Beispiele

Der Kreuzweg in Kaisersesch (Mosel) ist am Freitag 8.4.11 um 18 Uhr wie folgt geplant. (siehe auch Veröffentlichungen)

Misereor-Kreuzweg 2011

Bitte grundsätzlich auf langsames Lesen und auf die Stillezeiten (1Minute) achten!

Einleitung:

Ich begrüße Sie recht herzlich zum diesjährigen Misereorkreuzweg, den der Jesuitenpater Christian Herwartz geschrieben hat. Christian Herwartz ist ein Arbeiterpriester, der als Kraftfahrer oder Dreher unter den Menschen in Berlin lebt und seine Vier-Zimmer-Wohnung in Berlin/Kreuzberg mit Obdachlosen und Menschen in Not teilt. Er wusste wovon er spricht, als er diesen Kreuzweg verfasst hat. Er hat ausdrücklich erlaubt, den Kreuzweg an die Situation vor Ort anzupassen.
So haben wir diesen Kreuzweg gekürzt und Stationen zusammenzufassen, da die Fülle der Informationen einfach zu viel für ein Kreuzweggebet ist. Sollte Sie der gesamte Kreuzweg interessieren: er ist unter Misereor/Kreuzweg im Internet nachzulesen.
Ich möchte Sie noch darauf hinweisen, dass nach jeder Station eine kurze Stille ist.

So beginnen wir nun diesen Kreuzweg: Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes

Lied: Bleibet hier

Jesus wird zum Tode verurteilt und nimmt das Kreuz an

Am 11.März, heute vor genau vier Wochen hat sich in Japan durch ein Erdbeben und eine dadurch ausgelöste Riesenwelle von 14 m Höhe eine schlimme Überflutung mit Tausenden von Toten ereignet. In der Folge dieser Katastrophe kam es im Kernkraftwerk von Fukushima zur teilweisen Zerstörung der Reaktoren bis hin zur Kernschmelze. Um diese Kernschmelze , die die größte denkbare Katastrophe in einem Kernkraftwerk darstellt, einzudämmen, müssen Techniker des Atomkraftwerks und auch Freiwillige und weniger freiwillige Feuerwehrleute unter lebensbedrohlicher Strahlenbelastung im Kernkraftwerk arbeiten.
Mindestens 19 Menschen sind bereits lebensbedrohlich verstrahlt. Sie sind zum Tode verurteilt. Die Folgen für alle, die mit dieser Katastrophe beschäftigt sind, ist noch nicht abzusehen. Wir Europäer bewundern immer wieder, mit welcher Disziplin die Menschen in Japan ihr Kreuz auf sich nehmen.
Auch wenn diese Katastrophe in Japan passiert ist, so ist doch auch bei uns der Hunger nach Energie und Luxus so groß, dass wir bereit sind, unbeherrschbare Technologien zu tolerieren, die auch Generationen nach uns noch sehr stark belasten werden.

– Stille –

Jesus, du sagst uns: Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan. Wir sollen dich in allen Menschen, die leiden, erkennen und ihnen respektvoll und liebevoll begegnen. So willst du es! Hilf uns, dass wir auch den Menschen, die verstrahlt sind und die die Folgen unseres weltweiten Energiehungers für uns zur Zeit in Japan tragen, in Liebe begegnen. Hilf ihnen, dass sich Menschen in ihrer Heimat finden, die bereit sind, sie trotz ihrer Strahlenbelastung zu pflegen und ihr großes Leid mit zu tragen. Wir haben sie alle durch unsere Maßlosigkeit zum Tode verurteilt.

Jesus, hab auch Mitleid mit uns und unserem kurzsichtigen Wohlstandsglauben, der unsere Erde ausbeutet und eine unbeherrschbare Technologie überhaupt erst möglich macht. Hilf uns einzusehen, dass wir uns aus Liebe zu den nächsten Generationen und zu unserer geschundenen Erde einschränken müssen und nicht nur für Wohlstand und Luxus leben können.

Wir erinnern uns an Pilatus, der seine Hände in Unschuld zu waschen versuchte. Jesus lass uns auf deine Weisungen hören, die uns den Weg der Verantwortung für deine Welt lehren.

Lied: Bonum est confidere

Jesus begegnet seiner Mutter und Simon von Zyrene

Jesus, auf deinem Weg mit den Kreuz tragenden Menschen stößt du auf Begleiter, die hinhören und hinschauen. Sie fühlen in den Leidenden und Ausgestoßenen mit dir und harren z.B. in einem Armenviertel oder in einem Sterbehospiz bei dir aus. Diese mitfühlenden Menschen bilden eine tragende Säule unserer heutigen schnelllebigen und von kommerziellem Zeitgeist geprägten Gesellschaft. Sie zeigen Solidarität, Freundschaft, Liebe – bis in ihre Fundamente.

Jesus, Du hast die von den Soldaten erzwungene Hilfe durch Simon von Zyrene angenommen und dein Kreuz auf seine Schultern gelegt. So stärkst du auch uns, unsere Lasten abzulegen und andere wegen ihrer Laster nicht zu verurteilen.

Stille

Jesus, es ist eine Freude, Dir in diesen mitfühlenden und mittragenden Menschen zu begegnen. In ihrer Nähe finden wir die Kraft wieder aufzustehen und das Leben aus deiner Hand neu anzunehmen. Stärke auch uns in dem Bemühen notleidenden Menschen eine Stütze zu sein, denn Du hast uns beigebracht, dass wir alle Kinder Gottes – und somit Geschwister sind.

Lied: Bonum est confidere

Jesus fällt unter dem Kreuz
Veronika reicht ihm das Schweißtuch

Schlagzeilen der letzten Tage:

– Die Zahl der Arbeitslosen geht auf 3,2 Millionen Menschen zurück.
– Im März musste der Staat 5,6 Millionen Menschen unterstützen, die entweder arbeitslos sind oder von ihrem Lohn nicht leben können.
– Jedes 5. Kind in Deutschland ist von Armut betroffen.
– Leistungsmissbrauch bei Hartz IV.
– Alle 17 Minuten wird beim Sozialgericht eine Klage gegen falsche oder ungerechte Leistungsbescheide eingereicht.

Zahlen und Nachrichten, die verwirren.
Bei unserem Verein >>durchblick<< bekommen die Meldungen ein Gesicht.
Wir treffen Menschen, die nicht mehr weiterwissen.
Menschen, die sich der Bürokratie hilflos ausgeliefert fühlen.
Menschen, die krank werden, weil sie ständig um ihr Recht kämpfen müssen.
Und zu alledem kommt die gesellschaftliche Ächtung, weil Hartz-IV-Empfänger häufig als Faulenzer, Sozialschmarotzer oder Asoziale angesehen werden. Politik und Presse tragen ihren Teil dazu bei.
Diese Menschen leben in unserer Nachbarschaft. Sie sind uns fremd, weil sie anders sind als wir.
Gehen sie uns etwas an?

– Stille –

Jesus, du bist unter der schweren Last des Kreuzes gestürzt. Am Straßenrand standen die Menschen und haben zugeschaut. Die einen hatten Mitleid und fühlten sich ohnmächtig, weil sie nichts tun konnten. Andere haben vermutlich gedacht, er wird seine Strafe verdient haben. Auch Veronika konnte dir deine Last nicht abnehmen. Aber sie hat dir den Schweiß abgewischt. Eine kleine Geste, ein Blick in dein Gesicht, ein Zeichen der Liebe.

Lass uns die Not der anderen wahrnehmen und ihnen das Gefühl geben, dass ihre Probleme uns nicht gleichgültig sind. Hilf uns, ihnen ihre Menschenwürde zurückzugeben.

Lied: Misericordias Domini

Jesus begegnet den weinenden Frauen

Jesus, Du sagst: “Weint nicht über mich, weint über euch und eure Kinder!“(Lk 23,28)
D.h.: Wir sollen hinsehen in die kleine und große Welt, die uns umgibt.

Hinsehen, mitfühlen, vielleicht also auch mitweinen. Danach sollen wir uns aber nicht rechtfertigend an aufkommende Ängste klammern, sondern uns zum Wohle der Beweinten engagieren.
Weltweit werden auch oder gerade die Kinder in die immer größer werdende Kluft zwischen Arm und Reich hineingerissen – auch in unserem Land.
Straßenkinder sind überall auf der Welt das sichtbarste Zeichen dafür.
Welche Mitverantwortung hinsichtlich ihrer fehlenden Lebenschancen tragen wir?
Viele von ihnen werden früh sterben: an vermeidbaren Krankheiten, an den Folgen von Drogenkonsum, durch Gewaltverbrechen, im Gefängnis oder einfach an Hunger und Durst.
Sehen wir die Not, in deren Mitte Du anwesend bist?

Jesus, Du lehrst uns Nein zu sagen zu allem, was Menschen Leben nimmt. Ohne dieses Nein finden auch wir nicht zum Leben. Wir wollen die traurigen Wahrheiten des Lebens nicht länger beiseite schieben. Mit deiner Hilfe können auch wir uns immer neu den beiseite geschobenen Wahrheiten stellen.

– Stille –

Jesus, oft schrecken wir vor der Härte der Konflikte zurück, weil wir eher eine diplomatische Rolle einnehmen wollen. Doch wir verraten deinen Weg des Friedens, Jesus, wenn wir Unbeteiligte bleiben wollen und nur für alles einen Rat haben, ohne uns zu engagieren. Doch Du lebst mit deiner entschiedenen Klarheit in uns.

Lied: Misericordias Domini

Jesus wird seiner Kleider beraubt und ans Kreuz genagelt

Neubürger aus den ehemaligen Ländern der Sowjetunion haben entschieden, sich auf den Weg zum Land ihrer Väter und Mütter zu machen, um in mehr Freiheit, Sicherheit und nationaler Gemeinschaft zu leben. Sie brechen auf mit allen Erwartungen und Verheißungen, ohne die ein solcher Weg nicht beginnt. Nach dem Kreuz, als Deutsche unverschuldet über lange Jahre mit Gefangenschaft, Benachteiligungen und Entwürdigung büßen und nach staatlich verordneter Deportation aus wohlgeordneten Familien, Dörfern und Städten gerissen, in Erdlöchern der asiatischen Steppe oder anderen einfachsten Behausungen einen Neuanfang beginnen zu müssen, erleben sie wieder das Kreuz, ein Leben ganz neu aufzubauen und einzurichten – als Kind, Jugendlicher oder Erwachsener. Jesus, wir finden Dich auf unseren Straßen, besonders in den Neubaugebieten in Düngenheim, Kaisersesch und anderswo, in oft unauffälligen Häusern und mit gepflegten Vorgärten.

– Stille –

Jesus, Du sagst, dass die Vögel ihre Nester haben, doch der Menschensohn nichts, wo er sein Haupt hinlegen kann. Du kennst die Situation von heimatlosen und heimatsuchenden Menschen in unserer Mitte und weit weg. Du bist einer davon. Auch dir wird gesagt: „Selbst Schuld! Hättest ja da bleiben können, wo du herkommst!“ Wenn wir uns unserer eigenen Nacktheit und Bedürftigkeit vor dir nicht schämen, dann kannst Du uns in Deine Nähe rufen – in die Nähe aller Menschen.

Jesus, wir versuchen, uns immer wieder mit Mauern voreinander zu schützen, mit Mauern aus Regeln, Erwartungen, Gewohnheiten und Wünschen. Du gehst durch die Mauern und die verschlossenen Türen und ermutigst auch uns, durch die Mauern zu gehen, um Fremden zu begegnen und mit ihnen das Reich Gottes zu leben. Jesus, das Leben ohne Berührungsangst ist Dein Markenzeichen. In der Begegnung mit Dir fallen innere und äußere Mauern.

Lied: Jesus remember me

Jesus stirbt am Kreuz

Jesus, hinter dem Stacheldraht vom KZ Dachau steht neben der orthodoxen Gedächtniskapelle eine Erinnerung an Deinen Tod am Kreuz vor 2000 Jahren. Die Geschichte der Gewalt und Vernichtung setzt sich immer weiter fort. Über fünfzig Kriege werden weltweit zurzeit geführt. Sie fördern auch Deutschlands Wohlstand, unseren Wohlstand: als einer der größten Waffenexporteure in der Welt. Doch die Kriegsbilder sind unerträglich. Wir sehen lieber weg und loben andere Qualitäten: unsere gute „deutsche Wertarbeit“ zum Beispiel und das hohe Lohnniveau in vielen Branchen. Oder verarbeiten die Gewalt in Spielen oder Filmen, als wenn sie nicht wirklich sei.

Doch Dein Tod unter uns, Jesus, ist kein Happening. Dein Leidensweg ist kein einmaliges, kein vergangenes Ereignis. Wir sind keine Zuschauer, sondern Teil des Weltgeschehens. Todbringende Zusammenhänge zeigen sich nicht erst und nicht nur bei großen Katastrophen, die weit weg irgendwo auf der Welt wie jetzt in Japan geschehen. Wir waren und sind Beteiligte am Tod von Menschen, am Tod von ganzen Völkern.

– Stille –

Jesus, Du hast aus Liebe zu uns Menschen alle Privilegien weggelegt und dich ganz auf unser menschliches Dasein eingelassen. Ohne Vorbehalt. Bei Dir gibt es keine Distanz. Auch und erst recht zu den Notleidenden nicht. Du bist zum Opfer der Gewalt geworden. Keine Hintertür hast Du Dir offengelassen, von allen Podesten bist Du hinabgestiegen, und alles ehrerbietige Reden ist verstummt.

Jesus, all unsere Klugheit hast Du uns mit der Torheit des Kreuzes aus der Hand genommen. Unsere faulen Kompromisse, in denen wir etwas von unseren Reichtümern und Privilegien retten wollen, sind entlarvt. Lass uns Menschen in Liebe zueinander finden: als neue Familie. Hilf uns heraus aus unserer Gefangenschaft, damit wir nicht länger in unserem distanzierten „Weiter-so“ vom Leben ausgeschlossen bleiben.

Lied: Jesus remember me

Jesus wird vom Kreuz abgenommen und ins Grab gelegt

Der Schrecken Deines unnötigen Todes wird lebendig, wenn wir vom Tod durch Hunger, Krieg, Vertreibung, vermeidbarer Krankheit, Ausbeutung und Folter hören.

Jesus, die meisten deiner Freunde sind angesichts deines Leidens weggelaufen. Sie ertrugen diese Realität der Verlassenheit nicht. Nur wenige blieben, auch deine Mutter.

Hilf auch uns, Menschen in großer Not und Bedrängnis nicht alleine zu lassen.

Bei dir, Jesus, ist kein Mensch vergessen. Du bist bei den beiseite Geschobenen. Du hast mit ihnen gegessen und sie geachtet. Vor dir sind alle Menschen gleich.

Du sagst: „Wer bei euch groß sein will, und wer bei euch der Erste sein will, der soll eurer Diener sein!“

Stille

Lied: Meine Hoffnung und meine Freude

Abschluss:

Jesus, dein Weg der Menschwerdung führte dich in die Gleichheit mit uns und bis zu deinem leidvollen Tod am Kreuz. Du bist zu uns herabgestiegen und bietest uns allen das Leben an, damit wir alle, Arm oder Reich, Verletzte und Geschundene, schuldig gewordene und solche die in unseren Augen selbst schuld sind, an deinem Leben in Fülle einst Anteil erhalten. Hilf uns in deiner Liebe auf einander zu zugehen und unsere Mitmenschen als Brüder und Schwestern, die du alle gleich liebst, Ansehen zu geben. Wir möchten uns umschauen nach Menschen die vergessen sind und sie in unsere Mitte einladen. Jesus hilf uns dabei.

So segne uns alle und alle, an die wir in unserem Kreuzweg gedacht haben, der allmächtige Gott: der Vater, der Sohn und der heilige Geist. AMEN

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In Mönchengladbach wird der Kreuzweg über die Fastenzeit im TaK (Film) folgendermaßen aufgeteilt:
Mittwoch 16.3.11 Eröffnungsgottesdienst mit Station 0 „Grüß Gott“: Bericht
Mittwoch 23.3.11 Stationen 1 – 3 Verurteilung, Annahme, 1. Krise
Mittwoch 30.3.11 Stationen 4 – 6 Beistand in Begegnungen
Mittwoch  6. 4.11 Stationen 7 – 9 krisengeschüttelt, doch prophetisches Zurückweisen falschen Mitleids.
Mittwoch 13.4.11 Stationen 10 + 11 Armut der Beschämung und Fremdbestimmung
Mittwoch 20.4.11 Stationen 12 – 14 Tod und fassungslose Trauer
Mittwoch 24.4.11 Station 15 auferstandenes Überleben
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Für die Misereor-Einführungsveranstaltung am 19.2.11 in Berlin wurden folgende Kreuzwegstationen ausgesucht: 2, 5, 7, 10 und 15
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In Berlin fand am 2.2.2011 eine Versammlung von 70 Ordensschwesteren statt. Sie haben für ihr Treffen sieben Bilder aus dem Blog zum Kreuzweg ausgesucht.
Hier ihre Auswahl

Über Diese Seite wurde eingerichtet von Christian Herwartz

Arbeiterpriester auf Rente Meine Webseiten: http://christianherwartz.wordpress.com Jesuit - http://www.jesuiten.org/jesuiten-in-deutschland.html geb. 1943 wohnhaft in Berlin Begleitet Übende bei Exerzitien auf der Straße siehe: strassenexerzitien.de, nacktesohlen.wordpress.com
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