Papst in Schweden – historische Visite

Das Logo der Papstreise: Christus im Zentrum – Kruzifixsymbol gestaltet vom salvadoranischen Künstler Christian Chavarria Ayala – RV 31/10/2016 09:26
Es ist ein historisches Ereignis, das zur Sternstunde der Ökumene werden könnte: Papst Franziskus erinnert an diesem Montag und Dienstag in Schweden an die Reformation, Seite an Seite mit Spitzenvertretern des Lutherischen Weltbundes.

Erster Höhepunkt an diesem Montag: Eine ökumenischen Gedenkveranstaltung in Lund zum 500. Jahrestag des „Thesenanschlags“ des Reformators Martin Luther. Bei dieser Gelegenheit nimmt der Papst gemeinsam mit dem Präsidenten des Lutherischen Weltbundes, dem jordanischen Bischof Munib Younan, und Generalsekretär Martin Junge an einem Ökumenischen Gebet zum Reformationsgedenken in der lutherischen Bischofskirche von Lund teil. Anschließend steht eine ökumenische Veranstaltung im Stadion von Malmö auf dem Programm, bei der eine Erklärung unterzeichnet werden soll, die das gemeinsame Zeugnis der beiden Konfessionen in der Welt ins Zentrum stellt. Am Dienstag feiert Franziskus zu Allerheiligen mit Katholiken eine Messe in Malmö, bevor er nach Rom zurückfliegt.

Franziskus startete an diesem Montag gegen 8.20 Uhr vom römischen Flughafen Fiumicino aus an Bord eines gecharterten Flugzeugs der italienischen Gesellschaft Alitalia Richtung Malmö. Nach einer Begrüßung durch den schwedischen Ministerpräsidenten Stefan Löfven in Malmö stattet der Papst am Mittag auch dem schwedischen Königspaar, König Carl Gustaf und Königin Silvia, einen Höflichkeitsbesuch ab.

Große Erwartungen

Die ökumenischen Erwartungen an diese 17. Auslandsreise des Papstes sind nicht gering. Selbst der vatikanische Ökumene-Verantwortliche, Kardinal Kurt Koch, schloss die Möglichkeit nicht aus, dass es neue Vereinbarungen beider Konfessionen zur gegenseitigen Teilhabe am Eucharistischen Tisch geben könne. Der Papst selbst hatte sich im Vorfeld der Visite eher zurückhaltend zu möglichen Fortschritten im theologischen Gespräch geäußert. Franziskus setzt stärker aufs gemeinsame Tun: Der theologische Dialog sei zwar bedeutsam, sagte er vor Abreise in einem Interview mit einer schwedischen Jesuitenzeitschrift. Wichtiger aber sei es, gemeinsam zu beten und gemeinsam Werke der Barmherzigkeit zu tun: „Etwas gemeinsam zu tun, ist eine hohe und wirksame Form des Dialogs.“ Franziskus denkt hier vor allem an gemeinsamen Einsatz gegen negative Auswüchse des Säkularismus wie etwa Glaubensferne, Konsumgier und Egoismus.

Kleine Kirche in Expansion

Nur ein verschwindend geringer Teil der Schweden ist katholisch, etwa 113.000 katholische Gläubige zählt die katholische Kirche im Land. Das entspricht rund einem Prozent der Bevölkerung. Bis zum Jahr 2000 war die lutherische bzw. Schwedische Kirche noch Staatsreligion, ursprünglich auf Betreiben des schwedischen Königs Gustav I. im 16. Jahrhundert. Die einzige Diözese ist Stockholm, die direkt dem Heiligen Stuhl untersteht. Aktuell wird sie durch den Karmeliter Anders Arborelius verwaltet. Sie ist Mitglied in der Nordischen Bischofskonferenz, der die sieben skandinavischen Bistümer in Schweden, Dänemark, Finnland, Island und Norwegen angehören. Die katholischen Gläubigen in Schweden sind vor allem Immigranten, unter ihnen insbesondere Gläubige polnischer, kroatischer und südamerikanischer Herkunft. Vor besondere Herausforderungen sieht sich das Bistum Stockholm in jüngerer Vergangenheit durch den verstärkten Zuzug katholischer Gläubiger der Ostkirchen gestellt. Für sie werden nach besten Kräften Messen der verschiedenen Riten angeboten, doch Priester sowie Kirchenräume sind knapp. In einem stark säkularisierten Umfeld wie Schweden verzeichnet die katholische Kirche in den letzten Jahren auch dank des Zuzugs der Gläubigen der Ostkirchen eine positive Tendenz. Hinzu kommen zahlreiche Konversionen von Lutheranern, die sich dazu entschließen, den katholischen Glauben anzunehmen.

(rv 31.10.2016 pr/cs)

Newsletter von Radio Vatikan – 31.10.2016

PAPST FRANZISKUS IN SCHWEDEN
GEMEINSAME ERKLÄRUNG VON LUND:

Der Vatikan und der Lutherische Weltbund (LWB) wollen ihre theologischen Bemühungen um ein gemeinsames Abendmahl vertiefen. Das steht in der der Gemeinsamen Erklärung, die Papst Franziskus und der Präsident des Lutherischen Weltbundes, Bischof Munib Younan, am Montag im schwedischen Lund unterzeichneten. Während eines ökumenischen Gebets in der lutherischen Kathedrale von Lund forderten Franziskus und LWB-Generalsekretär Martin Junge am Montag mehr Anstrengungen für eine Überwindung der noch bestehenden Differenzen. (rv)

Papst in Schweden – historische Visite
Es ist ein historisches Ereignis, das zur Sternstunde der Ökumene werden könnte: Papst Franziskus erinnert an diesem Montag und Dienstag in Schweden an die Reformation, Seite an Seite mit Spitzenvertretern des Lutherischen Weltbundes. Erster Höhepunkt an diesem Montag: Eine ökumenischen Gedenkveranstaltung in Lund zum 500. Jahrestag des „Thesenanschlags“ des Reformators Martin Luther. (rv)
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Die Ökumenische Erklärung von Lund
„Viele Mitglieder unserer Gemeinschaften sehnen sich danach, die Eucharistie in einem Mahl zu empfangen als konkreten Ausdruck der vollen Einheit“, heißt es in der Gemeinsamen Erklärung. Im Rahmen des ökumenischen Gottesdienstes in der Kathedrale von Lund wurde dieses Dokument unterzeichnet. Wir dokumentieren den Text hier in der offiziellen deutschen Übersetzung. (rv)
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Der Ökumenische Gottesdienst in Lund
„Laudate Dominum“ –  „Lobet den Herrn, alle Völker“: Mit dem Psalmgesang begann der außergewöhnliche Gottesdienst in der mittelalterlichen Kathedrale. Franziskus zog zusammen mit der lutherischen Erzbischöfin Antje Jackelén, dem katholischen Stockholmer Bischof Anders Arborelius und den Spitzenvertretern des Lutherischen Weltbunds in das Gotteshaus ein. Das Event wurde live auf der Homepage des Weltbundes übertragen. (rv)
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Papstpredigt in Lund: Reformationsgedenken ist eine Chance
„Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch“: Über dieses Jesuswort aus dem Johannesevangelium (Kap. 15,4) predigte der Papst beim ökumenischen Gottesdienst von Lund. Franziskus würdigte Martin Luther als einen Christen, der die entscheidende Frage nach Gott neu ins Zentrum gestellt habe. Katholiken und Lutheraner hätten „begonnen, auf dem Weg der Versöhnung voranzugehen“, so der Papst. „Jetzt haben wir im Rahmen des gemeinsamen Gedenkens der Reformation von 1517 eine neue Chance, einen gemeinsamen Weg aufzunehmen…“ Es gehe darum, „Kontroversen und Missverständnisse zu überwinden“ und mehr für die Einheit zu tun. (rv)
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Die Papstpredigt in der Kathedrale von Lund
Die Papstpredigt anlässlich des gemeinsamen ökumenischen Gebetes in der Lutherischen Kathedrale von Lund am 31. Oktober 2016 dokumentieren wir hier in offizieller deutscher Übersetzung. (rv)
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Feier in Lund: Die Mühen der ökumenischen Ebene
Spektakuläre Gesten waren es nicht, eher ein gemeinsames Zeugnis für den gemeinsamen Glauben, das in Lund an diesem Montag gefeiert wurde. Historisch zwischen Lutheranern und Katholiken. (rv)
Ein Kommentar aus Lund von Pater Bernd Hagenkord SJ

PAPST FRANZISKUS IN SCHWEDEN
ÖKUMENISCHE FEIER IN MALMÖ:

Erst der ernste, gemeinsame Gottesdienst in Lund, dann – viel bunter, viel vergnügter, wenn auch nicht ganz ohne ernste Momente – ein Event in der Malmö Arena. Eine „Ökumene der konkreten Taten“ wurde an diesem Montag vor den Augen der Weltöffentlichkeit besiegelt. Caritas Internationalis und der Hilfsdienst des Lutherischen Weltbundes verpflichteten sich im Anschluss an das ökumenische Treffen in der Malmö-Arena dazu, in Zukunft enger zusammenzuarbeiten. (rv)

Ökumenisches Event in Malmö: „Ein neuer Anfang“
10.000 Menschen fasst die Malmö-Arena: Es war ein Ökumene-Event mit einem konfessionell bunt gemischten Publikum. Katholiken und Lutheraner bezeugen gemeinsam Gottes Barmherzigkeit und arbeiten zusammen zum Wohl der geplagten Menschheit, das war der rote Faden von Malmö. Bei aller Ausgelassenheit aber gab es doch auch eindringliche Momente. Eine 26-Jährige aus Indien berichtete in einer kurzen Ansprache von katastrophalen Überschwemmungen in ihrer Heimat in den letzten Jahren; sie bat die Kirchen deswegen, sich stärker für Klimaschutz zu engagieren. Ein Caritas-Vertreter aus Kolumbien erzählte vom stockenden Friedensprozess und dem unvorstellbaren Leid, das fast ein halbes Jahrhundert des Bürgerkriegs über die Menschen in Kolumbien gebracht habe. (rv)
Malmö: Zeugnisse für Frieden und ökumenischen Einsatz
Der Kampf gegen den Klimawandel, der Einsatz für Versöhnung in Kolumbien, die Hilfe für Bürgerkriegswaisen in Burundi und die Notwendigkeit, Flüchtlingen ein menschwürdiges Leben und Perspektiven zu ermöglichen: Das waren die Kernaussagen der vier Zeugnisse, die an diesem Montag in der Malmö-Arena vorgetragen worden sind. (rv)
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Ökumenische Erklärung: „So dass die Welt glaube“
Katholiken und Lutheraner wollen gemeinsam die Barmherzigkeit Gottes bezeugen, und zwar durch den Dienst für die Welt: Das ist der Kern der Absichtserklärung, welche der World Service des Lutherischen Weltbundes und Caritas Internationalis an diesem Montag in Malmö im Beisein von Papst Franziskus unterzeichnet haben. Caritas Internationalis ist die Konföderation aller nationalen Caritas-Verbände, gleichzeitig agiert der Dachverband für die Weltkirche. Der World Service ist der diakonale Arm des Weltbundes und auch direkt vor Ort engagiert, vor allem in der Hilfe für Flüchtlinge. (rv)
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Ökumenisches Zeugnis von Hilfswerken: Together in Hope
Caritas-Generalsekretär Michel Roy und der lutherische Hilfsdienst „World Service“ in Person seiner Präsidentin Maria Immonen unterzeichneten offiziell die Absichtserklärung mit dem Titel „Together in Hope“, in der die Grundlagen für eine auch institutionell verankerte Kooperation der beiden großen glaubensbasierten Hilfswerke festgehalten sind. Am 500. Jahrestag der Reformation, heißt es in der Übereinkunft wörtlich, hätten der LWB und die Katholische Kirche „weitere Schritte zu einer Versöhnung unternommen.“ Der gemeinsame Dienst am Nächsten diene auch dazu, ihrem Einsatz auf der „Suche nach Einheit Ausdruck zu verleihen und zu stärken“. (rv)

Die Papstansprache in der Arena von Malmö
Wir dokumentieren hier die Papstansprache in der Sport- und Konzertarena von Malmö in der offiziellen deutschen Übersetzung, gehalten am 31. Oktober 2016 anlässlich einer ökumenischen Begegnung. (rv)
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Die Ökumenische Erklärung „Together in Hope“
Die Ökumenische Erklärung „Together in Hope“ – ein Ergebnis der Papstreise nach Schweden. Wir dokumentieren hier den Text auf Deutsch. (rv)
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PAPST FRANZISKUS IN SCHWEDEN
HINTERGRÜNDE:

Schwedens Presse: Erwartungen an den Papstbesuch
Am Tag der Reise von Papst Franziskus nach Malmö und Lund widmen die schwedischen Tageszeitungen der Papstreise in ihrer Berichterstattung zwar Doppelseiten. Eine Begeisterung, die etwa mit den Besuchen Benedikts XVI. in Deutschland vergleichbar wäre, ist in Skandinavien allerdings nicht zu spüren. (rv)
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Ökumene in Schweden: Zwei sehr unterschiedliche Partner
Die katholische Kirche Schwedens nutzt etwa 100 lutherische Kirchen, um dort die heilige Messe zu feiern. Einen deutlicheren Kommentar über die Zusammenarbeit von Christen in diesem säkularisierten Land kann man kaum geben. Bischof Anders Aborelius betonte diese Zahl bei der Pressekonferenz zu Beginn der Feierlichkeiten in Lund. Aber damit steht er nicht allein: „Ich denke, dass die ökumenische Großwetterlage sehr gut ist“, sagt Pater Ulf Jonsson, Mitarbeiter der einzigen katholischen Hochschule des Landes, dem „Newman Institut“ in Uppsala, und vor einigen Tagen erst mit einem in Schweden Aufsehen erregenden Interview mit dem Papst an die Öffentlichkeit getreten. (rv)
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Drehbuch der Ökumene: Vom Konflikt zur Gemeinschaft
Das Sprechen über die Reformation muss Jesus Christus in die Mitte stellen, nicht die jeweils eigene Konfession. Mit dieser Einsicht beginnt ein Dokument, das so etwas wie das Drehbuch des Reformationsgedenkens in Lund und Malmö ist. Bereits 2013 vorgestellt war es lange unbeachtet geblieben, erst durch die gemeinsame Einladung von Katholiken und Lutheranern zu einem Gottesdienst in Lund hat es Prominenz gewonnen. (rv)
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Der Papst in Schweden: Die Live-Übertragungen
Der Papst ist an diesem Montag und Dienstag in Schweden, um dort gemeinsam mit den Spitzen des Lutherischen Weltbundes an die Reformation zu erinnern. Radio Vatikan überträgt live und mit deutschem Kommentar. Danach stehen für Franziskus in Rom einige Termine auf dem Programm. Hier finden Sie einen Überblick. Zu Schweden besteht keine Zeitverschiebung. Die Live-Übertragungen sind in Bild und Ton über den Vatikan-Player zu verfolgen. (rv)
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Papstgrüße aus der Luft an die deutsche und die österreichische Bevölkerung: Auf seinem Weg nach Schweden hat der Papst beim Überfliegen der Bundesrepublik ein Grußtelegramm an den deutschen Bundespräsidenten Joachim Gauck gerichtet. „Ich sende Ihrer Exzellenz und der deutschen Bevölkerung herzliche Grüße, während ich Ihr Land auf dem Weg zu einem Pastoralbesuch in Schweden überfliege“, heißt es in dem auf Englisch verfassten Text. Darin erbat Franziskus Segen für Deutschland und wünschte Frieden und Wohlergehen. Ähnliche Worte richtete Franziskus an Österreich. Er bete dafür, dass Gott den Bürgern in Österreich Frieden und Stabilität gebe und die Nation segne, so der Papst. Der Papst pflegt Grüße an die Länder auszurichten, die er bei seinen Reisen überfliegt. (rv)

Der Reformator Martin Luther (1483-1546) war nach den Worten des Göttinger Historikers Thomas Kaufmann ein Kommunikationsgenie. Luther habe sich der in seiner Zeit modernen Medientechnologien rückhaltlos bedient und seine Ablassthesen bewusst über die enge universitäre Öffentlichkeit hinaus verbreitet, schreibt der Reformationsexperte am Montag in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Auch später habe er im Konflikt mit Papst und Kaiser immer wieder die „publizistische Flucht nach vorn“ angetreten – schon um sein eigenes Leben zu retten. Kaufmann betont, Luther habe bei der Veröffentlichung seiner Ablassthesen im Herbst 1517 „hochgradig bewusst und absichtsvoll“ gehandelt und seinen „gefährlichen Ideen“ eine breite Öffentlichkeit über Wittenberg und das Universitätsmilieu hinaus verschafft. (kna)