xxx Gott mit Berliner Schnauze

Neulich in Berlin-Lichtenberg
Es ist spät am Abend und ich sitze in der Küche einer befreundeten Familie. Wir trinken Wein und rauchen eine Zigarette. Mir gegenüber sitzt Jens, ein Bär von einem Mann, tätowiert. Eigentlich könnte man etwas Angst bekommen vor ihm. Doch seine Stimme, seine Berliner Schnauze und seine sanften blauen Augen machen ihn einfach sympathisch.
Es ist schön mit ihm über Gott und die Welt zu reden. Wir sind so verschieden, zumindest auf den ersten Blick. Er erzählt mir über sein Leben früher, stellt Fragen zu meinem Leben und zu meinem Glauben.
Boxer, Gefängnis, harter Kerl – das habe ich mir gemerkt. Es war wohl nicht immer einfach in seinem Leben, um genau zu sein war es manchmal richtig beschissen. So zumindest mein Gefühl.
„Ey Mannu (genau so spricht er es aus und ich mag das), sag mal, kannst du wirklich an Gott glauben? Es passiert so viel Scheiße. Warum lässt er das zu? Ich würde auch gerne an ihn glauben, kann es aber nicht.“ Ich versuche es ihm zu erklären und von meinem Glauben zu erzählen, freier Wille des Menschen, bla bla. Es kommt nicht an und ich merke auch, dass es leeres Geschwätz von mir war. Dann versuche ich es mit dem mitleidenden Gott, Jesus am Kreuz, bleibt dort, leidet, hält aus. Auch das kommt irgendwie nicht an. Jens erklärt mir, mit Tränen in den Augen, wie sehr er seinen Sohn liebt und dass er alles für ihn tun würde, an seiner Stelle leiden. Das geht mir irgendwie sehr tief rein. Ich muss in dem Moment auch weinen. Dann erklärt mir dieser große gestandene Kerl, dass Gott mit ihm wohl gar nichts zu tun haben möchte. Er hätte so viel Scheiße gebaut, da kann Gott jemanden nicht mehr wollen. Ich war so sehr berührt von dieser Offenheit und dieser Ehrlichkeit.
Wie überheblich von mir immer anzunehmen, dass Gott mich über alles liebt und mir gar keine Gedanken mehr zu machen.
Ich könnte Jens jetzt viel erzählen, von wegen Gott nimmt alle an, jeder darf kommen … Doch leere Worte. Da muss ein Gefühl dazukommen.
Viel lerne ich an diesem Abend. Wie sehr ein Vater sein Kind liebt, wie sehr Gott mich wohl liebt. Warum Jesus für mich am Kreuz starb („Ich würde alles für mein Kind tun, an seiner Stelle leiden.“). Worte reichen nicht, das Gefühl ist wichtig. Gott ist mir begegnet in einem Menschen, der ihn sucht. Die Gewissheit, dass Gott einem Suchenden viel näher ist, als einem der glaubt schon alles gefunden zu haben.
Und das Wichtigste: Menschen die sich auf mich einlassen obwohl wir ganz anders sind, sind eines der größten Geschenke.