Generationswechsel nötig

Am 1. September 2014 schrieb ich dem deutschlandweiten verantwortlichen Jesuiten (Provinzial) Stefan Kiechle SJ:

Lieber Stefan,
vor acht Monaten ist Franz Keller gestorben. Nach einer längeren Phase der Dankbarkeit über die gemeinsame Zeit mit ihm und die Botschaft seines Lebens habe ich begonnen, die Dokumente der 36jährigen Geschichte unserer Kommunität zu sichten und fürs Archiv zu sichern. Aber auch die anderen Engagements, besonders die Begleitung von Exerzitien-kursen an unterschiedlichen Orten, haben wieder begonnen.

Da ich die Kommunität jeweils ohne Ansprechperson zurücklassen muss – Franz Keller war ein solcher Rückhalt -, sind diese Reisen oft nicht mehr zu verantworten. Ich muss anfangen abgesprochene Termine abzusagen und neue nicht mehr anzunehmen.

Wahrscheinlich brachte diese ungeklärte Situation bei uns eine Frau, die sich sehr auf die Anwesenheit von Franz Keller gestützt hat, in die Gefahr, dass sie beinahe gegen ihren Willen in Psychiatrische Behandlung gebracht werden musste. Dieser Vorgang hat mir nochmals die Augen geöffnet. Ich konnte die Situation mit Klaus Mertes besprechen und sehe jetzt deutlich: Ich bin alleine den anstehenden Fragen in der Kommunität zunehmend nicht mehr gewachsen. Meine fortschreitende Krankheit mahnt ebenfalls zu einem Umdenken. Ich sehe aber auch meine/unsere Verantwortung gegenüber den beherbergten, oft in die Enge getriebenen Bewohner der WG, die durch eine Schließung der Kommunität den notwendigen Schutz verlieren würden.

Ich benenne damit meine Überforderung.

Wenn sich keine alternative Lösungen zeigt, dann sollte ein Termin für das mögliche Ende der Kommunität benannt werden. 18 Monate Vorbereitung wären nach meiner Meinung dann wenigstens nötig, diese Entscheidungen um zusetzen.

Ich bitte Dich um ein Gespräch. Mir liegt weiter der 1978 erteilte missionarische Auftrag und der eingeschlagene Weg der Inkulturation am Herzen und ich freue mich, wenn Mitbrüder dieses Engagement einmal ohne Altlasten fortsetzen können.

Herzliche Grüße
Christian

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In der WG-Naunynstraße kam dieser Schritt für viele nicht überraschend. Doch auch bei aller gefaßten erwachsenen Reaktion, wurden vielerlei Gefühle und Ängste geäußert, als der Brief am Dienstag den 9. September 14 intern verlesen wurde.

Am 24.9.14 ist in München ein Gespräch mit P. Stefan Kiechle geplant.

Ich hoffe auf Menschen, die mit eigenen Ideen die hier entstandene Gemeinschaft weiterführen wollen. Ob ich dann noch einen Platz darin habe oder auch nicht macht mir keine Angst. Das ist jetzt kein Thema für mich. Doch ich habe neben der geordneten Übergabe – notfalls auch der Schließung – den Wunsch, noch Anfang 2016 ein Fest der Dankbarkeit zu feiern und nochmals alle einzuladen, eine Geschichte aus ihrem Leben aufzuschreiben, die zusammen wieder in einem Buch zugänglich sein soll, wie es schon zweimal geschen ist: Gastfreundschaft, Geschwister erleben.