Ein Brief von Stefan: Lieber Christian, …

die Exerzitien auf der Strasse waren für mich eine sehr, sehr schöne Erfahrung, die mich noch lange begleiten dürfte. Erst vorgestern war ich auf einer Pressekonferenz zum Thema Alfred Delp. Verschiedene Schulklassen hatten einen Workshop gemacht, eine Gruppe Bundeswehrsoldaten ebenfalls und dann noch ein Seniorenkreis. Alles das in der Hoch- schule für Philosophie. Ich war sehr beeindruckt von den Ergebnissen der Gruppen, die im Rahmen der Pressekonferenz der Öffentlichkeit präsentiert wurden, besonders von den Collagen und Videoclips, die die Schüler gemacht hatten.
Als dann die Reihe an Kardinal Wetter, einen Vertreter des Kultusministeriums und mich kam, etwas mehr zur Bedeutung von Delp heute zu sagen, habe ich, einer plötz- lichen Eingebung folgend –  mein Manuskript (von einer Ghostwriterin vorbereitet) in die Ecke gelegt und frei von der Leber von meinen Straßenexerzitien und besonders vom Besuch in Plötzensee berichtet. Es hat die Jugendlichen, die während der gesetz- ten Vorträge des Kardinals und des Staatssekretären immer mehr gelangweilt schie- nen, scheinbar gut ge- fallen. Aber auch den Erwachsenen, was u.a. dazu geführt hat, dass sich das Bayrische Fernsehen für die Strassenexerzitien zu interessieren begann und mir anbot, mit mir (!) einen Film darüber zu machen. Das wird wohl kaum geschehen, aber es könnte durchaus sein, dass sich jemand bei Dir melden wird, da ich auf Dich verwiesen habe. Das nur zur Vorwarnung….
Von den Armen kann man viel lernen und vor allem anderen und jeder „Nutzanwen-dung“: sich reich beschenken lassen. Ich habe das mehrfach in meinem Leben erfahren.
Aus meiner Zeit als Jesuit und Pfarrer trage ich viele bewegende und bereichernde Begegnungen mit Armen und Verfolgten jeglicher Schattierung im Herzen. Für einen Provinzial wird die Luft diesbezüglich dünn, und so war ich froh, in Kreuzberg zu sein und buchstäblich wieder Boden unter den Füßen zu spüren.

Du ahnst nicht, wie das Herz jubelte…Die beiden Begleiter in unserer Gruppe haben ihre Aufgabe so gut gemacht, wie ich es mir nur von wenigen Jesuiten vorstellen kann. Chapeau!
Dir Dank für alle Inspiration, die von Dir für mich, viele Mitbrüder in der Provinz und viele, viele andere Menschen ausgeht.

Herzliche Grüße aus München
Dein
Stefan

P. S. Gruß an Helga, Christian, Franz Angelika, Renate, Rainer und viele mehr…
Einen besonders lieben Gruß an Smiley und Emil!