Unsere Sehnsucht führt uns weiter

Hinter unserem Ärger liegt die Sehnsucht, dass es anders sein soll. Und davon gibt es eine Geschichte, die sehr drastisch ist. In der Genesis im 16. Kapitel. Sarai, Abrahams Frau und Abraham kommen überein, dass sie eine Ersatzmutter anstellen, damit sie das Kind bekommen, dass ihnen von Gott verheißen ist. Das ist ein Vertrauensbruch, enormerweise. Und die Folge ist, dass die Frau, die da ausersehen worden ist, eine Ägyptische Magt, Hagar heißt sie, in Schwierigkeiten gekommen ist. Denn als sie dann schwanger ist, wird sie schlecht behandelt. Und es muss so schlimm gewesen sein, dass sier in die Wüste gegangen ist, wo sie gar keine Überlebenschancen hat. Und in der Wüste geht sie und geht, bis sie an einem Bunnen sitzen bleibt und nicht mehr weiter kann. Da wird sie angesprochen und sie wird gefragt: Woher kommst Du und wohin gehst Du. Und sie sagt ganz ehrlich: Ich bin meiner Herrin davon gelaufen. Da sagt das Gegenüber, der in der Bibel als Engel bezeichnet wird: Geh zurück zu Deiner Herrin und ertrage ihre hrte Behandlung !

Aber er gibt ihr auch eine Verheißung mit. „Deine Nachlkommen will ich so zahlreich machen, dass man sie nicht zählen kann“

Ihr wird gesagt, dass sie einen Sohn bekommen wird, den sie ISMAIL „Gott hört“ ennen soll.

Denn der Herr hat auf Dich gehört in Deinem Leid.

Das muss ein wilder Typ sein, der da geboren wird !

Daraufhin nennt Sarai Gott ELROI „Gott, der nach mir schaut“. Sie sagt nämlich „Habe ich hier nicht nach dem geschaut, der nach mir schaut“ ?

Das ist, glaube ich, der erste Name Gottes, der in der Bibel auftaucht.

Frage Stephan: Ist das nicht ein Tabubruch, hätte sie das eigentlich gedurft, nach der jüdischen Gesetzgebung ? – Christian: Eigentlich ist das nicht vorgesehen. Und dann auch noch eine ägyptische Frau, führt den ersten Namen Gottes in der Bibel ein.

Sie nennt dann den Brunnen an dem sie sitzt „Brunnen des Lebendigen, der nach mir schaut“.

Da liegt also hinter diesem Ärger und der Verzweiflung eben diese Verheißung der Erfahrung dass nach ihr geschaut wird. Und mit dieser Verheißung kann sie dann zurückkehren und das Kind austragen. Stephan: Das ist ja auch eine Vergebungsgeschichte. Sie muss ja auch der Sarai sehr vergeben, um da überhaupt zurückkehren zu können. Christian: Das Thema wird nicht aufgegriffen. Stephan: das ist das was bei mir als erstes kommt, dieser Stolz, den sie da überwinden muss, um zurückzugehen Christian: Das ist richtig, das glaube ich auch, dass sie den überwinden muss, es wird halt nicht gesagt. Aber erst mal ist diese Antwort des Engels doch unverschämt. Geh zurück. Lass Dich weiter quälen…., aber das ist eben nicht die einzige Antwort…., ihr wird gesagt, dass sie einen Sohn, der ein ganzes Volk werden wird, gebähren wird…. Also, dass ist eine riesen Verheißung. Aus dem Unrecht, dass Dir angetan wurde, werde ich etwas Gutes hervorgehen lassen…. Ja, dahinter steckt der Rat: Hör auf Deine Verzweiflung und guck dahinter, was Du eigentlich für eiune Sehnsucht hast…. Das ist zum Beispiel für die Frauen….., dass es trotz der Untersrückung etwas gibt…. Oder mitten in der Unterdrückung können sie entdecken, also auf was sie ihre Sehnsuch gerichtet… sehen/sind….also hier ist es die, dass nach ihr gesehgen wird
Es gibt ein zweites Beispiel. Das steht ein paar Kapitel später in der Exodusgeschichte, wo die Sehnsucht von einem Mann dargestellt wird: nämlich von Mose, das ist in Exodus 2, da steht, dass Mose, der ja ein politischer Flüchtling ist, und der angenommen wird…, der sich nicht assimiliert in dem Gastvolk, dass er heiratet und die Frau einen Sohn gebiert… und den nennt er GERSCHUM „Gast in der Fremde“, also „Gast in einem Fremden Land“…und da wird so diese Sehnsucht deutlich, dass er immer noich unterwegs ist, seine Heimat zu suchen, oder sein Heimatvolk, von dem er weg laufen musste, weil er einen Ägypter erschlagen hatte. Und dieser Sehnsucht, der vertraut er sich an. Mit dem Namen, den er seinem Sohn gibt ? Ja, aber diese Sehnsucht lässt ihn als 80jährigen Mann über die Grenze gehen. Im dritten Kapitel, also ein paar Verse später steht: Mose weidete die Schafe und Ziegen seines Schwiegervaters. Eines Tages führte er die Herden über die Steppen hinaus und kam zum Gottesberg Horem. Das ist nicht professionell… als Schafhirt in die Wüste zu gehen, wo kein Futter ist und wo auch kein Wasser ist.
Er geht über diese Grenze…. Und das ist der Schritt in die Exerzitien: Aus meinem Bereich, den ich kenne, in dem ich auch durch Vorurteile, mich orientieren kann, wo die Aufmerksamkeit nicht so hoch sein muss…. Über diese Grenze zu gehen… und prompt sieht er etwas, was die Einheimischen gar nicht sehen können: Er sieht einen Dornbusch, der brennt, aber nicht verbrennt ! Einmal ist klar, dass das gar nicht geht, aber zum zweiten, dass die Leute in der Wüste, dieses Geschehen schon so oft gesehen haben, dass sie gar nicht mehr groß hin schauen….. Und er schaut hin ! Warum brennt dieser Dornbusch und verbrennt doch nicht…, das fragt er sich ! jetzt kommt der nächste Schritt: Dass er neugierig wird und hin geht. Dass ist die Aufforderung zu Straßenexerzitien. Zu Gehen ! Und irgendwo auf seinem Weg wird er angesprochen mit seinem Namen und er fühlt sich angesprochen. Und er antwortete: Hier bin ich ! Das wird bei den Straßenexerzitien nicht soo plastisch jedes mal passieren, aber es wird passieren, dass wir merken: Hier ist etwas, wo ich aufmerksam werden muss. Das kann vor einem Gefängnis sein, oder vor einem Grafitti an der Hauswand oder auch in einem Gespräch mit einem Menschen auf der Straße.

Und da spürt er: Komm nicht näher heran ! Leg Deine Schuhe ab, denn hier ist Heiliger Boden ! Heiliger Boden heißt: Sei Aufmerksam, was jetzt passiert. Dir wird eine Antwort gegeben. Und er zieht die Schuhe aus !

Also, es geht um das ERrkennen des Alltäglichen…., dass es für mich im Alltäglichen (Dornbüsche brennen nun mal in der Wüste) etwas zu entdecken gibt, wenn ich hinschaue.

Ja, und es muss nichts großes sein. Es muss das sein, was mich anspricht. Deshalb finden wir diese Orte gar nicht nur mit unserem Kopf, sondern wir merken nur: Da ist etwas, was in meinem Leben offen ist und was noch eine Antwort braucht. Und er legt diese Distanz zur Wirklichkeit ab, das sind ja die Schuhe… und die sind bei jedem ein bisschen anders. Der eine hat mehr hochhackige Schuhe, … und guckt auf die Landschaft runter…. Der andere hat Turnschuhe an, mit denen er immer in Konflikten weg läuft, also das sind verschiedene Schuhe die er ausziehen muss ? … die er ausziehen muss !
Der nächste Schritt in der Geschichte ist der, dass Gott sich vorstellt, als der Gott seiner Väter…daraufhin bekommt Mose Angst ! Er verhüllt sein Angesicht, er fürchtet sich…, das kann uns auch passieren…., dass wir vor einer Babyklappe stehen und hingucken und Angst kriegen, dass wir sie verbauen, dass das Kind dass da rein gelegt werden sollte, gar nicht darein gelegt werden kann… es geht also um einen richtigen Abstand…

Es wird dann weiter gesagt, dass Gott die Not seines Volkes gesehen hat. Also auf diesem Heiligen Boden müssen wir nicht Gott überreden unsere Not zu sehen…, die ist schon gesehen. Und wir können los lassen. Nicht nur die Schuhe, sondern auch unser Herz öffnen, für das was jetzt passiert.
Und es passiert in diesem Falle, dass er einen Auftrag kriegt, der unglaublich ist: Nämlich, dass er sein Volk befreien soll ! Als wenn Gott nicht wüsste, dass er da weg laufen musste, weil er da jemanden erschlagen hat.

Er bekommt diesen Auftrag und fragt Gott: Wer bist Du denn eigentlich, wie heißt Du denn ? Und da kommt das, was eigentlich für die Menschwerdung von jedem Menschen von uns wichtig ist: Er kriegt den Namen gesagt: Ich bin der ICH BIN DA ! Das ist ein Name Gottes, richtig ! Aber es ist natürlich auch ein Name für uns Menschen, dass wir in diese Aufmerksamkeit, in diese Gegenwart, in dieses Jetzt…uns los lassen und nicht immer wieder daran vorbei laufen und in den Zielen für morgen hängen bleiben oder in der Aufarbeitung von gestern…, sonder wirklich ICH BIN DA sagen. Jetzt und morgen wieder. Und darum geht’s auch in den Straßenexerzitien. Im Prinzip einfach da zu sein, auf der Straße zu sein und wahrzunehmen Deshalb ist dies so eine zentrale Geschichte, die es in wenigen Sätzen auf den Punkt bringt.

Ein weiterer Artikel in Jesuiten 2016/1 2016-christian-herwartz-der-eigenen-sehnsucht-folgen