ITP beim III. Welttreffens der Sozialen Bewegungen am 5. 11.16 in Rom

„habt keine Angst euch in die wichtigen Debatten einzumischen!”, so ermutigte Papst Franziskus die TeilnehmerInnen des von ihm initiierten III. Welttreffens der Sozialen Bewegungen am 5. November in Rom, an dem auch MitarbeiterInnen des ITP als einzige deutschsprachige VertreterInnen teilnahmen. Wir hatten die Möglichkeit, uns an den Diskussionen und am Panel zum Thema Flucht und Migration aktiv zu beteiligen (bei Radio Vatikan gab es ein Interview unserer MitarbeiterInnen Julia Lis und Michael Ramminger: http://de.radiovaticana.va/news/2016/11/05/treffen_der_sozialbewegungen_im_vatikan_demokratie_entwicke/1270260). Bei einer großen Abschlussveranstaltung mit ca. 5000 TeilnehmerInnen aus allen Kontinenten der Welt und unterschiedlichster Weltanschauungen wurde Franziskus die von den VertreterInnen der Bewegungen erstellte Abschlusserklärung übergeben: „Die vom System ausgeschlossenen, Männer und Frauen, die sich auf diesem III. weltweiten Treffen der Sozialen Bewegungen getroffen haben, erklären, dass der gemeinsame und strukturelle Grund der sozialen Krise und der Umweltkrise die Tyrannei des Geldes, d.h. des herrschenden kapitalistischen System und eine Ideologie ist, die die menschliche Würde nicht respektiert” – so die ersten Sätze der Erklärung. Neu nahmen beim III. Welttreffen die Themen Demokratie und Flucht und Migration einen zentralen Stellenwert ein. Um gegen den Ausschluss von MigrantInnen und Geflüchteten sowie gegen die Fremdenfeindlichkeit vorzugehen, forderten die TeilnehmerInnen ein universelles Bürgerrecht für alle, „die sich gezwungen sehen, ihren Herkunftsort zu verlassen“.

Papst Franziskus ging in seiner Rede (http://www.itpol.de/?p=2451#more-2451) darauf ein, bezeichnete das Mittelmeer als einen „Friedhof” und verurteilte diese „schmachvolle Situation”. Als Hauptursache der Migration benannte er “ein ungerechtes sozio-ökonomisches System und kriegerische Konflikte”, die viele von jenen mitverursacht hätten, die sich heute weigern, Geflüchtete zu empfangen. Auch zur aktuellen Krise der repräsentativen Demokratien fand der Papst klare Worte: „Die Kluft zwischen den kleinen Leuten und unseren derzeitigen Demokratie-Formen wird immer größer, weil Wirtschafts- und Mediengruppen sie mit ihrer enormen Macht zu dominieren scheinen.“ Unter der Überschrift „Terror und Mauern“ sprach er von einem „grundlegenden Terrorismus“, der aus „der globalen Kontrolle“ hervorgeht, „die das Geld über die Erde ausübt und die ganze Menschheit in Gefahr bringt.“ Er wies damit die These zurück, dass die Religionen alleine für fundamentalistischen Terrorismus verantwortlich seien.

Ein Vorschlag der TeilnehmerInnen des Treffens war es, dass nach dem Vorbild des Welttreffen nun auch in Europa die Kirche vor Ort solche Zusammenkünfte mit VertreterInnen der Sozialen Bewegungen ermöglicht. Auch hier könnte die Möglichkeit entstehen, dass die Bewegungen darin unterstützt werden, einen Prozess der Veränderungen voranzutreiben, „in dem Millionen von großen und kleinen Aktionen kreativ miteinander verbunden zusammenlaufen können” – wie es Papst Franziskus ausdrückt.

Seit dem ersten dieser Treffen der Sozialen Bewegungen, die auf die Initiative des Papstes zurück gehen, haben wir im ITP die Ergebnisse mit großem Interesse wahrgenommen und darin wichtige Bezüge zur eigenen befreiungstheologischen Arbeit gesehen. Nun sind wir gespannt abzuwarten, welche weiteren Dynamiken das Welttreffen der Sozialen Bewegungen auf internationaler, europäischer und lokaler Ebene noch auslösen wird.

Mit freundlichen Grüßen zum Advent,

Ihr/Euer ITP-Team

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