Bloggeschichte Misereor-Kreuzweg 2011

Die Augen im Schrecken öffnen
Meditation im Blick auf Karfreitag 2011

Die todbringenden Folgen andauernder Fehlentscheidungen bestimmen unser Leben weltweit:
a) Die unvorstellbare Gefahr der Atomenergie im militärischen und zivilen Bereich wird mit dem Wort Restrisiko verschleiert. Wie bei anderen Katastrophen gehen nun Männer in die Gefahrenzonen. Sie werden geopfert, um schlimmeres Unheil zu verhindern.
Jesus nahm das Restrisiko seines Einsatzes für das Leben aller mit ans Kreuz. Eine Straße Gottes ist er, auf der uns der Vater, die Wahrheit und das Leben entgegen kommt (Jo 14,6). In der Tradition des heimatlosen Nomaden (Dt 26,5) begegnet er uns als Obdachloser (Mt 8,20), der keinen geschützten Ort hat, seinen Kopf hin zu legen. Auch uns lädt er ein, eine Straße der Auseinandersetzung und des Friedens zu sein.
b) Das Wegsehen von der andauernden Kolonialpolitik vernebelt die Verantwortung für das begangene Unrecht und behindert den Widerstand gegen die Ausbeutung durch neue Aktionäre. Sie werden unterstützt durch angepasste Zölle, Steuern, diplomatische und militärische Aktivitäten. Die Folge sind Kriege zwischen den in Nationalstaaten gepressten oder zerrissenen Völkern. Bodenschätze und andere Güter sollen erobert werden.

Von Demonstrationen in Nordafrika gegen die Handelspartner der kolonialen Wirtschaftskräfte und von Flüchtlingsströmen lesen wir in der Zeitung. Unser Land versucht sich vor Flüchtlingen abzuschotten, ähnlich wie Jesus mit seiner Botschaft zurückgedrängt wurde: „Wir haben ein Gesetz…“ (Jo 19,7). Nur mit einem Visum ist die Einreise aus armen Ländern erlaubt. Die Nachbarstaaten sollen die Flüchtlinge abwehren. Wir sehen sie nicht an, sondern schieben unbesehen alle über Italien Einreisenden dorthin zurück. „Wir haben das Schengener Abkommen.“

Jesus, Deine Verurteilung und Kreuzigung findet wieder statt. Leicht lassen wir Dich auf den Weg in dem Tod allein. Doch das gelingt uns nicht wirklich. Denn Du bist das Leben in uns, mit welchem Namen wir Dich auch ansprechen mögen. Wir können von Dir nicht weg schauen, weder in uns noch in unseren Mitmenschen. Was sehe ich als Mann, wenn Du in unserer Mitte gefoltert und verlacht wirst und Dein Tod im Mittelmeer tausendfach bei der Grenzsicherung in Kauf genommen wird? Gesetzesbruch, fehlende Hilfeleistung, Gewinnmaximierung, emotionale Kälte nehme ich wahr. Darüber verroht die Liebe zum Leben, die doch nach Nähe, nach Vereinigung bis in den körperlichen Bereich hungert. Wie ist sie zu den Fremden, in denen Du uns begegnest, so möglich, dass die Liebe uns gegenseitig wärmt?

In Dir dürfen wir unsere Sehnsucht schmecken. In Verbindung mit Dir kann uns keiner vertrösten. Wir spüren Deinen Schmerz hautnah. Deine Botschaft ist nicht erfolgsabhängig. Du verkrümmst Dich nicht trotzig in Dir selbst, schweigend-hinhörend bleibst Du Dir treu. Du rechtfertigst Dich nicht vor Pilatus. Mitten in der Bedrängnis bleibst Du dem Nachbarn am Kreuz nah und sorgst für Deine Mutter. Bis in die letzte Minute Deines Lebens ringst Du mit unserer Lebenshoffnung: die Einheit mit dem Vater.

Alte Geschichten werden, wenn wir neu hinsehen, mit unseren Erfahrungen lebendig. Mitten im Entsetzen über das Leid des Gottesknechtes hören wir bei Jesaja, wie er – selbst verstoßen und unbeachtet – mit uns in heilender Beziehung bleibt.
Jesaja 52,13 bis 53,12

Wie lassen wir das Leid über Missstände bei anderen und in uns zu?
Auf welche Mauern der Zurückweisung stoßen wir, z.B. auf die juristischen „Notwendigkeiten“, die rechtfertigende Hilflosigkeit, das distanzierende „selbst Schuld“?

Diese Meditation erscheint in den Fastenimpulsen für Männer während der diesjährigen Fastenzeit unter dem Titel:  „Schmecke dein Leben, Mann!“

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Mein Name ist Christian Herwartz. Für die Fastenaktion 2011 hat mir Misereor den Auftrag erteilt, einen Kreuzweg zu schreiben.
Wie trägt der Auferstandene Christus das Kreuz mitten unter uns? habe ich mich gefragt. Mit Bildern und kurzen Texten versuche ich erste Hinweise zu geben.
Dieser Blog wurde eingerichtet, um einen Austausch über die Bilder und Texte des Kreuzweges zu erleichtern und Anregungen auszutauschen über eine weiterführende persönliche und gemeinschaftliche Praxis.
Der Kreuzweg liegt gedruckt in dem Heft Liturgische Bausteine 2011 (Seite 60-73) vor und kann bei Misereor angefordert werden.

Der Kreuzweg Weg der Liebe Gottes unter uns ist auch verlegt im Echterverlag.

Weg der Liebe Gottes unter uns

72 Seiten 14,8 x 21,0 cm. Broschur € 9,90  ISBN 978-3-429-03406-1

Kommentare zu den Kreuzwegstationen und Anregungen, ihn sie zu ergänzen und neu zusammen zu stellen, sind weiter erwünscht.

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19 Antworten zu Bloggeschichte Misereor-Kreuzweg 2011

  1. liberty reserve schreibt:

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  2. Es war eine sehr schöne Idee! Möchte nur sagen, danke für die Informationen, die Sie freigegeben haben. Einfach weiter schreiben diese Art von Post. Ich werde Ihre treuen Leser. Nochmals vielen Dank.

  3. zithromax schreibt:

    Im Vertrauen gesagt, ich empfehle, die Antwort auf Ihre Frage in google.com zu suchen

  4. Das ist wirklich mein Problem gelöst, danke!

  5. Möchte nur sagen, was für eine große Blog, das Sie hier haben! Ich bin schon ziemlich viel Zeit, aber schließlich entschieden, meine Wertschätzung für Ihre Arbeit zu zeigen! Thumbs up, und halten Sie es weiter!

  6. Das war ein schöner Artikel zu lesen, danke für sie.

  7. Benedicta Ewald schreibt:

    Gedanken zur 11. Station: Jesus wird ans Kreuz genagelt

    Festgenagelt
    Gefesselt, bewegungsunfähig, der Freiheit beraubt, draußen vor der Stadt – aus dem Weg geschafft – damit ich nicht gestört werde durch seine herausfordernde Anwesenheit, er könnte mich meinen, meine Absicherungen sprengen, meine Ruhe zerstören.
    Menschen, weggesperrt – Kinder, Behinderte, die das Straßenbild für Touristen stören! Menschen festgenagelt durch Vorurteile, Verurteilungen, vorgefasste Meinungen und Einstellungen – Ich selbst gefesselt in meinen Vorurteilen, in meinen Abhängigkeiten von Menschen, gefesselt im Festklammern an Gewohntem und Bekanntem, an vielfältigen Absicherungen … bewegungsunfähig, starr. Ich sitze hinter meinen Mauern, um mich zu schützen vor dem Anblick des Unrechts, mich abzusichern, angefragt zu werden, mich berühren zu lassen von der unendlichen Not der Menschen…
    Wage ich es vielleicht doch, durch die winzigen Mauerritzen zu schauen und zu erkennen, was wirklich ist?
    Wage ich es letztlich, mich aus meinen Mauern zu lösen, auf Unbekanntes, Fremdes zuzugehen und mich aufzumachen, Menschen zu begegnen, die im Gefängnis einsitzen, ihre äußeren und inneren Fesseln wahrzunehmen, ihre Ängste vor sich selbst, ihre Angst vor der Entlassung, vor dem „Danach“ kennen zu lernen, Menschen zu begegnen, die aufgrund ihrer Drogenabhängigkeit gemieden und aus dem Straßenbild gedrängt werden, mich ihrer Not zu öffnen – und so Gottes Gegenwart zu erfahren?

  8. Corinna schreibt:

    Ich würde mich freuen, wenn mehr Leute auf diesem Blog schreiben würden, wenn mehr Gespräche entstehen würden.
    Was mich an dem Kreuzweg hier so anspricht ist, dass diese Meditationen wirklich gegangene Wege widerspiegeln. Die Urform des Kreuzwegs ist der Weg den Jesu durch die Strassen Jerusalems zu seiner Kreuzigung ging. Man kann die schmerzhaften Erfahrungen auf diesem Weg – das Fallen, das Entblösst-Werden, das Angenagelt-Werden – als Erfahrungen begreifen, die zur menschlichen Existenz gehören. Damit ich durch sie hindurch das Leben finden kann, muss ich sie immer wieder in den Erfahrungen meines Alltags erkennen.
    Das heisst nichts anderes als die Wirklichkeit des Evangeliums in meinem Leben hier und heute zu erkennen.
    Das heisst aber auch hinzuschauen: was passiert mit den Flüchtlingen, die die Aussengrenzen der EU erreichen? Hinzuschauen, dass Menschen sexuell ausgebeutet werden. Hinzuschauen auch da, wo Obdachlosigkeit vielleicht gar nicht mehr sichtbar ist. Es heisst für mich auch, dem Menschen in die Augen zu sehen, der mir am ungenehmsten ist.
    Den ganzen Kreuzweg, den Jesus gegangen ist, hat er Brutalität und Gewalt erlitten. Manchmal ist es schwer zu verstehen, wie die Gläubigen aus dieser Erzählung von erlittener Gewalt einen Trost ziehen sollen. Für mich liegt der Trost darin, dass Jesus auch im extremen Leiden der Entmenschlichung widerstanden hat. Ich sehe das in seinen Begegnungen mit Maria, mit den weinenden Frauen, mit den Schächern, in seinem Schrei zu Gott. Seine Menschlichkeit macht ihn verletzlich, aber er hält bis ins Sterben an dieser Menschlichkeit fest. „Siehe, der Mensch“ heisst es bei Johannes (19,5).
    Betend den Kreuzweg gehen, heisst für mich auch, die Gewalt sehen, die ich anderen antue. Diese Gewalt kann auch in meinem Blick auf andere sein, in meinen Urteilen, die mir manchmal nicht mal bewusst sind. Dann ist der Kreuzweg ein Weg der Bewusstwerdung. Es geht auch darum, die Gewalt zu hören, die öft in sprachlichen Bildern weitergetragen wird (in einem entmenschlichenden Wort wie „Flüchtlingsschwemme“ zum Beispiel).
    Den Kreuzweg beten heisst für mich, einen Weg zum Leben gehend suchen.
    Was sind Eure Erfahrungen und Gedanken?

  9. Ziemlich schöne Post. Ich stolperte über einen Blog und wollte sagen, dass ich wirklich genossen Surfen Ihre Blog-Posts. Auf jeden Fall werde ich zu Ihrem Feed abonnieren sein und ich hoffe, Sie bald wieder zu schreiben!

  10. buy clenbuterol schreibt:

    Ah! ich endlich das gefunden was ich gesucht habe. Manchmal dauert es so viel Mühe, um auch kleine nützliche Information zu finden.

  11. helmut böddeling schreibt:

    ich kann zu dem vielen eindringlichen material im einzelnen nichts sagen.dass aber jemand wie christian herwartz in diesem jahr den misereor kreuzweg entworfen hat,hat mich im hinblick auf kirche ermutigt.

    es wird für mich deutlich,dass das aus dem eigenen erlebten heraus entstanden ist,nicht als was ausgedachtes.
    es gibt eben nicht „die kirche“, schon im geistigen sinne, aber auf der menschlichen, politischen,organisatorischen ebene nicht. das wird mir dabei wieder klar.wichtig für mich bei allem,was so grade „in der kirche“ erschreckendem passiert…
    insofern wünsche ich dem kreuzweg grade dieses jahr die beachtung, die er verdient hat.

  12. Gudrun Roehl schreibt:

    13. Station- Jesus wird in die Arme seiner Mutter gelegt… ein für mich sehr bewegendes Bild im Kreuzweg 2011. Ein Kind, wahrscheinlich durch Unmenschlichkeit (Verhungern) dem Tode geweiht, im Arm seiner Mutter, die nichts als mütterliche Liebe bieten kann. Jesus, durch Unmenschlichkeit von seinen Peinigern bis in den menschlichen Tode gequält, beendet sein menschliches Dasein im Schoße der Mutter. Dort, wo es begann. Die Mutter kann ihr Kind (oder Jesus) nur halten, da sein, ihn nicht wegstoßen. Diese anrührende, obgleich oder gerade weil so hilflose, Geste ist für mich nach dem Tod unseres Erlösers immer wieder der erste Hoffnungsschimmer. Das Licht wird wieder in die Welt kommen, auch wenn auf andere Art.

  13. Bernadette Allgeier schreibt:

    II. zum Ringen um Einheit: gehört auch die Freiheit des Geistes. Überall, wo der Geist eingesperrt wird, wie in einem Schnellkochtopf, sind zerstörerische Kräfte am Werk. innerhalb der Kath. Kirche plädiere ich für die GRundsätze: 1.Wir sind das Volk 2. die Gedanken sind frei 3. die Verheißungen aus dem 2.Vatikanum offenlegen und einlösen oder ggf. die Wege dafür freimachen und nicht Daumenschrauben an Geist und Seele der verantortlich Gläubigen anzulegen. Bernadette

  14. Bernadette Allgeier schreibt:

    I.Nun noch eine Anmerkung, die sich kaum einer Station zuordnen läßt. Neben dem körperlichen und seelischen Amtsmissbrauch gibt es noch einen geistigen, den ich am Begriff der „Einheit“ festmachen will; all jene die lautstark um die Einheit jammern, andern unterstellen, sie untergraben Einheit in der Kirche, meinen im Grunde Angst und Macht; ich mache Dir Angst, ich habe die Macht und andere Spielarten. All jene, die jederzeit mit ihrem Leben für die Einheit einstehen, jammern verbal nicht herum.

  15. Bernadette Allgeier schreibt:
    3. Januar 2011 um 11:08 (Bearbeiten)

    Unter: http://www.tagesthemen.de sind 16 Bilder zum Anschlag auf koptische Christen in Kairo , vom 03.01.2010, ins Netz gestellt. Ganz besonders möchte ich auf das Bild 15 hinweisen. Bernadette

  16. Bernadette Allgeier schreibt:
    16. Dezember 2010 um 16:09 (Bearbeiten)

    Lieber Christian! Heute vormittag habe ich barfuß im Schnee Spuren gelegt und diese auch digital fotografiert; 16.12.2010, 11 Uhr. Das Foto habe ich auch barfuß gemacht; es kommt per Post/ B4 weiß Umschlag, diese Tage an. Die Kälte steht nicht nur für Trauer, sondern auch für traumatische Erfahrungen mitten im gelebten Leben. Bernadette

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Über Christian Herwartz

Arbeiterpriester auf Rente Meine Webseiten: http://christianherwartz.wordpress.com Arbeitergeschwister: arbeitergeschwister.wordpress.com Jesuit - http://www.jesuiten.org/jesuiten-in-deutschland.html geb. 1943 wohnhaft in Berlin allerlei - nacktesohlen.wordpress.com, Begleitet Übende bei Exerzitien auf der Straße siehe: strassenexerzitien.de, nacktesohlen.wordpress.com Schmerz: sexueller Missbrauch - unheiligemacht.wordpress.com, an schmerzhaften Orten stehen bleiben und sich berühren lassen flughafenprozess.wordpress.com
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