Bernd Lunkenheimer: Exerzitien auf der Straße

Es war ein außergewöhnliches Erlebnis für mich, diese Tage vom 1.-10.August 2003 auf Straßen in Berlin.
Gegen Ende des Kurses regte Christian, Initiator und einer der Begleitenden dieser Tage an, auch darüber nachzudenken, wie und was wir demnächst von unseren Erfahrungen in Berlin erzählen wollen. Da war es bereits schon mein eigener Wunsch, einen Erfahrungsbericht zu erstellen.
Doch wie und für wen? Was ist erzählbar von den äußeren und inneren Eindrücken?
Einigen Freunden und Verwandten habe ich seit der Rückkehr aus Berlin erzählt, einzelnen auch mehrmals. Dabei ist der Wunsch noch stärker geworden, meine Erfahr- ungen ausführlicher und im Zusammenhang darzustellen, allerdings nicht als eine Chronologie der 10 Tage.
Mein Bericht wird nun aus zwei Teilen bestehen. Teil A ist eine Darstellung der Struk- tur des Exerzitienkurses, mit verschiedenen Einzelheiten. Teil B wird eine Wiedergabe meiner Erfahrungen mitsamt Einsichten und Deutungen, die zum Teil erst in den letz- ten Tagen zum Ausdruck kamen.

A. Struktur und Verlauf der Exerzitien
über ”Exerzitienkurse auf der Straße” hörte und las ich erstmals in Publik Forum, Nr.12, vom 27.6.2003, die ich im Abo erhalte.
Dort erfuhr ich, daß vier Ordensleute gegen Ausgrenzung (2 Frauen,2 Männer) zu diesen Straßen-Exerzitien einladen und die Teilnehmer begleiten werden. Es sei das Ziel, aufmerksam durch die Straßen Berlins zu gehen, dabei das respektvolle Sehen und Hören zu üben, vielleicht hie und da auch die Schuhe auszuziehen, wie Mose am Berg Sinai, um möglicherweise entdecken zu können, wo es geheiligte Orte gibt.
Neun Personen kamen nach Berlin, 4 Frauen und 5 Männer. Unterschiedlich von Wohnort, Herkunft, Alter, Beruf. Wir erhielten Quartier in der St.Michaelgemeinde in Berlin-Kreuzberg und konnten Räumlichkeiten im Gemeindehaus nutzen und im Keller in der Notunterkunft für Obdachlose schlafen, die im Sommer leer steht. Auch die nebenstehende (neue) St.Michael-Kirche (ehemals West-Berlin, direkt an der Mauer) war für uns in dliesen Tagen zugänglich, ebenso auch ein Andachtsraum in einer Wohngemeinschaft von Schwestern, die ebenfalls im Gemeindezentrum leben.
Wir Neun wurden am ersten Abend empfangen von Teresa, Petra, Christian und Stefan, die uns mit einem Abendessen begrüßten. Es folgte eine Einführung in die Exerzitien auf der Straße und vor Ort, samt Ortsgeschichte der letzten Jahre.
Wir Neun begannen dann jeden Tag mit einem mehr oder weniger gemeinsamen Frühstück gegen 8 Uhr. Irgendwer war zuerst oder früher da und bereitete es vor. Um 9 Uhr gestaltete eine oder einer von uns den besinnlichen Tagesimpuls, eine einfache Andacht.
Ab etwa 10 Uhr ging ein jeder los, mit oder ohne Ziel, in die nächste Umgebung, irgendwohin in Kreuzberg oder darüber hinaus, an bestimmte oder unbestimmte Orte, Straßen, Plätze, Einrichtungen. Jeder hatte ein Blatt bekommen mit ”Anregungen für die Suche nach Heiligen Orten in Berlin”, die dreifach unterteilt waren:
1. die unauffälligen Orte, die zufällig entdeckten am Weg, die nicht vorher bestimmbar sind
2. ca. 50 konkrete Orte (von ”Drogenumschlagplatz am U-Bhf. Kottbusser Tor” bis ”Russisches Ehrenmal”), von denen man sich inspirieren oder leiten lassen konnte, je nach persönlicher Einstellung oder Tagesform, die aber auch alle unbeachtet bleiben konnten
3. Orte in mir selber, geheiligter Boden bei mir.
So ging ein jeder los.
Nach unseren Wegen durch den Tag (vereinzelt auch durch den frühen Morgen oder die Nacht) kamen wir um 17 Uhr alle im Gemeindehaus zusammen, zu Gottesdienst und Eucharistiefeier, welche unsere vier Begleitenden vorbereiteten und mit uns feierten. Gelegentlich klangen hier schon im Zusammenhang mit Lesungen, Liedern, Gebeten oder Mahlfeier einzelne Erfahrungen des Tages oder des eigenen Lebens an.
Das anschließende gemeinsame Abendessen gegen 18 Uhr hatten je zwei von uns rechtzeitig vorbereitet.
Gegen 19.15 Uhr trafen wir uns dann in zwei gleichbleibenden Gruppen (4+2 und 5+2). Jeder Exerzitant berichtete dort vom eigenen Tag. Die anderen hörten aufmerk- sam zu. Vorsichtig wurde das Gehörte vertieft, nachgefragt, ergänzt, erneut erzählt, behutsam gedeutet, nach Zusammenhängen im eigenen Lebensprozess ausgeschaut, geschwiegen, gebetet, gesungen, ein Weg für morgen angedacht, geweint, gelacht.
Nach 2 bis 3 Stunden war dieser Tages-Austausch abgeschlossen. Es ging zur Nachtruhe oder noch zu einem Weg allein oder mit anderen.
Am letzten Abend feierten wir die Eucharistie in der Kirche nebenan, in gemeinsamer Runde mit Christus – eine seitlich in der Kirche am Rande sitzende lebensgroße Bronze- figur, in nachdenklich aufmerksamer zugewandter Geste.
JedeR brachte dazu etwas mit aus der Woche, ein Symbol, eine Geste, eine Geschichte, eine Erfahrung.
Anschließend machten wir uns auf zu unserem letzten gemeinsamen Abendessen, diesmal draußen ”auf der Straße”, nämlich im Park an der Waldemar-Brücke. Beim Essen und Trinken wurde auch Rückschau und Vorausschau gehalten.
Am letzten Morgen dann, Sonntag, feierten wir mit der Gemeinde die Messe. Auch hier war Gelegenheit, daß einige von uns der gastgebenden Gemeinde von ihren Eindrück ken und Erlebnissen erzählten.
Und wir alle wurden von verschiedenen Gottesdienst-Teilnehmern gesegnet für unseren Weg an unseren Orten.
Bald danach hieß es ”Adieu Kreuzberg”, ”Adieu Ihr Lieben”, ”Adieu Berlin”.
B. Meine Erlebnisse
Ich glaube, ich habe mich ein bißchen verliebt. In ein Stück bebaute Erde, einen Ort, verliebt in einen Stadtteil, nämlich Kreuzberg. Und das gleich in den ersten Tagen. Das hätte ich nicht gedacht, als ich wenige Wochen vorher erstmals über die Exerzitien auf der Straße las und gleich wie elektrisiert war von den Gedanken ”Unterwegs auf den Straßen in Berlin, Erfahrungen mit Gott, respektvolles Schauen und Hören beim Gehen und Unterwegssein”.
Unterwegssein zu Fuß, das ist für mich seit Monaten eine neue alte Leidenschaft, wieder entfacht im jetzt 2jährigen Ruhestand. Unterwegs allerdings am liebsten auf abgelegenen Wanderwegen des Sauerlandes und Bergischen Landes, durch Felder, Wiesen und Wälder, an Flußbächen entlang und auf Höhen. Unterwegs auch über Tage, aber möglichst ohne Städte mit ihrem Lärm, ihrer Unruhe. Am liebsten viel Stille, gerade jetzt nach dem Hörsturz Anfang des Jahres und den monatelangen großen Schwierigkeiten mit allen Geräuschen.
Und nun bin ich also doch in Berlin gelandet. – West-Berlin! Was für eine lange Ge- schichte. Meine Lebensgeschichte, Ost und West. Also zurück zum Anfang. Nicht weil ich in Berlin einmal gewohnt habe, sondern weil ich es immer durchqueren mußte, das geteilte. Seit meinem 5. Lebensjahr. Ich, der West-Bruder allein im Zug von Wuppertal, von West-Tante und Onkel in den Zug gesetzt, einen Tag durch BRD, DDR und West – und Ost-Berlin, zur Friedrichstraße, Hauptstadt der DDR. Zu Besuch zu den 5 Ost-Ge-schwistern und den Ost-Eltern, die mich meist in Friedrichstraße abholten und nach 4 oder 6 Wochen dort wieder ablieferten, im Tränenpalast. Und wieder Abschied für ein Jahr, für 11 Monate Westen, BRD, nach 1 Monat Osten, DDR. – Jahraus, jahrein.
Später dann machte ich die Reise nicht mehr allein, sondern mit Freundin – Frau, mit Frau und Kind – Kindern. Und viele Jahre schon ging es nicht mehr über Friedrich-straße. Fast nur noch Grenze und Kontrollen hinter Helmstedt. Und dann per Auto nach Lobetal/Bernau zu den Eltern oder sonst wohin, wo eins der Geschwister lebte und für uns Aufenthaltsgenehmigung beantragt hatte.
Eigentlich ist das alles längst vergangen und Geschichte, 14 Jahre nach Mauerfall und Wiedervereinigung. Doch ich wußte, daß das nicht stimmt für mich. Narben und Schmerzen sind noch da, verdeckt und vielleicht zu oberflächlich behandelt über Jahrzehnte.
Und diese meine Geschichte ist wohl auch ein wesentlicher Grund dafür, daß es mich diesmal nach Berlin zog.

Straßen und Orte dieser Stadt als geistliches Übungsfeld?
Exerzitien sind mir lange schon lieb und wert. So hatten diese im Vorfeld bereits etwas Bestechendes. Ist da sogar lebensgeschichtliche Aufräumarbeit möglich und heilsame Nähe zu einer haßgeliebten Stadt, zu Wessi-Ossi-Straßen und -Menschen.
Dann war ich also da. Nach anfänglichem Zögern ging ich vom 3.Tag an mehrmals zur Friedrichstraße. Eigenartig, ich fand den Tränenpalast zunächst gar nicht. Aber dann fand ich ihn, den ehemaligen Eingang, seitlich abgelegen, ca. 50 Meter vom Bahnge- lände entfernt. Keineswegs ein touristisch aufgepäppter Ort, dieser Eingang. Warum eigentlich nicht? Ich habe auch nirgendeine Postkarte vom Tränenpalast gefunden. Jetzt lagen Bierdosen und Schnapsflaschen herum. Hier sitzt man jetzt und trinkt in den Tag. Ungewöhnlich ruhig, keine Randale. Hier habe ich gesessen, auch stunden- lang, gegenüber der Eingangstür, mit Blick auf das 2001 gemalte Bild neben dem Eingang. Da ist auf einem Betonklotz der ehemaligen Mauer ein lebensgroßes gelbes Männchen zu sehen, mit einer Weltkugel unter dem Arm, und einer violetten Krone auf dem Kopf und einem tränenden roten Herzen und seinem Namen BRDDR, der ja so gut in meinen eigenen Namen paßt.
Das habe ich mir lange angesehen, das Männchen. Einige Male bin ich die 20 Schritte zu ihm rübergegangen, barfuß, habe es gestreichelt, seine Last, sein Herz, seine Krone berührt und mit ihm gesprochen. Und später habe ich mich lange und ausführlich von ihm verabschiedet. In diesen Stunden war es auch noch einmal der Tränenort. Aber auch der Ort, wo ich meine Schuhe ausziehen konnte und wollte, barfuß hin und her ging, meine und Gottes Wege besann. — Und daß doch alles gut ist. Und Dreck des Lebens und Krone des Lebens wirklich eine Einheit werden können, zusammen kom- men können. Etwas Wunderbares.
Ich glaube es war hier beim Müll vor dem Tränenpalast, als mir das Lied einfiel ”Wenn die Erde nicht für uns Heimat wird, sind wir hier heimatlos”.
Und wenn ich in den folgenden Tagen in Kreuzberg liebgewonnene Orte aufsuchte, Parkbänke im Mariannenpark, am Oranienplatz, beim indischen Brunnen im Luisenpark und bei “meinem” Mäuerchen neben der Treppe der Waldemarbrücke, dann hatte ich immer wieder das Bedürfnis, meine Schuhe auszuziehen, weil ich geradezu etwas davon spürte: hier ist Gottes Erde, hier will Gottes Liebe wohnen und sich beheimaten.
Vorher hätte ich im Traum nicht daran gedacht, daß Funken von Verliebtsein in diesen Ort mich erreichen könnten. Verliebt in den Ort, nicht schon in die Menschen. Eine erste Liebe also zu bestimmten Straßen, den besprayten Hauswänden, dem Second-Hand-Markt, dem Oranienplatz mit seinem ausgetretenen Kreuzweg auf dürrem Rasen. Da, wo so Unterschiedliche ihre Wege kreuzten, gehetzten Schrittes oder würdigen Schrittes. Wie zum Beispiel der große Mann, einbeinig und mit Metallpro- these gehend, ja geradezu schreitend wie ein König, mit seinem Riesenstock. In dieser Ecke war er anscheinend täglich anwesend und wie zuhause, und außerdem wohl von allen Leuten geachtet und gekannt.
Eines Morgens sah ich ihn, noch allein, am Übergang des Platzes zum Park, in der Sonne auf dem dortigen Steinmal thronen. Irgendwie strahlte er für mich Erhabenheit aus, ein Ausdruck von Friede. Friede, der die Erinnerung an Schmerz und böse Zeit kennt. Und ein bißchen kam es mir wie eine Inszenierung vor, als wolle er sich auch etwas darstellen. Darüber wunderte ich mich zunächst, aber bald machte ich ähnliche Erfahrungen bei mir selbst.
Ich habe oft am Tag Melodien im Kopf, aus Liedern oder einfach so, zu irgendwelchen Rhythmen. Und am 4. oder 5. Tag in Kreuzberg verspürte ich den Wunsch, zu flöten, draußen, auf der Straße. Natürlich hatte ich gleich Einwände, Bedenken. Aber dann suchte und fand ich eine ganz einfache Bambusflöte in einem Geschäft an der Ora- nienstraße. Und ich flötete. Erst zaghaft, dann auch beherzter, im Mariannenpark, an der Waldemarbrücke auf ”meinem Mäuerchen”, beim indischen Brunnen und vor allem am vorletzten Tag, als ich von morgens bis abends alle Wege zu Fuß ging, am Landwehrkanal, in der Thomaskirche(einer täglich offenen evang. Kirche am Marian-nenpark). Und einige Male empfand ich es beim Flöten wieder deutlich. Dieser Flecken Erde ist schön oder verdreckt, gepflegt oder unordentlich. Und alles Gottes Erde, liebenswert! Grund zum Feiern! Anlaß, es irgendwie auch zu inszenieren, mit Flöte oder Trommel oder Bierflaschendeckeln. Egal, was die Leute denken.
”Trommle dein Herz für das Leben. Singe dein Mund den Frieden. Daß die Erde heller und wärmer werde.” Dieses schöne kleine Lied, das ich aus der ersten Morgen-andachtsrunde mitnahm, hat mich auch täglich begleitet, auch als ich für Stunden im Käthe-Kollwitz-Museum war und viele Bilder mich sehr berührten, z.B. ”Zertreten” oder ”Frau und Tod”.
Als ich vom Museum in Charlottenburg wieder zu Fuß nach Kreuzberg kam, da war es ein bißchen wie nach Hause kommen.
Es ist so wahr: Wenn die Erde nicht für uns Heimat wird, sind wir hier heimatlos. Das Leben schlägt Wunden, wahrhaftig. Leben und Lieben schafft Schmerzen, immer wieder. Und doch ist das Leben schön, auf dieser Erde, in dieser Stadt, in dieser Straße. Grund genug zum Singen und Spielen, zum Tanzen und Trommeln, zum Lachen und Weinen.

Wo bin ich gelandet in den 1O-tägigen Straßen-Exerzitien, und danach?
Nun, wieder und auch ganz neu bei meiner Sehnsucht, unterwegs zu sein. Und der Einsicht: Schöner als mein Ziel ist die Begegnung.
Aber dorthin geht es über Wege und Straßen, in Dorf und Stadt, andernorts und hier, wo ich wohne. Und überall können sich geheiligte Orte auftun, wenn es möglich wird, meine Schuhe auszuziehen, meine inneren Schutzschilde abzulegen, meine Panzerungen.
Vielleicht kann ich mich eher in Dinge oder Orte oder Plätze verlieben als in Menschen. Vielleicht eher in ein Stück Erde. Aber vielleicht ist auch das ein Stück Natur oder meine Natur. Der geheiligte Ort, der geliebte Park schließt mich langsam auf für die Menschen darin, schafft mir nach und nach Freiheit und Freude, den fremden Bewohnern zu begegnen, nachdem ich eine ganze Weile nur schauen und einatmen und wahrnehmen konnte. So, wie es einmal geschah, als ich gleich neben ”meinem Park” in das Versammlungshaus der Aleviten eintrat und ganz bald mit Halil im Gespräch war über das, was uns wichtig ist und woran wir glauben. Und nach einer Weile verabschiedeten wir uns als Brüder, Bruder Halil und Bruder Bernd.

Was brauche ich? Was fehlt mir?
Im Nachgang der Berlin-Erfahrungen möchte ich es ganz vorläufig so sagen:
Ich brauche immer wieder Ent-Müdung, Erweckung, Wachwerden.
Ich brauche Dinge und Orte und Menschen zum verlieben und lieben. Ich brauche Begegnungen, die guttun, mich neu erschließen.
Ich brauche die Erfahrung von Berlin. Die Erfahrung geheiligter Orte, die mich aufschließen für liebevolle Begegnungen. Und ich ahne, daß jeder Ort sich sehnt danach, als geheiligter Ort erkannt und geliebt zu werden, auch in mir. ”Brauchst du was?”, fragte mich ein rhythmisch swingender, fröhlicher Afrikaner im Volkspark Hasenheide, wo fast jeder Drogen anbietet. ”Danke, ich brauche nichts” war meine Antwort. Wie falsch das doch war. Ich brauche soviel. – Zum Glück haben wir dann doch noch ein wenig uns unterhalten und zusammen gelacht.
Und als ich an meinem Barfuß-Tag nahe beim Landwehrkanal mir eine Glasscherbe in die Ferse getreten hatte und dann offensichtlich eine kleine Blutspur hinter mir herzog bis an einen Hausrand, wo ich mich hingesetzt hatte, da kam nach einiger Zeit ein Mann auf mich zu ”Brauchen Sie Hilfe, ich habe Ihre Blutspur gesehen”, da antwortete ich zunächst ”Nein danke, ich bin in eine Scherbe getreten und will hier nur warten, bis sich eine Kruste gebildet hat”.
O doch, ich brauche Hilfe. Hilfe für mein Leben, ein Leben in Freiheit und Liebe. Ich brauche Aufmerksamkeit und Zuwendung, die von Gott und die von Menschen, die mir nachgehen, mir nachspüren, sich für meine ganz persönliche Lebensspur interessieren und sie mit mir anschauen.
Wie schön, daß es solche Menschen gibt. In Berlin bin ich ihnen begegnet. Menschen, die vielleicht einen oder einige Schritte weiter gegangen sind und deren Liebe zur Straße, zu Berlin mich angesteckt hat.
Gott sei Dank dafür, und auch Christian und Teresa, Petra und Stefan. Und ebenso Christiane und Klara Maria, Benedikt und Michael, wie auch Franz. Hedwig, Werner und Ulrike, die wie ich durch die Straßen gezogen sind.

Wie das nun weitergeht? — Am ehesten wohl ohne Schuhe, mit nackten Füßen.

Rönsahl, den 31.August 2003