Marita Lersner, Sollt ich meinem Gott nicht singen

Diese Welt ist nur zum Staunen:
Bäume und der Esel Ruf.
Auch die Blätter wollens raunen,
wer dies alles hier erschuf.
Auch der Strauss trotz seiner Dummheit
Überlebt viel tausend Jahr.
Ebenso gibt’s hier und da
Alle die Fehler in der Schönheit,
dass der Schmerz zum Himmel schreit –
Gott und Mensch zu großem Leid.

Und doch steht die Fenster offen
Zwischen Leben und dem Tod.
Es gibt guten Grund zu hoffen.
Dass der Tod uns nicht bedroht.
Lasst uns nur das Leben lieben:
Spielen, lachen und verliern,
Menschen nur mit Blick berührn
Und durch Mauern gehen üben.
Unsre Sinne reichen weit,
Manchmal bis zur Ewigkeit.

Lasst uns lieben aus dem Vollen
Mit dem Herz, Sinn und Verstand,
auch mal mit vertauschten Rollen,
Macht und Ohnmacht Hand in Hand.
Wie der Narr uns daran freuen,
dass die Menschen menschlich sind.
Bleiben sie doch Gottes Kind.
Gott will Menschsein nicht bereuen.
Wie der Baum mit seinem Kleid:
Uns umarmt Barmherzigkeit.

Marita Lersner (Liedtext)
Sollt ich meinem Gott nichts singen (Melodie EGB 325)
Winterthur, Exerzitien 2012