Oskar, Maria Herwartz

Kriegsmarine, Kommandant U843, Bauingenieur, Bundesmarine, Seelsorger Militärpfarramt Bonn, Familienvater

1.1 Die Herkunftsfamilie
2 Der Berufsweg
2.1 Marineoffizier (A)
Verlust von U 843 und Kriegsende
2.2 Bauingenieur
2.3 Marineoffizier (B)
U 843 wird auf offener See gehoben
2.4 Seelsorgeauftrag in der Bundeswehr
2.5 Gesellschaftliche Verantwortung
3 Veröffentlichungen Bücher

*1. Januar 1915 in Hildesheim; † 2. September 2002 in Meckenheim, 1943-1945 Kommandant von U 843 (U 843 https://de.wikipedia.org/wiki/U_843), 1946-56 Ausbildung zum Maurer – Ingenieurschule – Bauingenieur in Hildesheim und Kassel, Bauorden, 1957 – 1970 Offizier in der Bundesmarine, als Pensionär Engagement mit einem Beratervertrag in der Militärseelsorge in Bonn, Vater von sechs Söhnen und Großvater von 18 Enkeln.

1 Die Herkunftsfamilie

Herwartz ist das erste von drei Kindern des Reichsbankdirektors Oskar Herwartz (1883 -1949) und seiner Frau Antonie, geborene Menshausen; beide römisch-katholisch.
Seine Geschwister: Wolfgang (1917–1945) und Elisabeth Paulsen (1921-19??).
Herwartz besuchte die Schule in Hameln, Koblenz, Düsseldorf, Goch, Kleve, Gaesdonck und Zittau, da der Vater bei jeder Beförderung in der Bank an einen neuen Ort versetzt wurde und legte 1935 das Abitur in Zittau an ab.
Sein Bruder Wolfgang Herwartz – Crew 37 – wurde Kommandant von U 1302. Als Herwartz aus der Internierung in Hildesheim eintraf, kam am selben Tag die Nachricht vom Tod seines Bruders mit der Besatzung am 7.3.1945 im St.-Georgs-Kanal. – Seine Eltern überlebten den Krieg und wohnten weiter im Reichsbankgebäude (An der Zingel, in Hildesheim). Sein Vater Oskar starb 1949, seine Mutter 1968 in Hildesheim.

2 Der Berufsweg
2.1 Marineoffizier (A)

Herwartz1 trat 1935 als Offiziersanwärter in die Reichsmarine ein und gehörte somit zur Crew 35. Nach der Grund- und Bordausbildung sowie dem Fähnrichslehrgang legte er die Offiziershauptprüfung ab. Anschließend wurde er bis Februar 1942 zur Luftwaf-fe kommandiert, die mit Wasserflugzeugen Seeaufklärung in der Nordsee flog. Von März bis August 1942 absolvierte er die U-Boot-Ausbildung, der von August bis Dezem-ber 1942 der Einsatz als Erster Wachoffizier auf der U-67 folgte. Herwartz absolvierte im Januar 1943 die Ausbildung zum U-Boot-Kommandanten bei der 24. Flottille. Im Fe-bruar begann die Baubelehrung für U 843, deren Kommandant Herwartz wurde. Nach dem Training in der Ostsee brach er am 15. Oktober 1943 zu seiner ersten Patrouille von Trondheim (Norwegen) aus auf .


Am 19. Februar 1944 fuhr U-8432von Lorient, Frankreich mit Fracht für den asiatischen Kriegsschauplatz beladen, darunter mit 110 t Blei und einer Schiffsschraube. Mit die-sem Balast operierte U-843 als Teil der U-Boot-Gruppe „Monsun“ im Indischen Ozean.3 Auf dieser Fahrt versenkte es am 8. April 1944 südwestlich von Ascension Island das britische Handelsschiff SS Nebraska mit 8261 BRT, von deren Besatzung zwei Mitglieder starben, während 66 Mann gerettet wurden. Oskar Herwartz ließ U 843 auftauchen und half den Schiffbrüchigen in ihren drei Rettungsbooten, Kurs in Richtung brasilianische Küste einzuschlagen.4 Am 10. April 1944 wurde das U-Boot von einem US-amerikani-schen Bomber Consolidated B-24 der US Navy Squadron VB-107 angegriffen und an den Heck-Torpedorohren beschädigt. Daraufhin fuhr das Boot direkt in Richtung Java. Am 11. Juni 1944 erreichte es den von den Japanern besetzten Hafen von Batavia, dem heu-tigen Jakarta. Am 13. Juni setzte es seine Fahrt fort und lief am 15. Juni in Singapur5 ein. Dort wurde das Schiff unter Mithilfe der Mannschaft zum Transporter für kriegswich-tige Güter umgebaut und kehrte am 2. Dezember 1944 nach Batavia zurück. In Batavia wurde U 843 mit 1,3 t Opium, 157,2 t Zinn, 4,5 t Molybdän, 30,8 t Kautschuk, 0,3 t Chinin und 49,47 t Wolfram beladen. Da die Schwesterschiffe kurz nach Auslaufen auf Grund von Sabotage versenkt wurden, kehrte Herwartz vom Probetauchen nicht zurück und begann sofort die Rückfahrt. Am 20. Dezember 1944 wurde U 843 südlich von Afrika von U 181 mit Treibstoff versorgt. Weiter ohne Funkkontakt, westlich an Afrika und Gibraltar vorbei konnte U 843 unentdeckt den Hafen von Bergen in Norwegen errei-chen, um ein krankes Besatzungsmitglied abzusetzen. Von dort wurde das Boot alleine ohne Bewaffnung nach Kiel geschickt6.
Herwartz erhielt das Eisernes Kreuz 2. Klasse, U-Boots-Kriegsabzeichen 1939, Eisernes Kreuz 1. Klasse.

Verlust von U 843 und Kriegsende

Bildergebnis für Oskar Herwartz

Im Kattegat westlich von Göteborg am 09.04.1945 wurde U 843 durch die Raketen eines britischen Mückenjägerbombers versenkt. Herwartz wurde mit der Turmbesatzung von dem kurze Zeit später aus Bergen kommenden Geleitzug gerettet und von Kiel aus in der Nähe von Rendsburg am Nordostseekanals interniert.
Am 09.04.1945 kamen ums Leben: (44 Männer) Addicks, Walter – Behrens,
Rudolf – Bekurts, Werner -_Benter, Franz – Böttcher, Siegfried – Eid, Hans-Peter – Greiffer, Josef – Hackfort, Karl – Hellwig, Konrad – Herrmann, Hans – Hess, Karl – Hillebrand, Heinrich – Hülser, Rolf – Dr. Kien, Erwin – Klein, Werner – Klotz, Helmut – Kohrt, Hans-Georg – Kreher, Werner – Kuffel, Herbert – Leinberger, Kurt – Malske, Erich – Markewitz, Maximilian – Mex, Rudolf – Newel, Gustav – Niemann, Willi –
Obermann, Willi – Ostermeier, Johann – Piehl, Rudolf – Pieler, Johann – Pielnick, Hubert – Piezocha, Paul – Preusse, Wolfgang – Rolf, BrunoRudowitz, Hans-EgonSchache, Alfred – Schreiner, Werner – Schwingers, Karl – Steckel, Siegfried – Steinmann, Ernst –
Stock, Friedrich – Stöcker, Georg – Theis, Werner – Weiss, Karl-Emil – Wölfel, Erich
siehe auch http://www.denkmalprojekt.org/u-boote/uboote_wk2/wk2_u843.htm2.2

2.2 Bauingenieur

Herwartz erfuhr in Hildesheim durch seine Frau von den Konzentrationslagern. Nun setzten sich beide für den Wiederaufbau Deutschlands ein: Nach einer Maurerlehre (Gesellenbrief vom 23.5.1947), studierte er in Hildesheim Tiefbau. Dann organisierte er den in Eigenleistung durchgeführten Siedlungsbau von Hannover (1947-1954) und von Kassel (1954-1957) aus. Dabei kooperierte Herwartz mit dem Bauorden78, der von Werenfried van Straaten9 zur Unterstützung von privaten und gemeinnützigen Bauten gegründet wurde. Der belgische Priester bekam den Spitznamen „Speckpater“, da er in seiner Heimat auch um Lebensmittel für Deutschland bat.

2.3 Marineoffizier (B)

1957 trat Herwartz als Korvettenkapitän in die Bundesmarine ein und war stationiert in Wilhelmshaven, Bonn (Verteidigungsministerium), Kiel und dann wieder in Bonn; Herwartz wurde vor allem im logistischen Bereich eingesetzt. 1970 wurde er als Kapitän zur See pensioniert.

U 843 wird auf offener See gehoben

1958 wird das 1945 versenkte Boot U 843 nördlich von Dänemark auf offener See aus
57 Meter Tiefe gehoben10, um die Fracht zu bergen (http://www.denkmalprojekt.org/u-boote/uboote_wk2/wk2_u843.htm).
Dieses wirtschaftliche Motiv fand Widerspruch, da das Boot kein Hindernis für die Schifffahrt darstellte, wurde es als Verletzung der Totenruhe angesehen.

2.4. Seelsorgeauftrag in der Bundeswehr

In Bonn bekam Herwartz nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst einen Be-ratervertrag in der Militärseelsorge11. Darin wurden seine Aufgaben in der Militärge-meinde Bonn12 festgelegt, wie der sonst Geistlichen vorbehaltene „Lebenskundlicher Unterrecht“ und Wochenkurse zu religiö-sen Themen. Den Ablauf eines Kurses stellte Herwartz in der Schrift „Gespräch mit dem Evangelis-ten Lukas“ vor, die Namen der Kursteilnehmer sind die Namen seiner Söhne, und publizierte den Text zusammen mit dem Aufsatz „Johanna“, der die Gespräche mit seiner Frau dokumentiert: Johanna ist im Neuen Testament die „Frau, des Chuzas, eines Beamten des Herodes.“ (Lk 8,3). Johanna zog mit Jesus durchs Land. Dass sie mit einem römischen Beamten verheiratet war, forder-te das Ehepaar Herwartz heraus: Was konnte diese Frau ihrem Mann vom Leben Jesu verständlich erzählen? Herwartz versuchte immer wieder Johanna aus seiner – mit ihrem Mann vergleichbaren Situation – zuzuhören und schrieb das Wahrgenommene auf. Er nannte die Aufzeichnungen „Das Evangelium (Die frohe Botschaft) nach Johanna“. Die beiden Schriften wurden 2000 zusammen veröffentlicht.131415

Auch in über 20 weiteren Abhandlungen1617 wird sein Ringen um eine angemessene Verkündigung deutlich. Im neuen Leben des König Abgar, dessen Geschichte er in die Zeit der Apostel verlegte, fragt sich der König, wie er mit der Lehre Jesu sein Königreich organisieren kann.18 Im Ringen um eine zeitgemäße Auslegung der Glaubenszeugnisse entstand auch der Text „Jona muss nach Ninive“. In diesem Kommentar zum biblischen Buch Jona wird die spekulative Freude von Herwartz an Bibelexegetische Themen aufs Neue deutlich. 19

2.5. Die weitere gesellschaftliche Verantwortung

Herwartz suchte in jeder Etappe seines Lebens, die ihm beruflich anvertrauten Mög-lichkeiten – die Rettung Schiffbrüchiger, die Kameradschaft im Boot, der Wiederaufbau nach dem Krieg, Mitverantwortung gegenüber Problemen in der 3. Welt – im Blick auf eine gerechtere Welt zu erkennen und wahr zu nehmen. In diesem Geist wurde er auch Vater, Großvater, Urgroßvater; die Familie Herwartz[6] wuchs: In Hildesheim wurden der Sohn Wolfgang (1946) geboren, wo er später auch Bauingenieur wurde; Thomas (1952) und Matthias (1955), sie wurden beide Lehrer, und in Kassel die Zwillinge (1958) Martin und Michael, die beide Sozialarbeit studierten. Darüber hinaus nahm die Fami-lie Menschen auf zum Mit-lebten, wie ein Medizinstudenten aus Togo oder ein Junge aus einer zerstörten Familie. Die sich darüber ergebenden Bekanntschaften wurden gepflegt und führten zu internationalen Beziehungen. – Ebenso hielt Herwartz den Kontakt zu den Überlebenden und den Angehörigen von U 843 aufrecht.

Die eigenen Wohnorte – Hildesheim, Wilhelmshausen bei Hann. Münden, Brühl bei Köln, Kiel, Meckenheim – erweiterten sich um die Wohnorte der fünf Söhne und ihrer Familien, die das Ehepaar Herwartz mit ihrem Wohnwagen aufsuchte. Mit besonderer Aufmerksamkeit wurden jeweils die Schwiegertöchter in die Familie aufgenommen und ebenso die 18 Enkelkinder, die mit viel Kontakt untereinander aufwuchsen. Der älteste Sohn Christian blieb unverheiratet und trat in den Orden der Jesuiten ein. Während seines Einsatzes in der Aluminiumverarbeitung in Toulouse wurde er 1976 in Frankfurt/Main zum Priester geweiht. Von dort zog er nach Paris und dann nach Berlin, wo er als Dreher und Lagerarbeiter Arbeit fand und mit einigen Mitbrüdern eine neue, gastfreundliche Ordenskommunität in Berlin-Kreuzberg gründete. Ab 2000 wurde er als Rentner mit den Exerzitien auf der Straße 2021 bekannt. In der darüber entstandenen Basisbewegung der Begleiter und Begleiterinnen engagierte sich auch Michael der jüngste Bruder mit seiner Frau Marita.

In Meckenheim bei Bonn, seinem letzten Wohnort, organisierten Herwartz mit seiner Frau jedes Jahr in dem von Missionsschwestern geführten Altenheim und Kindergarten22 einen Basar zur Unterstützung von Menschen in Brasilien. Während des ganzen Jahres stellten Gemeindemitglieder mit dem Ehepaar Herwartz Gegenstände für den Basar her. Darüber entstanden Freundschaften auch zu den Menschen im Altersheim. Herwartz starb dort 2002 und 2015 auch seine Frau Anneliese 2324.

Kategorie: U-Boot; Kriegsmarine; Bauberuf; Wiederaufbau; Kapitän zur See (Marine der Bundeswehr); Seelsorge; Vaterschaft; Bauorden, Mission

3.1. Bücher

Oskar Herwartz, Johanna und ein Gespräch mit Lukas. Bernardus-Verlag, Langwaden 2000, ISBN 978-3-910082-15-1 (231 S.)

Egbert Thomer: Unter Nippons Sonne. Nach Aufzeichnungen und Berichten von Oskar Herwartz. Köhler-Verlag, Minden 1959 (248 Seiten; Deutsche U-Boote, Blockadebrecher und Basen in Fern Ost).

1 http://www.u-boote.fr/herwartz.htm
2 https://de.wikipedia.org/wiki/U_843
3 41 deutsche U-Boote fuhren oft mit Transportaufgaben nach Fernost. Von ihnen kamen nur sechs nach Europa zurück und nur zwei von ihnen lieferten ihre Fracht erfolgreich ab. http://www.uboataces.com/articles-fareast-boats6.shtml
4 Der Dank für ihre Rettung erreicht Herwartz nicht mehr, doch sein Sohn Wolfgang erhielt ihre Nachricht.
5 Egbert Thomer: Unter Nippons Sonne. Nach Aufzeichnungen und Berichten von Fregattenkapitän Oskar Herwartz. Wilhelm Köhler, Minden 1959, ISBN ohne ISBN(?!), S. 248.
6 Dieser unsinnige Befehl verärgerte Herwartz im Andenken an die Mannschaft bis in seinen eigenen Tod, denn das Boot hätte im Schutz des Geleitzuges Kiel erreichen können.
7 http://bauorden.eu/ Später nahm sein Sohn Christian an Bauordenlager in Münster-schwarzach (Neubau einer Schule) und in Florenz (Renovierung eines Klosters) teil
8 http://bauorden.eu/wp-content/uploads/2016/10/Bauorden_60_interaktiv.pdf
9 http://www.kathpedia.com/index.php/Werenfried_van_Straaten, https://de.wikipedia.org/wiki/Werenfried_van_Straaten
10 https://www.filmothek.bundesarchiv.de/video/584300?set_lang=de
11 Beratervertrag 14. August 1973 zwischen dem Generalvikariat des katholischen Mili-tärbischofs und Kapitän zur See a.D. Oskar Herwartz, Nachweis: Archiv des Katholi-schen Militärbischofs IV/E.2.1 Nr.32; Tätigkeitsbericht 3.4.1978 Nachw.: IV/E.2.1 Nr. 32.
12 Oskar Herwartz: Bogota/Kolumbien. 2019, abgerufen am 15. Dezember 2019
13 Oskar Herwartz: Johanna und Ein Gespräch mit Lukas. Mainz 2000, ISBN 978-3-910082-15-1, S. 232.
14 Oskar Herwartz: Johanna und Ein Gespräch mit Lukas. Mainz 2000, ISBN 978-3-910082-15-1, S. 232.
15 Buchbesprechung: Herwartz, Oskar: Johanna und Ein Gespräch mit Lukas. Langwa-den: Bernardus-Verlag 2000. 231 S., 19,80 DM. (Abschrift) Auf seiner Wanderschaft wur-de Jesus auch von einigen Frauen begleitet. Johanna wird im Lukasevangelium (8,3) mit Namen genannt. Sie war mit Chuzas verheiratet, einem Beamten des Herodes. Diese Notiz hat Oskar Herwartz, ein Marineoffizier und Bauingenieur, dazu angestoßen, zu-sammen mit seiner Frau der Frage nachzugehen: Wie wird Johanna ihrem Mann von der Botschaft Jesu er-zählt haben und was konnte er davon verstehen? Die Eheleute ha-ben die Bibel mit dieser Perspektive neu gelesen. Das eige-ne beamtete, durchaus nicht immer sesshafte Leben wird für den Autor zur Anfrage. Wie muss er aufbrechen, damit er in seiner beruflichen und standesgemäßen Eingegrenztheit die befreiende Botschaft Jesu hören und leben kann? Das Gespräch des heutigen Ehepaars spiegelt sich in der nun vor uns liegenden Erzählung der „historischen“ Johanna wieder. Bekannte bibli-sche Berichte werden in einer gut lesbaren modernen Sprache aus der Perspektive ei-ner Zeitzeugin neu erzählt und gedeutet. Höhepunkt der Erzählung ist ein Brief, in dem die Ereignisse des Pfingstfestes beschrieben wer-den. Für den Autor wird dieses über-wältigende Ereignis durch den Mut der Apostel möglich, erstmals treu dem Auftrag Jesu das Abendmahl zu feiern. Darüber erleben die Anwesenden die Gegenwart Jesu in allen Kulturen und Sprachen. In diesem ersten Buch des 86jährigen Autors spiegelt sich auf sehr ansprechende Weise seine Lebenserfahrung wieder und der Wunsch, seiner gro-ßen Familie ein persönliches Glaubenszeugnis zu geben. In einer zweiten Erzählung „Ein Gespräch mit Lukas“ setzt er sich in der Form einer biblischen Seminarwoche mit den Texten des Lukasevangeliums auseinander. Welches Interesse hat Lukas bei der Abfassung seiner Schrift verfolgt, wird für alle Beteiligten die mitreißende Frage. Schwerpunkte werden herausgearbeitet und Vergleiche mit anderen Evangelien ange-stellt. Die Teilnehmer dieses Seminars haben die Namen seiner sechs Söhne, fünf Schwiegertöchter und achtzehn Enkelkinder. In einem Frage- und Antwortspiel lässt er sie die biblischen Aussagen entdecken. Gleichzeitig stellt er ganz nebenbei sein eigenes Vorgehen beim Schreiben der Erzählung ,Johanna‘ dar. Auch Lukas war – ebenso wie wir heute – kein Zeuge der Ereignisse. Er konnte noch im Blick auf seine Adressaten Zeitzeugen aufsuchen und sie befragen. Nun geht der Autor mit seinen Lebenserfah-rungen und dem Blick auf seine Mit-menschen ebenso der Botschaft Jesu nach, wählt Schwerpunkte des in ihm gewachsenen Glaubens aus und schreibt sie neu auf. Das Buch lädt zum eigenen Entdecken der Erzählungen über das Leben Jesu ein und ist ein Zeugnis der Glaubensweitergabe, die in die Selbstständigkeit entlässt. „Was hörst und siehst Du auf dem Hintergrund Deiner Lebenser-fahrung, wenn Du die Bibel liest?“ könnte unter dem Titel des Buches stehen. Christian Herwartz SJ
aus: Geist und Leben 75 (2002) Seite 155f https://www.echter.de/zeitschriften/geist-und-leben/archiv-geist-und-leben/chronologisches-archiv
16 http://www.herwartz-titz.de/index.html
17 Die Titel: Die Frau am Brunnen, Die Ehebrecherin, Adam und Eva, Eine andere Welt, Die Schlange, Die Geburt, Grashalm, Brief des Lukas an Theophil, Sophia und das letzte Gericht, Johanna, Nachtrag zum Buch, Wasser aus dem Felsen, Der Künstler, Vor 3000 Jahren, Besuch in der Pfarrkirche in Meckenheim, Spurensuche in der Christopherus-kapelle in Rheinbach, Gebet einer alten Nonne aus dem 17. Jahrhundert, Die Lüge,
Was Benedikt einem Kapitän der Bundeswehr sagen kann, Pech, Soziale Kusswirtschaft, Warum
18 Herwartz nennt Lebensinhalte seines Namenspatrons Ansgar und spricht mit ihm über die jetzige Lage der Kirche.
19 https://nacktesohlen.wordpress.com/kuenstler/oskar-herwartz/oskar-herwartz-1-1-15-2-9-02-das-buch-jona-1-jona-muss-nach-ninive-2-uberall-ist-ninive-uberall-ist-josa/
20 https://www.strassenexerzitien.de/
21 Christian Herwartz / Maria Jans-Wenstrup / Katharina Prinz / Elisabeth Tollkötter / Josef Freise (Hg.): Im Alltag der Straße Gottes Spuren suchen. Persönliche Begegnungen in Straßenexerzitien. 2016. Neukirchner, Neukirchen, ISBN 978-3-7615-6270-3, S. 176.
22 http://www.sh-st-josef.de/start/