Reisetagebuch – Missionsreise Berlin

Missionsreise Berlin - Elke Klein, Pater Weniger, Carolin Schulz

Vom 4. bis 10. November 2013 besuchten Elke Klein, Personalreferentin der Steyler Bank, und Carolin Schulz, Referentin für Vertriebssteuerung, Berlin, um dort die pastorale Arbeit der Steyler zu erleben.

Tag 1
Nach einem verspäteten Abflug (Maschinenwechsel wegen Triebwerkschaden) kamen wir mit 40 Minuten Verspätung in Berlin an. Die Weiterfahrt nach Heilig-Geist verlief problemlos. Wir wurden direkt von Pater weniger mit Kaffee empfangen. Nach dem Zimmerbezug und Koffer auspacken ging es direkt weiter mit S- und U-Bahn in das 22 km entfernte Biesdorf zu den Steyler Schwestern. Gott sei Dank in Begleitung von Pater Weniger, denn wir merkten recht schnell dass wir dieser großen Stadt mit all Ihren Bahnverbindungen nicht gewachsen waren.
Ein weiteres Problem gab es bei der Ankunft am Haus der Schwestern, denn es war trotz Verabredung niemand da. Eigentlich wollten wir die Schwestern abholen, um dann mit Ihnen beim Italiener zu Abend zu essen. Da wir aber auf unserem Hinweg an einem Italiener vorbeikamen, haben wir überlegt dort einmal nachzuschauen, ob die Schwestern vielleicht dort sind, ja und so war es dann auch.
Es war ein sehr informativer, aber auch geselliger Abend, den wir mit den 4 Steyler Schwestern und Pater Weniger verbrachten. Nach dem Essen ging es weiter zur Suppenküche und Notunterkunft bei Herz-Jesu in Pankow. Leider waren wir zu spät, alle schliefen schon. Ab 21 Uhr ist strikte Nachtruhe.
Ja, und so sind wir jetzt auch dank Pater Weniger wieder heil bei den Steyler Missionaren angekommen und freuen uns auf’s Bett und die nächsten Erlebnisse. Wir werden weiter berichten.
Tag 2
Nach einer kurzen Nacht waren wir pünktlich beim Frühstück, um rechtzeitig beim Kindergarten Heilig Geist zu sein. Ja, und dann lernten wir beim Frühstück Pater Madro, seit 2 Monaten Pfarrer von Heilig Geist, kennen. Über seine spannenden Berichte seiner Tätigkeit kamen wir dann prompt zum Kindergarten zu spät und verpassten leider den Morgenimpuls.
Die Leiterin der Kita freute sich sehr, uns über Ihre Arbeit und die gute Zusammenarbeit mit den Steyler Missionaren zu berichten. Für uns ganz spannend zu erfahren, dass die Steyler Missionare einen Kindergarten haben und was für einen… einfach klasse … Ein absoluter Vorbildkindergarten!
Nach einer Führung durch den Kindergarten und Einblick in die Arbeit der einzelnen Gruppen, wie z.B. Turnen und musikalische Früherziehung waren wir entgegen unseren Erwartungen sehr erstaunt, dass es bei einer Horde von knapp 60 Kindern so ruhig und diszipliniert zuging. Ja, und schon war es Zeit sich zu verabschieden, denn der nächste Termin wartete schon.
Mit dem Bus machen wir beide uns auf den Weg durch das Berliner Großstadtgetümmel und kamen rechtzeitig um 16 Uhr bei der Citystation der Berliner Stadtmission an. Hier können seit 1975 Menschen ohne Wohnung, eine warme Mahlzeit, alkoholfreie Getränke, Kleidung sowie Seelsorge und soziale Beratung erhalten. Es besteht sogar die Möglichkeit zu duschen und Wäsche zu waschen.
An 2 Tagen in der Woche können die Menschen ohne Wohnung auch dort übernachten. An diesen Tagen wird eine heiße Suppe und warme Getränke gereicht und ab 22 Uhr ist dann strikte Nachtruhe bis zum Frühstück. Danach muss das Gebäude verlassen werden.
Erstaunlich ist, dass zurzeit täglich bis zu 130 Menschen das Angebot nutzen. Es gibt viele Stammgäste. Betreut wird das ganze von 3 Sozialarbeitern/innen und 30 ehrenamtlichen Helfern. Das Projekt finanziert sich rein durch Spenden. Nach einem sehr freundlichen Empfang und einer ausführlichen Einführung in die tägliche Arbeit begangen wir mit unserem Dienst hinter der Theke und verteilten Essen und Getränke.
Ganz geheuer war uns das am Anfang nicht. Wir fühlten uns ein bisschen wie Falschgeld und von allen Seiten beobachtet. Die anfängliche Scheu war jedoch schnell behoben und wir wurden schnell im Team aufgenommen. Zu hören, warum der ein oder andere dieses Ehrenamt ausführt und welche Beweggründe dahinterstecken, war schon interessant. Genauso interessant war zu hören, dass gerade unter den Stammgästen Leute sind, die eine kleine Wohnung haben, aber nicht genug Geld zum Essen und trinken.
Die Nationalität und das Alter waren kunterbunt. Mit den verschiedensten Krankheitsbildern wurden wir ebenfalls konfrontiert, z.B. HIV, Depressionen sowie Alkohol- und Drogenabhängigkeit. Was uns sehr beruhigte, war, dass zwei der ehrenamtlichen Helfer als Türsteher fungierten, denn einige Gäste haben Hausverbot wegen aggressiven Verhalten gegenüber Mitarbeitern und anderen Gästen.
Dienstende 21 Uhr, auf zum Bus, Rückkehr bei den Steylern 21.45 Uhr, Tagebuch schreiben und hoffen, dass wir heute mal vor 1 Uhr im Bett sind, denn morgen wird es wieder ein anstrengender Tag.
Während wir über unseren Berichten sitzen, kehren Pater Weniger und Pater Madro von einer Veranstaltung zurück und somit werden erst die Erlebnisse des Tages ausgetauscht und Pläne für den morgigen Tag geschmiedet und dann gab es noch eine Führung durchs ganze Haus, einschließlich Keller, teilweise ohne Beleuchtung (sehr abenteuerlich).
Im Keller befinden sich die Vorratsräume und die Küche. Hier wird noch selber Obst gepflückt, eingemacht und auch Marmelade gekocht. Ja, und so waren es schon wieder 00:12 Uhr und wir sind ins Bett gefallen und konnten endlich auch unseren Füßen Ruhe gönnen.

Tag 3

Nach einer erneut sehr kurzen Nacht hatten wir heute Vormittag einen Termin bei den nah gelegenen „rosa“ Anbetungsschwestern. Wir waren schon sehr gespannt, was uns hier erwarten würde, denn aus Erzählungen und Berichten wussten wir, dass Sie in strenger Abgeschiedenheit hinter Gittern leben und ihr Leben ein einziges Gespräch mit und zu Gott ist.
Hier wurden wir jedoch sehr freundlich empfangen und in eines der Besprechungszimmer gebeten. Schwester Oberin empfing uns hier sehr freundlich und gab uns zur Begrüßung die Hand durch das Gitter. Zunächst interessierte sie brennend den Grund unseres Besuches. Dann durften wir Fragen stellen, die uns auch alle sehr offen und ausführlich beantwortet wurden.
Sie öffnete sogar für uns die zugeklebten Fenster, so dass wir einen Blick in den wunderschönen selbst gepflegten Gärten werfen durften. So erfuhren wir, dass die Schwestern in absoluter Abgeschiedenheit von der Außenwelt leben und nur zu speziellen Arztbesuchen oder bei einer Versetzung das Haus verlassen. Striktes Schweigen, bis auf vorgegebene Sprechzeiten, ist Tagesordnung.
Die Schwestern versorgen sich komplett selbst, jede Schwester hat ihre Aufgabe. Sogar die Schwesterntracht wird selbst genäht. Lebensmittel etc. werden per Fax bestellt und dann angeliefert. Was uns sehr beeindruckt hat ist, dass die Schwestern ihr Zeitmanagement absolut beherrschen.
Das Gespräch mit der Schwester Oberin dauerte exakt 45 Minuten, dann klopfte es an die Tür und Schwester Maria Mechtildis löste sie ab und stand uns für die nächsten 45 Minuten für weitere Fragen zur Verfügung. Es war sehr interessant von 2 Schwestern zu erfahren, wann sie ihre Berufung zum Eintritt in den Orden fanden. Dies waren auf jeden Fall sehr interessante 2 Stunden.
Als wir zurück zum Männerorden kamen, warteten Pater Madro und Pater Weniger schon auf uns und die Pilgerreise nach Marzahn und durch die Plattenbausiedlungen begann.
Nach einstündiger S-Bahn Fahrt durch die verschiedenen Stadtteile Berlins kamen wir in Marzahn an und direkt an der Haltestelle der S-Bahn liegt das Don-Bosco-Zentrum der Salesianer. Eine Einrichtung für junge Menschen. Hier waren wird nicht angemeldet und wurden dennoch als Steyler herzlichst begrüßt und durch das Haus geführt. Was wir hier erfuhren, wird uns unvergesslich bleiben.
Ganz nebenbei bemerkt, wissen wir gerade nicht vor lauter Eindrücken, Müdigkeit und schmerzenden Füßen, wie und was wir hier berichten können, dabei sind es erst 22.30 Uhr und eigentlich ist der Abend im Vergleich zu den vorherigen noch jung!
Nun zurück zu Don-Bosco:
Zum einen werden mit Hilfe der Jugendsozialarbeit verschiedene Wiedereingliederungs- und Fördermaßnahmen für junge Menschen angeboten. Zum anderen dient die Beherbergung von Gruppen und Einzelreisenden im Jugendgästehaus und Gästehaus den jungen Erwachsenen als praktisches Übungsfeld.
Im Projekt Berlin Marzahn sind diese Bereiche eng verwoben. Die jungen Menschen, die oft ohne Schulabschluss und Berufsausbildung sind, arbeiten im Rahmen spezieller Maßnahmen in den Arbeitsbereichen Hauswirtschaft und Großküche, Haustechnik, Malerei, Tischlerei und Fliesenlegen. Dabei werden sie intensiv sozialpädagogisch begleitet. Durch ihre Identifikation mit dem Don Bosco Zentrum tragen sie ganz entscheidend zum Gelingen des Beherbergungszentrums bei.
Es war schön zu sehen, mit welchem Eifer die jungen Erwachsenen bei der Arbeit und beim Schulunterricht waren. Heute war gerade das Fernsehen im Haus, es wurde Spekulatius gebacken. Es roch himmlisch und wir durften sogar probieren. Auch hier gibt es für wohnungslose Jugendliche eine Notübernachtung.
Danach pilgerten wir gefühlte 10 Stunden mit den Steyler Patres durch die Plattenbausiedlungen, bis unsere Beine und Füße streikten. Als wir vor lauter Hunger fast nicht mehr in der Lage waren einen Schritt zu gehen, hatten die Patres Einsehen und wir suchten die nächste Bahnstation und fuhren in ein uriges Berliner Restaurant, um uns zu stärken.
Ankunft bei den Steylern um 20:10 Uhr. Aber das Laufen hatte noch kein Ende, denn die gestern begonnene Führung wurde heute im Jugendheim und der Kirche fortgesetzt. Jetzt um 23 Uhr stehen uns die Augen quer, für heute genug. Jetzt noch die Bahnfahrt für morgen zu den Straßenexerzitien raussuchen und ab ins Bett.
Nicht versäumen möchten wir an dieser Stelle Pater Madro und Pater Weniger ganz herzlich zu danken, dass Sie uns die heutigen Erlebnisse ermöglicht haben, ob die Pilgerreise durch Marzahn aber auch die Führung durch das Steyler Haus. Es einfach klasse zu sehen, was hier alles in dem relativ kleinen Haus angeboten wird.
Heute ein Filmabend für die Kirchengemeinde, eine Yogagruppe, Seniorinnen, die Rommé spielten. Der Kindergarten für die bis 2-jährigen, also die Vorbereitung auf den eigentlichen Kindergarten, u.v.m. Es ist einfach wunderschön zu erleben, wie groß die Steyler Familie ist, was sie alles leistet und wir sind stolz dazu gehören zu dürfen.

Tag 4
Heute nun ein Bericht von einem außergewöhnlichen Tag:
Nach einem frühen Frühstück gingen wir auf unsere Zimmer, um uns wieder unsere warmen Wandersachen anzuziehen und dies etwas mit gemischten Gefühlen, weil wir heute so gar nicht wussten, was uns erwartet und auf uns zukommt. Wir waren kaum auf dem Zimmer, da klopfte es an die Tür und Pater Weniger teilte uns mit, dass er uns zum Treffpunkt der Straßenexerzitien bringen möchte.
Dieses Angebot nahmen wir gerne an und so machten wir uns auf den Weg Richtung Berlin Kreuzberg. Vorbei an Prunk- und Neubauten, kamen wir in eine Gegend, die wir so in Berlin noch nicht gesehen haben und am liebsten wären wir sofort wieder zurück gefahren. Wir waren sehr froh, dass Pater Weniger uns bis zum Treffpunkt gebracht hat.

Hier ein Foto vom Eingangsbereich unseres Treffpunktes.

Nach einer kurzen Begrüßung und Vorstellung bekamen wir unsere Impulse und wurden für die nächsten Stunden auf die Straße entsandt. Kreuzberg ist eine Gegend, die sehr gewöhnungsbedürftig und auch teilweise am helllichten Tage sehr beängstigend ist. Es gab Straßen, wo wir uns nicht getraut haben ein Foto zu machen, dann wiederum gute, kleine und für uns nicht in die Gegend passende Geschäfte. Auch am Tag ist Kreuzberg sehr voll und vieler Nationalitäten.
Nach wiederum vielen Stunden voller Eindrücke und mal wieder schmerzenden Füßen und hungrigem Magen und klatschnass vom Regen kamen wir zum vereinbarten Zeitpunkt zum Treffpunkt zurück und waren gespannt was uns erwartet. Nach weiteren 3 Stunden Austausch mit anderen Teilnehmern und Pater Herwartz konnten wir den Rückweg antreten.
Dies ist uns heute alleine bei dem Großstadtgetümmel und den vielen verschiedenen U-Bahnnetzen alleine gelungen. Verschwitzt und nass wie wir waren ging es unter die Dusche und danach mit absolut hungrigem Magen zum Italiener. Das Essen tat so gut, wie schon seit Tagen nicht mehr.
Danach ging es wieder zurück zu den Steylern, eigentlich, um unsere Berichte zu schreiben – von wegen…Pater Weniger, Bruder Theo und Pater Madro waren neugierig auf unsere Erlebnisse und so gab es erst einen regen Austausch. Die Zeit verging, wie im Flug und wir mahnten uns nun doch, uns zurück zu ziehen um endlich unseren Bericht zu schreiben. Aber auch dies war noch nicht möglich, den Pater Boiser und Bruder Menge kehrten aus Steyl zurück und so wird es mal wieder nach 22 Uhr, bis unser Bericht geschrieben ist.
Jetzt heißt es noch ein bisschen mit den Steylern zusammen zu sitzen und dann ab ins Bett und uns auf morgen freuen.

Tag 5
Der gestrige gesellige Abend mit den Steyler Mitbrüdern war sehr schön und sehr interessant und es wurde wieder einmal verdammt spät bis wir im Bett waren.
Heute Morgen beim gemeinsamen Frühstück mit allen Steyler Mitbrüdern, war auch der Präses des Hauses Pater Fidelis anwesend und wir hatten am frühen Morgen schon jede Menge Spaß und haben viel gelacht, so dass uns kaum noch Zeit blieb uns für den geplanten Austausch mit allen Steylern des Hauses vorzubereiten. Denn die Steyler in Berlin haben ihr eigenes Leitbild und wir waren sehr gespannt, wie dieses entstanden und umgesetzt wird.
Pater Fidelis eröffnete im gemütlichen Steyler Wohnzimmer den Austausch, indem er das Steyler Haus kurz vorstellte. Danach stellten sich alle Mitbrüder einzeln vor und erklärten uns ihre vielseitigen Aufgabengebiete hier in der Gemeinde und auch außerhalb. Wir waren sehr erstaunt, wie viele Aufgaben die Mitbrüder übernehmen, so dass die 2,5 Stunden Austausch schon fast zu kurz waren.
Danach ging es zum gemeinsamen Mittagessen, hier setzten wir unseren Austausch fort und hatten wieder einmal eine Menge Spaß. Es gab super leckeres Essen und sogar am Freitag eine Vanillecreme mit selbstgemachter Erdbeersauce (super lecker).
Nach dem Essen gab es wie jeden Tag bei den Steylern zum zweiten Nachtisch von Bruder Theo eine kurze Bibellesung. Zu Ehren von uns beiden Damen wählte er aus dem Lukas Evangelium „Frauen im Gefolge Jesu“, so dass während des Vorlesens herzlich gelacht wurde. Dieser ganze Vormittag zeigte uns mal wieder, wie herzlich wir hier von allen aufgenommen wurden, so dass wir es heute schon bedauern am Sonntag unsere Zelte wieder abzubrechen.
Da wir bis zum nächsten Termin noch ein wenig Zeit hatten und endlich mal nach den ganzen letzten verregneten und eiskalten Tagen kurz die Sonne aus den Wolken schaute, machten wir einen kleinen Spaziergang durch die Heilig-Geist-Gemeinde.
Dann ging es wieder dazu über unsere abgewetzten Klamotten anzuziehen und auf zur Stadtmission zu den Menschen ohne Wohnung. Hier wurden wir schon absolut freudig von den ehrenamtlichen Helfern empfangen. Es war schon recht voll und wir könnten gleich in die vollen steigen. Nach einem anstrengenden Dienst von 5 Stunden sind wir noch zum Hauptbahnhof gefahren und haben uns die Hauptstelle der Notübernachtung, die Bahnhofsmission, ganz alleine angesehen. Man sagt, dass ist die schlimmste überhaupt. Hier stehen auch die Kältebusse, die ab 19 Uhr durch die Brennpunkte von Berlin fahren, um ihre Hilfe anzubieten.
Einfach unvorstellbar, dass es in unmittelbarer Nähe der superneuen edlen Bahnhofsgegend, nicht weit weg vom Bundestag, dann auch die absolut krassen Gegensätze von Armut gibt. Wir haben auf jeden Fall schnell gesehen, dass wir wieder in die Zivilisation kamen, denn im Dunklen durch diese Straße zu gehen war schon mehr als beängstigend.
Nun ist es 22 Uhr und wir sind froh, dass wir wieder bei den Steylern sind und nun beim Schreiben des heutigen Tagebuches endlich was zu Essen bekommen.

Tag 6

Heute war frühes Aufstehen angesagt, so dass wir mit den Steyler Mitbrüdern gemeinsam frühstückten und so auch gleich heute Morgen Bruder Theo zum Namenstag gratulieren konnten. Dann ging’s los, da wir schon um 8.30 Uhr bei den Schwestern in Berlin-Kreuzberg sein mussten. Unser lieber Pater Weniger ließ es sich nicht nehmen uns dorthin zu bringen, worüber wir uns sehr freuten.
Seit 1984 ist die Einrichtung der Gemeinde, die von den Missionaries of Charity Schwestern von Mutter Teresa betrieben wird, im Kiez und in der ganzen Stadt ein Begriff. Jeder, der bedürftig ist, kann hier eine warme Mahlzeit erhalten. Es kommen etwa 90 bis 200 Leute jeden Tag. Die Schwestern leben selbst in Armut und Bedürfnislosigkeit und auch ihre Arbeit in der Suppenküche wird nur durch private Spenden (auch von der Tafel) getragen.
Für die Essenszubereitung, Ausgabe der Mahlzeiten und beim Abwasch finden sich immer freiwillige HelferInnen ein. Heute waren wir auch dabei. Die Schwester Oberin freute sich sehr über unsere Hilfe. Wir wurden direkt mit einer Schürze und Schälmesser ausgestattet und los ging’s nach einer kurzen Vorstellungsrunde mit Bergen von Kartoffeln schälen.
Danach wurden Mengen von Möhren geschält und dann ging es ans Obst, Weintrauben und Nektarinen. Dann sollte der Paprika geschnitten werden, aber alle mussten zunächst helfen den Transporter von der Tafel auszuladen. Jeweils samstags werden die Schwestern mit Lebensmittel für die ganze Woche beliefert, so dass wir kistenweise Bananen, Obst, Kartoffel, jede Menge verschiedene Sorten Gemüse und auch Brot ausladen mussten.
Während wir weiter schnibbelten, begannen die Schwestern mit dem Suppe kochen. Als die meiste Arbeit getan war, mussten wir uns auch auf den Weg machen, denn der nächste Termin wartete bereits.
Wir wurden von allen ganz herzlich verabschiedet und die Schwester Oberin schenkte uns einen Kettenanhänger mit Mutter Teresa, der uns auf unseren Wegen beschützen möge. Hierüber freuten wir uns natürlich riesig und wünschten auch den Schwestern alles, alles Gute.
Am Nachmittag ging es bei den Steylern weiter, aber in der Nachbargemeinde Kath. Pfarramt St. Ludwig, wo der Familientag für die Erstkommunionskinder stattfand. Hier gab es ein buntes Programm von 13.30 Uhr bis 18.00 Uhr sowie viele Workshops wie z.B. Hostienbäckerei, Kerzenwerkstatt. Sogar der Weihbischof war anwesend.
Das spannendste an dem Programm war jedoch der Auftritt des Kinderchors der Steyler Heilig Geist Gemeinde und zwar mit einem Kindermusical „Bernhard Lichtenberg der Baumeister der Zukunft“. Dieses Musical wurde von den Eltern und Ehrenamtlern der Gemeinde Heilig Geist selbst geschrieben. Für uns war es ein unvergessliches Erlebnis in einer rappelvollen Kirche. Es war für uns auch mal nach all dem Elend ein absolut schöner Ausgleich, auch unserem strahlenden Pater Madro sein Gesicht zu sehen. Er kann mit Recht auf seine Kirchengemeinde sehr, sehr stolz sein.
Alles in allem heute wieder ein wahnsinnig erlebnisreicher Tag. Jetzt beeilen wir uns mit dem Tagebuch schreiben, denn gleich geht es zum Abschiedsessen mit allen Steyler Mitbrüdern.

Tag 7

Die Abschiedsfeier mit den Steylern, ob beim Italiener oder auch nachher noch im Steyler Haus wird uns in unvergesslicher Erinnerung bleiben.
Am Sonntag unserem letzten Tag durften wir um 7.30 Uhr mit den Patres frühstücken, dann ging es zum Koffer packen, danach in die Kindermesse.
Hier muss man zunächst noch einmal erwähnen, was die Steyler mit ihren vielen ehrenamtlichen Mitarbeitern hier leisten, ist unbeschreiblich. Die Steyler Heilig Geist Kirche war so voll, dass noch Stühle aufgestellt werden mussten, ca. 380 Personen, selbst 5 Kinderwagen haben wir gezählt. Die Kindermesse wurde von dem Steyler Pfarrer Pater Madro zelebriert und gesanglich begleitet von dem Singchor, der im nächsten Jahr sein 50-jähriges Jubiläum feiert.
Die Kinderkirche beginnt im Gemeindegottesdienst am Sonntag um 10 Uhr in der Kirche. Nach dem Tagesgebet ziehe die Kinder – mit oder ohne Eltern – für ca. 25 Minuten in den Pfarrsaal. Ein kleines Mädchen ca. 4 Jahre trug die brennende Kinderkirchenkerze als Symbol, dass sie auch weiterhin bei der hl. Messe sind. Thema der Kindermesse: St. Martin.
Zunächst nahmen sich die Kinder ihr selbstgebasteltes Namensschild und hingen sich dieses um, dann nahmen sie im Kreis auf ausgebreiteten Decken auf dem Boden platz, die Erwachsenen setzten sich dahinter auf Stühle. In der Mitte auf einer Decke stand ein Holzkreuz und die mitgebrachte Kerze. Nach einer kindgerechten Eröffnung von einer ehrenamtlichen Mutter des Kinderkirchenteams mit großen und kleinem Kreuzzeichen und einer Begrüßung ging es über zu einem Rollenspiel. Die Kinder sollten so auf die Bedeutung von St. Martin hingeführt werden. Es gab dann für jedes zweite Kind einen kleinen Weckmann, dieser musste dann mit dem Nachbarkind geteilt werden. Als alle ihr Stück von dem Weckmann in der Hand hielten, durfte dies aufgegessen werden. Danach gab es eine Reflektion hierzu und dann wurde mit Klavierbegleitung das St. Martinslied gesungen.
Zum Schluss gab es dann noch Fürbitten, die auch bildlich dargestellt wurden, ein Symbol des heutigen Tages wird auf die Kerze geklebt. Danach ging es mit der brennenden Kerze zurück in die Hauptmesse, wo dann gemeinsam mit allen das Vater Unser gebetet wurde. Nach dem Vater unser wurde von der ehrenamtlichen Mutter allen in der Kirche berichtet, welches Thema heute in der Kinderkirche behandelt wurde. Dann ging es in der Hauptmesse weiter.
Zum Schluss der Messe bekam noch jedes Kind und auch wir als Ehrengäste ein Stück roten Samtstoff zum anheften an die Kleidung als Symbol, dass die Kinder teilen können. Weiterhin kann sich jedes Kind nach dem Gottesdienst ein Ausmalbild zum Thema der Kinderkirche mitnehmen.
Draußen vor der Tür gab es einen Stand mit fairgehandelten GEPA-Produkten zum Kauf, z.B. Adventskalender oder auch Schokolade, Tee u.a.
Im Steyler Jugendheim wird sich dann noch zum gemeinsamen Kaffeetrinken getroffen. Dies alles miterleben zu dürfen wird für uns ein unvergessliches Erlebnis bleiben.
Um 11:15 Uhr trafen wir uns mit dem Team der Kinderkirche, um mehr über die Arbeit erfahren zu können. Zunächst stellte sich jeder kurz vor und das Leitbild der Kinderkirche wurde uns erklärt. Also auch die Kinderkirche hat ihr eigenes Leitbild. So erfuhren wir, dass die Vorbereitung für die heutige Kindermesse von 4 Müttern erfolgte. Eine von Ihnen hatte mal soeben ca. 150 kleine Weckmänner gebacken und eine andere die vielen Stoffecken zugeschnitten und mit doppelseitigem Klebeband versehen. Die Kindermesse findet alle 4 Wochen statt und wird jeweils von 4 Personen vorbereitet. Dies alles und noch viel mehr erfolgt als im Ehrenamt.
Weiterhin findet einmal im Monat eine Familienmesse statt, hier wird dann das Hauptaugenmerk auf die Kommunionkinder gerichtet. Hier im Treffen aber auch schon vorher von der Kirchenvorstandsvorsitzenden und einer ehrenamtlichen Mutter aus der Liturgiekirche (Familienmesse) wurde uns immer wieder berichtet, dass sich hier im Heilig Geist alle sehr wohlfühlen und froh sind, dass Sie mit den Steylern so gut zusammen arbeiten können.
Dann ging es für uns zum Mittagessen mit den Steylern und danach in die Philippinische heilige Messe, die wiederum in der Heilig Geist Kirche stattfand. Hier fand heute die Abschiedsmesse für Pater Simon Boiser statt (er geht Ende November nach Hamburg) und gleichzeitig wurde Pater Jun de Ocampo begrüßt der die Aufgabe von Pater Boiser „Pfarrer für die philipp. Gemeinde“ übernimmt. Diese Feier wurde durch den schweren Taifun auf den Philippinen getrübt, auch die Steyler sind betroffen.
Vor der Messe wurde bereits der Rosenkranz gebetet. Für uns alles etwas ungewöhnlich, da alles auf Englisch war. Teilweise fand über den Beamer eine Übersetzung statt, bzw. die Texte waren auf Englisch zu lesen.
Um 16:30 Uhr mussten wir die hl. Messe leider verlassen und konnten somit auch nicht mehr an dem Abschiedsfest, welches die Philippinische Kirchengemeinde vorbereitet hatte, teilnehmen, da wir zum Flughafen mussten. Draußen herrschte dann auch schon reges Treiben, denn auf dem Parkplatz der Steyler wurden die letzten Handgriffe für das Martinsfeuer etc. erledigt. Denn hier endete um ca. 17 Uhr der Martinsumzug.
Ja, und nun hieß es Abschied nehmen und unser lieber Bruder Theo fuhr uns zum Flughafen.
An dieser Stelle möchten wir uns bei allen Steyler Mitbrüdern noch einmal ganz, ganz herzlich für all Ihre Mühe, Gastfreundlichkeit und Betreuung bedanken.
Es ist einfach unglaublich toll erfahren zu haben, dass wir Mitglieder der Steyler Familie sind. Auf diesem Wege noch einmal ganz herzlich Grüße nach Berlin.