprach: „Dir werde ich diese ihre ganze Macht und Herr­lichkeit geben; denn mir ist sie übergeben, und wem ich will, dem gebe ich sie. Wenn du nun anbetend vor mir niederfällst, soll sie ganz dir gehören.“ Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: „Es steht ge­schrieben: Den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten, und ihm alleine dienen.“
Wie reagiere ich auf Neigungen in mir nach Prestige, Ansehen, Konsum, Aner­ken­nung? Bin ich neidisch auf andere? Was stärkt mich in einem einfachen, soli­darisch­en Lebensstil? Wie kann ich Gebet und Anbetung Gottes als Kraftquelle in meinem Alltag gestalten?

Dritter Impuls (29.11.2012)

Lk 4, 9-12 (9) Und der Teufel führte ihn nach Jerusalem und stellte ihn auf die Zinne des Tempels und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so wirf dich von hier hinunter; (10) denn es steht ge­schrie­ben (Psalm 91,11u.12):“Er wird seinen Engeln deinetwegen befehlen, dass sie dich bewahren. (11) Und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.“ (12) Jesus antwortete und sprach zu ihm: Es ist gesagt (5.Mose 6,16):
„Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.“

Versuchen, das bedeutet: herausfordern, prüfen, auf die Probe stellen, in Zweifel ziehen….
Der Teufel will Jesus dazu herausfordern, seinen Gott auf die Probe zu stellen („beweise dir selber, dass du dich wirklich auf deinen Gott verlassen kannst; fordere Ihn heraus, damit Er dir seine Macht zeigt, stell Seine Treue einmal auf die Probe……“)
Ich bin Gottes Kind. Kann ich Gott vertrauen oder brauche ich einen persönlichen Beweis, dass Gott vertrauenswürdig ist? Wann ziehe ich Gott in Zweifel? („ich kann nur glauben, wenn ich……/…wenn Gott……“) Was erwarte ich von Gott? Was will ich von Gott?
Was geschieht, wenn ich diese herausfordernden Fragen einmal umdrehe?
Was erwartet Gott von mir? Was will Gott von mir?

Vierter Impuls (6.12.2012)

Elisabeth von Thüringen(1207 –1231) hatte schon als Kind ein großes Gespür für Gerechtigkeit und Menschenwürde. Als junge Frau streikte sie z.B. oft bei großen Festen auf der Wartburg. Sie aß nichts und sammelte am Ende des Essens alles Übriggebliebene in große Körbe. Sie sagte dann, dass sie es denen zurückbringen würde, denen es gehört, nämlich den verarmten Bauern im Tal. Wegen ihrer Haltung wurde sie gehasst und gedemütigt. Ihre Kraft erhielt sie durch eine tiefe Verbindung zu Jesus, gerade in seinem Leiden, aber auch durch ihre Liebe zu Ludwig, ihrem Mann.. Nach dessen Tod wurde sie enterbt und musste mit ihren Kindern bettelarm die Burg verlassen. Jetzt kümmerte sie sich, oft unverstanden, um Arme und Schwerstkranke. Sie starb mit 24 Jahren. Von ihr sind einige Leitsätze überliefert:
„Seht, ich habe immer gesagt, man muss die Menschen froh machen!“
„Ich bin nicht zornig auf jene, die mich verleugnen und verachten, denn Gott ist meine ganze Liebe.“
„Wie kann ich eine Krone tragen, wenn der Herr eine Dornenkrone trägt?“
Wie kann ich andere froh machen, wenn es mir nicht gut geht und Leute mir Steine in den Weg legen?
Ist die Verbindung zu Gott, zu Jesus Christus für mich eine Quelle der Liebe, aus der ich Kraft schöpfen kann?

Fünfter Impuls (13.12.2012)

Eines Tages … begegnete Martin mitten im Winter … am Stadttor von Amiens einem nackten Bettler. Dieser flehte die Vorbeigehenden an, sich seiner zu erbarmen. Aber alle gingen an dem Elenden vorbei. Da er­kannte der von Gott erfüllte Mann, dass jener ihm vorbehalten war, da die anderen keine Barmherzigkeit übten. Was aber sollte er tun? … Entschlossen zog er also das Schwert … teilte den Mantel mitten entzwei, gab einen Teil davon dem Armen und legte den anderen wieder an. Einige lachten … Viele aber, die bei besserem Verstand waren, seufzten tief, weil sie nichts dergleichen getan hatten, obwohl sie durchaus mehr besaßen und den Armen hätten bekleiden können, ohne sich zu entblößen. In der darauffolgenden Nacht nun sah Martin im Schlaf Christus mit dem Teil seines Mantels angetan. … Martin beeilte sich, als er 18 Jahre alt war, die Taufe zu empfangen. Sulpicius Severus, Das Leben des heiligen Martin (im Todesjahr 397 verfasst) Nr. 3 Reclam
Wie kann ich von dem Verhalten anderer wegsehen und die eigenen Möglichkeiten entdecken? Und darüber die Gleichheit mit dem Bruder oder der Schwester entdecken? Sind diese einfachen Begegnungen Anlass für entscheidende Lebenswenden geworden?

Sechster Impuls (20.12.2012)

Lk 1,28 Und der Engel ging zu ihr (Maria) hinein und sprach: sei gegrüßt, du Begnadete! Der Herr ist mit dir!…..
Lk 1, 39-45 (39) Maria aber machte sich auf in diesen Tagen und ging eilends in das Gebirge zu einer Stadt in Juda. (40) und kam in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth. (41) Und es begab sich, als Elisa­beth den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leibe. Und Elisabeth wurde vom heiligen Geist erfüllt (42) und rief laut und sprach: Gepriesen bist du unter den Frauen und gepriesen ist die Frucht deines Leib­es! (43) Und wie geschieht mir das, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? (44) Denn siehe, als ich die Stimme deines Grußes hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leibe. (45) Und selig bist du, die du geglaubt hast! Denn es wird vollendet werden, was dir gesagt ist vom Herrn.
Elisabeth hat sich seit Beginn ihrer Schwangerschaft 5 Monate zu Hause verborgen gehalten, sie ist in die Stille gegangen – im Hören auf sich, auf ihr Leben, auf Gott.
Maria aber trägt mit Beginn ihrer Schwangerschaft den noch verborgenen Christus sofort auf einen weiten Weg – hin zu der im Verborgenen lebenden Elisabeth. Elisabeth gewährt Gastfreundschaft, lässt Maria eintreten.
So willkommen kann Maria den Gruß des Engels weitersagen: sie begrüßt Elisabeth Du bist gemeint, sei gegrüßt, auch du begnadet.
Beide tragen ihr Kind noch unter dem Herzen, sie wissen noch nicht, wie die Zukunft wird, aber durch den Gruß geraten beide Frauen in eine vollkommene Gleichheit, in eine vollkommene Übereinstimmung: durch die Freude – Gott wird vollenden, was er gesprochen hat.
„Solange es niemanden gibt, der unser Geschenk empfangen möchte, werden wir nicht glauben, dass wir überhaupt etwas zu geben haben.“ (Henri Nouwen)

Austausch jeweils donnerstags um 19.30 Uhr: Mich der Führung Gottes überlassen. Auf welche Hindernisse bin ich gestoßen? Was will ich ändern? Was macht mir Mut, weiter nach der Lebensquelle zu suchen?
Angebot: Samstag den 1. und 15. Dezember ein Tag Exerzitien auf der Straße für etwa 5 Stunden