Christoph Gerenkamp, „Ich suche Gott. Können Sie/ Kannst Du mir dabei helfen?“

Mit dieser Frage habe ich mich seit einigen Jahren nicht nur in Münster in Westfalen in der Begleitung von Menschen in Wohnungsnot, sondern auch bei Exerzitien auf den Straßen von Berlin, München und Mannheim auf einen spannenden und zugleich sehr heilsamen Weg gemacht.
Am Beginn dieses Exerzitienweges stehen zunächst die Fragen: Worüber ärgere ich mich? Was macht mich traurig? Welche Sehnsucht verbirgt sich dahinter? Gott, wel-chen Namen hast Du für mich?
Und mich dann ohne Geld und Vorratstasche auf den Weg zu machen, wie es in der Bibelstelle bei Lukas 10,1-11 heißt bedeutet für mich, dass ich an die eigenen Grenzen des Angewiesen-Seins auf andere Menschen stoße, mit der eigenen Bedürftigkeit kon-frontiert bin und an die Orte der eigenen Unsicherheiten und Ängste geführt werde. So erkannte ich, dass es nicht um das Erzählen von interessanten Geschichten von Men-schen in Wohnungsnot geht oder um den tollen Ordensbruder, sondern darum, her-auszufinden, was meine Lebensthemen sind. Ich war und bin in den Exerzitien auf der Straße mit der Bereitschaft unterwegs, Begegnungen einfach auf mich zukommen zu lassen. Mal beschäftigte ich mich mit dem Aufbrechen der eigenen, inneren Grenzen und dann wieder ging es um den Weg der inneren Heilung und der Versöhnung mit mir selbst und mit Menschen aus meiner Lebensgeschichte. In der Begegnung mit Gott im brennenden Dornbusch wird Mose aufgefordert, seine Schuhe auszuziehen, weil er sich auf heiligem Boden befindet. Die Bereitschaft, die Schuhe des Verurteilens und Beurteilens auszuziehen und die Tatsache, das Portemonnaie und das Handy abzu-geben, ergab, dass sich Türen der Gastfreundschaft öffneten. Ich muss nicht immer nur in der Rolle des Gebenden sein, sondern darf die Erfahrung machen, eingeladen zu sein. Die Frage in meinem Alltag ist, mit welchen Schuhen ich unterwegs bin. „Gott kannst Du nur finden, wenn Du bereit bist, Dich selber zu suchen.“ Das sagte mir der Imam einer muslimischen Gemeinde, nachdem wir uns den Friedensgruß gegeben hat-ten.
Mich Gott zu nähern, wo er auf mich wartet, das heißt, den heiligen Boden in mir selbst zu entdecken und dann Gott zu finden in den vielfältigen Begegnungen auf den Straßen des Lebens.
Madeleine Delbrel wird in dem Buch „Gott einen Ort sichern“ folgendermaßen zitiert: „Brecht auf ohne Landkarte und wisst, dass Gott unterwegs zu finden ist, und nicht erst am Ziel.“
Vielen Dank sage ich den Begleiterinnen und Begleitern der Exerzitien auf der Straße und allen Menschen, mit denen ich Tag für Tag unterwegs bin.

(Christoph Gerenkamp, Münster, Westfalen)