Straßenexerzitien

Das Wort Exerzitien (Latein: üben) wird für Geistliche Übungen benutzt. Das Wort Straße steht für die dazu notwendige Offenheit, da wir im Gegensatz zur Wohnung, die wir abschließen können, auf der Straße jedem begegnen können. Außerdem wird von den Predigten Jesu weitgehend berichtet, dass sie in dieser Öffentlichkeit gehalten wurden und Jesus charakterisiert sich als Jemanden, der nicht weiß, wo er nachts seinen Kopf hinlegen kann. Beschreibt er sich da nicht als Obdachlosen? Seine Identität umschreibt er mit den drei Worten: Weg/Straße, Wahrheit und Leben.

Exerzitien auf der Straße Webseite

Cover Im Alltag der Straße Gottes Spuren suchen Josef Freise (Hg.)
Christian Herwartz (Hg.)
Maria Jans-Wenstrup (Hg.)
Katharina Prinz (Hg.)
Elisabeth Tollkötter (Hg.)Im Alltag der Straße Gottes Spuren suchenPersönliche Begegnungen in Straßenexerzitien

1. Auflage 2016
kartoniert / 12,3×19,0 cm / 176 Seiten
ISBN 978-3-7615-6270-3
Neukirchener Aussaat


Jesuitenpater Christian Herwartz lebt seit über 35 Jahren in einer offenen Wohngemeinschaft in Berlin-Kreuzberg, hat jahrzehntelang als Arbeiterpriester in Fabriken gearbeitet und ist überzeugt, dass Spiritualität und gesellschaftliches Engagement zusammengehören.

In diesem Band beschreiben er und viele andere Autoren und Autorinnen ihre sehr persönlichen Erfahrungen bei Exerzitien auf der Straße.

Sich auf fremde Orte und Menschen sowie überraschende Erfahrungen einzulassen, gehört bei dieser Form der „geistlichen Übungen“ dazu. Eine Frage lautet: Wer will mir heute begegnen? Von diesen Begegnungen mit einer alten türkischen Frau, einem fünfjährigen Mädchen und einem Obdachlosen erzählen die Teilnehmer genauso wie von berührenden Einsichten unter der Brücke. Von dem, was sie als Mensch, Christ verändert hat, wie Gott ihr Herz traf. Geistliche und biblische Reflexionen zu den verschiedenen Etappen der Straßenexerzitien runden diesen Band ab und können eigene Straßenexerzitien anleiten.

Rezensionen

Ein wundervolles Buch und wohl die gegenwärtig beste Lektüre zum Thema weltzugewandter Spiritualität. Die vielen sehr persönlich erzählten Erfahrungen laden ein, das eigene Leben in einem … » weiterlesen

Quelle: P. Christoph Albrecht SJ, Jesuiten Flüchtlingsdienst Schweiz

 

Vom Gastgeber zur Geisel des Anderen

Susanne Szemerédy
Vom Gastgeber zur Geisel des Anderen

Religiöse Erfahrung bei Exerzitien auf der Straße

Während Exerzitien im Alltag inzwischen weitgehend bekannt sind, stellen Exerzitien auf der Straße ein neues, anspruchsvolles Setting für religiöse Erfahrung dar. Die Autorin legt die erste umfassende Darstellung dieser Exerzitienform mittels einer empirisch-deskriptiven und philosophisch deutenden Untersuchung vor. Deskriptionen von Erfahrungen mit dieser Exerzitienform werden in den Kontext einer religionssoziologischen Gegenwartsanalyse gestellt und aus bildungstheoretischer Perspektive werden Herausforderungen an die religiöse Erwachsenenbildung formuliert. Mit der Philosophie von Emmanuel Lévinas findet die Autorin einen Interpretationsrahmen, der die Weite einer offenen Religiosität und die Unaussprechlichkeit bzw. die Indirektheit der Gotteserfahrung sichert und zudem für die Exerzitienbegleitung ein Kriterium anbietet, das hilft, zwischen der spirituellen und psychologischen Ebene zu unterscheiden.

Nach dem Studium der Sozialen Arbeit, der Philosophie und der Erwachsenenpädagogik arbeitet Susanne Szemerédy derzeit als Bewährungshelferin in München.

Reihe: Münchner Studien zur Erwachsenenbildung, Band 8, 2013, broschiert, 360 Seiten, €34.90
ISBN: 978-3-643-11681-9

Kommentar von Christian Herwartz:

Susanne Szemerédy hat an ihrer Doktorarbeit über die Philosophie von Emmanuel Lévinas gesessen und sich als gelernte Sozialarbeiterin gefragt, wo sie diese Philosophie praktisch überprüfen kann. 2003 kam sie mit dieser Frage zu Exerzitien auf der Straße in Fribourg/Schweiz. Mit den Notizen aus diesen 10 Tagen, die im Buch nachzulesen sind, macht sie deutlich, dass sie nicht über die Exerzitien auf der Straße schreibt, sondern in einen dialogischen Prozess getreten ist. In den folgenden Jahren hat sie auch Exerzitienkurse mit begleitet und ist in ihren Beruf zurückgekehrt.

Ihre Arbeit ist auch für diejenigen gut lesbar, der die philosophische Fachsprache nicht verstehen. Nur im ersten Kapitel musste sie in der Abgrenzung von anderen philosophischen Fragestellungen nachweisen, welchem Forschungsgegenstand sie sich zuwenden wollte. Auch wenn es nicht so schwer ist, die Arbeit ohne all die Fußnoten zu lesen, würde ich mich über ein populärer gehaltenes Buch mit den Ergebnissen freuen.

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Das Spirituelle Zentrum St. Martin in München besteht im Januar 2014 zehn Jahre bestehen. Aus diesem Anlass ist ein Buch geplant, das wohl unter

Andreas Ebert (Hg.), schweigen – reden – handeln: 10 Jahre Spirituelles Zentrum St. martin…

zu finden ist. Seit acht Jahren finden hier regelmäßig Kurse Exerzitien auf der Straße statt. Der Beitrag zu diesem Thema lautet: Gottesdienst mit der Straße.

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Link zum Echter-Verlag

In diesem Bändchen wird vor allem die überraschende Entstehungsgeschichte dieser Exerzitienform erzählt und eine kurze Einführung festgehalten.

Christian Herwartz, Auf nackten Sohlen – Exerzitien auf der Straße,
Ignatianische Impulse 18, Echterverlag 2006

In diesem Band sind die Impulse eines 10tägigen Exerzitienkurses aufgezeichnet in etwa 40 kurzen Texten, die auch für eine tägliche Schriftlesung im Alltag genutzt werden können.

Christian Herwartz, Brennende Gegenwart – Exerzitien auf der Straße, Ignatianische Impulse 51, Echterverlag Würzburg 2011

Mit den Erfahrungen der Straßenexerzitien wird der Kreuzweg Jesu nachgegangen.

Christian Herwartz, Weg der Liebe Gottes unter uns, 72 Seiten, Würzburg 2011

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